Dietikon
Die Polizei verliert Geld aus den Augen – und findet es erst nach vier Monaten wieder

Auf dem Posten der Kantonspolizei im Bezirksgebäude verschwinden 120 Franken, die ein ehrlicher Finder abgegeben hat. Erst nach vier Monaten taucht das Geld wieder auf. Der ursprüngliche Finder spendet es jetzt an "Ärzte ohne Grenzen".

Leo Eiholzer
Merken
Drucken
Teilen
Die 120 Franken gingen im Dietiker Bezirksgebäude unter und tauchten erst wieder auf, als die Limmattaler Zeitung nachfragte.

Die 120 Franken gingen im Dietiker Bezirksgebäude unter und tauchten erst wieder auf, als die Limmattaler Zeitung nachfragte.

Bettina Hamilton-Irvine

Ein Montag Ende September: Der pensionierte Postbeamte Bruno Wüest gibt bei der Kantonspolizei im Bezirksgebäude in Dietikon 120 Franken ab, die er gefunden hat. Ein Beamter notiert seine Personalien, eine Quittung erhält der 75-Jährige aber nicht. Stutzig gemacht hat ihn das nicht: «Ich war froh, dass ich das Geld los war», sagt Wüest.

So weit, so normal. Anfang Januar nahm es ihn dann doch wunder, ob jemand das Geld abgeholt hat. Er fragte auf dem selben Posten nach. Die irritierende Antwort: «Wir wissen nichts davon.» Das Geld war nicht mehr auffindbar, bei Wüest meldet sich niemand.

«Mir geht es nicht um den Betrag», sagt der Rentner. Aber es habe ihn neugierig gemacht, wo das Geld geblieben sei. Deshalb schreibt er einen Brief, der vom Dietiker Bezirksrat an die Sicherheitsdirektion weitergeleitet wird. Darin schreibt Wüest in Anlehnung an den spektakulären Ausbruch eines Häftlings unter Mithilfe einer Gefängnisaufseherin: «Es ist spannend, dass in einem Gebäude, in dem ein Häftling samt Aufseherin verschwindet, auch 120 Franken einfach so ‹untertauchen›.»

Ob die Sicherheitsdirektion den Scherz lustig findet oder nicht: Wüest erhält nur eine Empfangsbestätigung.

Geld war gar nie weg

Als die Limmattaler Zeitung bei der Kantonspolizei nachfragt, geht es dann plötzlich ganz schnell. Innert einer Woche meldet sich die Polizei bei Wüest und sagt ihm, er könne das gefundene Geld ab sofort auf dem Polizeiposten abholen.

«Spannend, das in einem Gebäude, in dem ein Häftling samt Aufseherin verschwindet, auch 120 Franken einfach ‹untertauchen›.»

Bruno Wüest in seinem Brief an die Sicherheitsdirektion

Die Mediensprecherin der Kantonspolizei, Carmen Surber, gibt Auskunft: «Es handelte sich um eine Informationspanne. Das Geld befand sich die ganze Zeit auf dem Polizeiposten im Bezirksgebäude.» Die Aufzeichnungen, von der die Polizistin am Schalter sagte, es gebe sie nicht, gebe es doch, sagt Surber: «Die Aufzeichnungen wurden gemacht. Die Polizistin, die an dem Tag Schalterdienst hatte, als Herr Wüest nach dem Geld fragte, verfügte nicht über die entsprechenden Informationen. Das war unglücklich.»

Auf die Frage, warum es plötzlich so schnell ging, als die Limmattaler Zeitung nachfragte, wiederholt Surber: «Es war eine Verknüpfung von unglücklichen Umständen, dass nach Herr Wüests erster Erkundigung keine Nachforschungen angestellt wurden. Der Brief von Herr Wüest erreichte uns etwa zeitgleich mit Ihrer Anfrage. Erst dann konnten wir mit den Abklärungen beginnen.»

Das Geld spendet er

Vor allem bleibt die Frage, warum Wüest keine Quittung erhalten hat. Surber gibt zu: «Korrekterweise hätte der Polizist, der das Geld entgegennahm, eine Quittung zurückgeben müssen.»

Wüest findet die Geschichte nicht so schlimm. «Aber kurios ist sie schon», sagt er. Das Geld holt er nicht ab. Stattdessen solle es die Kapo Ärzte ohne Grenzen spenden und ihm eine Quittung schicken. Wüest sagt lachend: «Ich hoffe, dass ich diesmal wirklich
eine bekomme.»