Die Schule Schlieren kommt aus den Schlagzeilen fast nicht mehr heraus. Insbesondere der Widerstand gegen die Erhöhung der Horttarife um bis zu 123 Prozent wird von vielen Eltern mittels Aufsichtsbeschwerde bekämpft.

Bea Krebs: Dem ist so. Nun müssen wir die Meinung des Bezirksrates, der diese Beschwerden bearbeitet, abwarten. Steht diese fest, kann das weitere Vorgehen bestimmt werden. Der Stadtrat befindet sich also in einer Warteposition. Mehr kann ich dazu im Moment nicht sagen.

Der Preisüberwacher Stefan Meierhans schlägt in seinem von den Grünliberalen initiierten Bericht vor, die Erhöhungen auf drei Jahre zu verteilen. Dies ist keine Option?

Wie gesagt: Erst warten wir die Haltung des Bezirksrates ab und schauen, was das für die Schule Schlieren heisst.

Wie beurteilen Sie Ihre Handhabe der Situation rückblickend? Hätte man diesen Aufruhr vorhersehen sollen?

Im Nachhinein ist man immer schlauer. Hätte ich gewusst, welche Reaktionen die Erhöhung der Hortkosten provoziert, wären gewisse Dinge möglicherweise anders gelöst worden. Ich muss aber festhalten, dass diese Massnahme absolut notwendig ist, da die Hortkosten mit dem heutigen Finanzierungsmodell nur etwa zur Hälfte gedeckt werden. Die Schulpflege hat dieses Geschäft zudem seriös abgewickelt – daran gibt es keinen Zweifel.

Waren Sie von den protestierenden Eltern, den Aufsichtsbeschwerden und den Leserbriefen überrascht?

Ja, ich war sehr überrascht. Dies habe ich in dieser Art und Weise nicht kommen sehen.

Besonders in Leserbriefen wurde auch konkret auf Sie als Person geschossen. Sie wurden als Dampfwalze und als herrschsüchtig bezeichnet. Schmerzte das?

Kommen solche Kommentare von Menschen, die man persönlich kennt, sind sie schmerzvoll. Mit einigen arbeitete ich früher sehr gut zusammen. Allerdings weiss ich, dass ich weder eine Dampfwalze bin, noch einen herrschsüchtigen Charakter habe. Daher trafen mich diese Beleidigungen nicht sonderlich.

Suchten Sie das Gespräch mit den Ihnen persönlich bekannten Kritikern?

Nein. Ich nahm deren Haltung zur Kenntnis. Es handelt sich nicht um Personen, mit denen ich täglich verkehre.

Neben den erhöhten Hortkosten war ein zweites Thema stark in den Medien vertreten. Lehrer Stefan Achermann, der sich gegen den Abbau seiner eigenen 70 000-Franken-IT-Ausrüstung mit einer Kündigung wehrte. Zu diesem Thema gingen neben einer Aufsichtsbeschwerde auch zwei Petitionen ein. Haben Sie die Lage auch falsch eingeschätzt?

Für mich gab es in diesem Fall keine Situation, die es einzuschätzen galt. Herr Achermann hat uns seine Kündigung eingereicht, die wir zur Kenntnis nahmen. Die Reaktionen, die danach von den Eltern und Kindern kamen, haben mich überrascht.

Doch wurden Sie nicht nur von Eltern und Schülern harsch kritisiert. Auch die Weltwoche attestierte Ihnen, eine Neidkultur zu erschaffen.

Diese Kritik vonseiten der Weltwoche kann ich nicht ernst nehmen, da mir schleierhaft ist, worauf sie fusst. Mit meiner Person und meinem Führungsstil hat dies nichts zu tun. Ich werde auf eine Art beschrieben, die nicht auf meinen Charakter zutrifft.

Wie erklären Sie sich, dass Sie so oft falsch eingeschätzt werden?

Möglicherweise möchten gewisse Menschen ihrem Unmut Luft verschaffen. An Personen, die ein öffentliches Amt bekleiden, lässt man sich offenbar schneller einmal aus. Ich kann diese Haltung nicht nachvollziehen, da es mir nicht in den Sinn käme, jemanden auf diese Weise öffentlich zu beleidigen. Vorher würde ich das persönliche Gespräch suchen.

Zurück zu Herrn Achermann: Es ist auch in mehreren Beiträgen zu lesen, dass ein persönlicher Zwist zwischen Ihnen und dem Sek-Lehrer der Grund für die Situation sein soll. Stimmt das?

Ich habe keinen Zwist mit irgendwem in der Schule.

Er liess schon mehrmals öffentlich verlauten, dass er seine Kündigung zurückziehen würde, wenn er sein Equipment behalten dürfte. War dies für Sie jemals eine Option?

Am 8. April kommt das neue ICT-Konzept ins Parlament. Es symbolisiert für die Schule Schlieren den Beginn der Zukunft mit dem Lehrplan 21. Dazu sollen alle Zimmer umgerüstet werden. Dass einzelne auf dem jetzigen Ausbau-Standard bleiben sollen, ist nicht vorgesehen, da für die Umsetzung des Lehrplans 21 eine einheitliche Ausstattung aller Zimmer geplant ist.

Genau. Eine Ausnahme war aber nie vorgesehen?

Nein. Das ICT-Konzept sieht keine solche vor.

Würden Sie rückblickend ein Hintertürchen in das Konzept einarbeiten, sodass Herr Ackermann seine Ausrüstung behalten darf?

Das Konzept wurde für die gesamte Schlieremer Schule entwickelt. In keinem Bereich halte ich es für eine gute Idee, ein Konzept auszuarbeiten und sich dabei für die Zukunft zu rüsten, nur um dann davon abzuweichen. Der Entscheid für das Konzept wurde von der Schulpflege gefällt und ich bin zu 100 Prozent davon überzeugt, dass dies der richtige Weg ist.

Schüler wie Eltern argumentieren auch auf einer emotionalen Ebene. Sie werden den Lehrer, der sich mit viel Herzblut für sie einsetzt, vermissen. Was sagen sie diesen?

Wir von der Schulpflege haben nach der Übergabe der Schüler-Petition das direkte Gespräch gesucht und haben Fragen der Schülerinnen und Schüler beantwortet. Mir persönlich tut es wirklich leid, dass sie ihren guten Lehrer verlieren werden.

Hatten die Schüler Verständnis für diese Priorisierung?

Sie haben natürlich kein Verständnis dafür und beurteilen die Lage anders. Dies geht schon aus der Petition hervor.

Herr Achermann scheint ein Vollblut-Lehrer zu sein. Reut sie dieser Verlust?

Wir brauchen Lehrer, die einen grossen Einsatz leisten. Bezüglich der getätigten Ausgaben habe ich jedoch eine andere Auffassung. Es ist die Aufgabe der Schule, Investitionen zu tätigen. Die Schulleitungen waren schon immer damit betraut, zu schauen, dass nicht zu viel privates Unterrichtsmaterial von Zuhause mitgebracht wird.

Ein Thema, das öffentlich wenig besprochen wurde, aber durchaus Aufmerksamkeit verdient, ist die Personalpolitik der Schule. Innerhalb der letzten drei Jahre gab es einen regen Wechsel bei den Schulleitern. Warum?

Man muss sehen, dass zwei Schulleiterinnen, die ihre Positionen gekündigt hatten, seit über einem Jahrzehnt in Schlieren tätig waren. Da kann ich verstehen, dass ein Wechsel gewünscht wird. Eine der beiden, die den Posten abgegeben hat, arbeitet übrigens weiterhin in anderer Funktion bei uns. Die andere Schulleiterin hat sich auch weiterentwickelt und leitet nun eine andere Schule. Zudem steht im Kalktarren die Pensionierung einer Schulleiterin bevor. Im Hofacker hatten wir einige Wechsel, das ist richtig.

Woran dies liegt, kann ich mir nicht erklären. Eine Krise im Schulleitungsteam oder einen problematischen Führungsstil vermag ich aber nicht zu erkennen. Aktuell ist die Kündigung der zweiten Schulleiterin im Kalktarren. Es wird in dieser Schule nun darum gehen, ein neues Team zusammenzustellen.

Diese hohe Fluktuation erschien Ihnen nicht als bemerkenswert?

Bemerkenswert war, dass wir neben einer Neubesetzung der beiden Schulleiter-Stellen im Reitmen im Folgejahr zwei solche Stellen ersetzen mussten. Dies gestaltete sich als schwierig. Wir waren daher auch immer wieder mit Inseraten in der Zeitung, was den Eindruck einer unruhigen Personalpolitik erweckt.

Und dem ist nicht so?

Hohe Fluktuationen bei Schulleitungen sind im ganzen Kanton ein bekanntes Phänomen und sie liegen vermutlich im grossen Spannungsfeld zwischen Behörde, Eltern, Lehrpersonen sowie Schülerinnen und Schülern begründet.

Eine gute Nachricht aus der Schule Schlieren ist, dass der Übergang der Bernstrasse nun keine Gefahr für die Kinder mehr darstellt. Doch kam es auch dort im Vorfeld zu einem Eklat.

Ich übernahm die Durchführung eines Elternabends aufgrund von Abwesenheit der Schulleiterin. Mir war im Vorfeld jedoch nicht bewusst, dass die Engstringerkreuzung ein derartig aufreibendes Thema war. Am Abend selbst wurde ich von manchen Eltern massivst angegangen. Ein konstruktives Miteinander wurde schwierig. Dies hat mich derart überrascht, dass ich auch durchaus deutliche Worte fand. Ich hätte mir gewünscht, dass mich das Elternforum vor einer solchen Eskalation eingeladen hätte oder dass die Eltern selber das Gespräch gesucht hätten. Dies geschah leider nicht. Wir fanden daraufhin aber mit konstruktiven Eltern rasch eine Lösung, mit der nun alle Eltern durchaus zufrieden sind.

All diese Summierung von Negativschlagzeilen ist dennoch unüblich. Haben Sie das Gefühl, es wird eine organisierte Kampagne gegen Sie gefahren?

Diese Erklärung ergibt wenig Sinn, da eine solche Schmutzkampagne doch vor den Wahlen im vergangenen Jahr hätte stattfinden sollen. Damals erhielt ich ein gutes Wahlergebnis. Man sollte sich wohl bei all dieser Angriffigkeit auch bewusst werden, was ein Schulbetrieb in der Grösse von Schlieren bedeutet.

Was bedeutet er?

In Schlieren ist er primär gross und komplex mit 1800 Schülerinnen und Schülern. Dass dabei nicht immer alles reibungslos funktioniert, ist klar. Daher bin ich – wie auch die Schulpflege – darauf angewiesen, dass die Eltern den direkten Kontakt zu uns suchen, statt sich hintern vorgehaltener Hand zu ärgern.

Die Grösse der Schule ist ein gutes Stichwort. Laut Prognosen des Volksschulamtes fällt im kommenden Schuljahr eine Oberstufenklasse weg. Wie ist dies mit dem steten Bevölkerungswachstum der Stadt zu vereinbaren?

Die Bevölkerungszunahme zeigt sich im Kindergarten, in dem wir jährlich neue Klassen eröffnen müssen. Aufgrund der Schülerzahlen an der Oberstufe kann dort dieses Jahr auf eine Klasse verzichtet werden.

Früher wurde oft ein tiefes Niveau der Schlieremer Schule kritisiert. Die Vermutung, dass Schüler von der öffentlichen Schule abgemeldet und in eine Privatschule geschickt werden oder die Familie gleich von Schlieren wegzieht, hegen Sie nicht?

Dieses Thema ist bei uns in der Schule derzeit nicht aktuell. Denn wenn Eltern die Stadt verlassen wollen, gehen sie vor dem Eintritt des Kindes in den Kindergarten. Zur Kritik am Schulniveau: Schlieren hat einen hohen Ausländeranteil und damit sehr viele Schülerinnen und Schüler, die eine andere Muttersprache als Deutsch sprechen. Wir unternehmen daher viel im Bereich Deutsch als Zweitsprache, um diesem Umstand zu begegnen. Dass wir ein zu tiefes Schulniveau haben, habe ich von Eltern in dieser Form noch nie gehört.