Es ist das Abschlussjahr der Highschool. Die letzten Prüfungen werden geschrieben, bevor der Schritt hinaus ins Leben ansteht. Freundschaft und Liebe werden im Wechselbad der Teenagerhormone auf die Probe gestellt. Die Hochs und Tiefs der Jugendlichen wechseln so schnell, wie die Pompons der Cheerleaderinnen durch die Luft fliegen. Diese Szenen spielen sich nicht etwa an einer amerikanischen Schule ab, sondern im Primarschulhaus Hofacker in Schlieren.

23 Schülerinnen und Schüler der 6. Klasse haben unter der Leitung ihrer Primarlehrerinnen Eva von Aesch und Karin Berri das Musical «Grease» einstudiert. Das Projekt wird zum Abschluss des Schuljahres und zugleich der Primarschulzeit. Die Schüler werden nach den Sommerferien die Oberstufe besuchen.

Etwas Neues ausprobieren
Aufgeführt wird das Musical im Singsaal des «Hofackers», in dem auch die «Schlieremer Chind» ihre Konzerte und Aufnahmen durchführten. Doch aus ebendiesem berühmten Schatten wollen die Jugendlichen ausbrechen: «Sie sagten mir, sie wollen einmal ‹etwas Richtiges› machen», erzählt von Aesch schmunzelnd. Etwas richtig Erwachsenes, nicht so Kinderlieder wie mit den «Schlieremer Chind». «Etwas Richtiges» bedeutet für die Schüler auf Englisch zu singen, eine erwachsene Person zu spielen, sich zu kostümieren und zu tanzen.

So fiel die Wahl auf «Grease». Der Musicalklassiker, der auch durch die Verfilmung aus den 1970er-Jahren mit John Travolta und Olivia Newton-John bekannt ist, spricht viele Themen an, die auch die Schlieremer Schüler betreffen. «Im Stück geht es um Zugehörigkeit, Liebe, Freundschaft und den Abschluss des Schuljahres, dies sind alles Dinge, mit denen sich die Schüler momentan auseinandersetzen», sagt Karin Berri.

Intensive Probenarbeit
Wer «etwas Richtiges» aufführen möchte, muss auch richtig intensiv arbeiten. Dies war den Schülern offenbar bewusst. Sieben Wochen haben sie mit ihren Lehrerinnen an dem Musical-Projekt gearbeitet. Im Musikunterricht wurden die Lieder einstudiert. Der Turnunterricht wurde zum Tanzunterricht und das Schulfach Zeichnen diente der Herstellung der Kulissen.
«Es ist das anspruchsvollste Projekt, das wir je aufführten. Aber wir geben unser Bestes», sagt die Schülerin Arianna Sonetto. Auch die beiden Primarlehrerinnen sind der Ansicht, dass die Jugendlichen ihr Bestes geben: «Die Buben und Mädchen sind grossartig. Sie haben so tolle Stimmen», sagt Eva von Aesch stolz.

Beeindruckend ist aber nicht nur der Gesang, sondern auch der Tanz. «Vor allem die Mädchen haben viel zum Gelingen der Choreografien beigetragen», sagt Berri. Sie hätten sich über das Internet-Videoportal Youtube Ausschnitte aus der Filmfassung des Musicals angesehen und dann die gesehenen Elemente in die Probenarbeit einfliessen lassen.

Keine Hemmungen
Mit Eifer und Konzentration arbeiteten die Jugendlichen eine Woche vor der Aufführung an den Feinheiten des Stücks. Die Freude und Leidenschaft ist deutlich zu spüren. Die Choreografien sind ausgelassen, und die Lieder haben Hühnerhautqualität. Hemmungen haben die jungen Darsteller kaum, auch wenn die Buben und Mädchen in manchen Szenen Händchen halten müssen.
«Die Schüler wissen, dass das, was auf der Bühne geschieht, nur gespielt ist. Zudem sind sie sich das Theaterspielen gewöhnt», sagt Eva von Aesch. Die Tochter von «Cabaret Rotstift»-Komiker und «Schlieremer Chind»-Gründer Werner von Aesch sagt: «Karin Berri und ich haben jedes Jahr eine Produktion mit den Schülern einstudiert. Das gibt Routine.»

Regisseurin Karin Berri hat das Stück für die Primarschüler altersgerecht umgeschrieben. «Einige Szenen des Stücks waren auf der Bühne nicht umsetzbar oder nicht altersgerecht, die haben wir weggelassen», sagt sie. Das Ergebnis gefällt den Schülerinnen und Schülern gut. Kristiana Cirkovic sagt: «Das Musical macht grossen Spass.» Ihrem Klassenkollegen André Richi gefallen vor allem die Lieder und das etwas «Machomässige» des Musicals. Obwohl sie nervös sind, freuen sich die Schüler auf die Aufführung vor ihren Eltern und Freunden.