Dietikon
Die pfeifende Bahn ärgert die Dietiker

Die pfeifende und quietschende BD-Bahn ärgert viele Dietiker. Doch die Klagen über die BD-Bahn betreffen eher das Ertönen der Lokpfeife als den Lärm der Züge. Das sagt der Leiter des Bahnbetriebs.

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«Nein, Verbesserungen am Gleis sind zurzeit nicht mehr nötig. Die meisten Reklamationen, die bei uns eingehen, betreffen die Pfiffe der Loks in Gefahrensituationen», sagt René Fasel, Leiter Bahnbetrieb der BDWM.

Er reagiert mit dieser Aussage auf die Vorwürfe, welche der BDWM Transport AG letzte Woche vonseiten des SVP-Gemeinderats Rochus Burtscher gemacht wurden. Burtscher kommentierte die Antwort des Stadtrates auf seine Interpellation vom Juli dieses Jahres dahingehend, dass sich die Verbesserungsarbeiten der BDWM auf die Gleise im Stadtzentrum beschränkt hätten, und die Anwohner oberhalb der Guggenbühlstrasse noch immer unter erheblichem Lärm zu leiden hätten. Auch sei das neu angeschaffte Rollmaterial bei weitem nicht so leise, wie etwa die Trams, welche in Bern eingesetzt würden.

Neue Züge sind kein Thema

Fasel weist die Vorwürfe Burtschers zurück: «Das Rollmaterial ist in Bezug auf seine Laufruhe sehr gut. Neue Züge anzuschaffen, kommt für die BDWM nicht infrage.» Es stimme auch nicht, dass an den Gleisen nur im Zentrum gearbeitet worden sei, dementiert Fasel. Auf der Höhe des Restaurants Honeret habe man beispielsweise eine Schienenschmieranlage installiert, damit das Heulen, welches die Züge in engen Kurven verursachten, minimiert werden könne. Das Kratzen, welches heute noch zu hören sei, lasse sich nicht vermeiden.

Betreffend Gleise und Rollmaterial sind, gemäss Fasel, in letzter Zeit auch kaum mehr Beschwerden eingegangen. Vielmehr sei es in letzter Zeit zu Reklamationen wegen der Gefahrenpfiffe der Loks gekommen: «Viele Leute haben sich beschwert, die Lokführer würden aus Frust extra lange Pfiffe ertönen lassen.

Doch das Problem dabei liegt mehr darin, dass bei einer Vollbremsung das Warnsignal automatisch so lange ertönt, wie der Bremshebel in Notbremsstellung bleibt - also bis der Zug still steht.» Dieser Umstand soll nun aber «aus Rücksicht auf die Dietiker Bevölkerung» geändert werden, wie Fasel erklärt. Die BDWM werde beim Lieferanten der neuen Züge, der Stadler Rail AG, eine Änderung der betreffenden Funktion in Auftrag geben. «Danach setzt die Pfeife bei einer Notbremsung zwar noch immer automatisch ein, sie erklingt aber nur noch für maximal zwei Sekunden», sagt Fasel.

Verkehr ist eigentliches Problem

Natürlich würden die Lokführer auch weiterhin in Situationen, in denen sie die Aufmerksamkeit der anderen Verkehrsteilnehmer auf sich lenken müssten, die Lokpfeife benutzen, erklärt Fasel. «Dies entspricht dem Schweizerischen Strassenverkehrsgesetz. Wir haben aber unsere Lokführer dazu angehalten, den Einsatz dieses Signals doch auf das notwendige Minimum zu beschränken.»

Dass die Lokpfeifen so häufig benutzt würden, liege in erster Linie daran, dass die Verkehrssituation um die Bremgartnerstrasse häufig brenzlige Situationen verursache, so Fasel. Die Gefahr, welche von der Einmündung der Schöneggstrasse in die Bremgartnerstrasse für die Verkehrsteilnehmer ausgeht, sprach auch Burtscher in seinem Kommentar zur Stellungnahme des Stadtrates an. Er bemängelte darin insbesondere die Signalisation an dieser Stelle, welche «unzureichend» sei. Hierin findet er Unterstützung bei der BDWM, wie Fasel erklärt: «Da stimmen wir Herrn Burtscher zu. Mit der Blinklichtanlage an dieser Einmündung sind auch wir nicht glücklich. Aber diesen Zustand hat die verkehrstechnische Abteilung der Kantonspolizei zu verantworten, nicht wir.»

Fasel betont, dass das Verkehrsproblem zurzeit auch dadurch verschärft werde, dass es aufgrund der Baustelle in der Zentralstrasse oft zu Rückstaus komme, welche wiederum brenzlige Situationen in der Bremgartnerstrasse hervorrufen würden. Deshalb wären dort auch vermehrt Pfiffe der Lokführer zu hören, sagt Fasel. «Ich denke, dass sich die Situation erst nach der Aufhebung der Baustelle wieder normalisieren wird.»

Gemeinsam für eine Lösung?

Burtscher erklärt auf Anfrage, dass seine Fraktion im Februar darüber entschieden werde, wie man in der Sache BD-Bahn weiter verfahre. Auf jeden Fall bleibe man am Ball, wie er versichert: «Es ist klar, dass wir auch weiter dafür kämpfen werden, dass die Lärmemissionen massiv gesenkt werden müssen», erklärt Burtscher.

In der Sache des Verkehrsproblems im Stadtzentrum sei er aber bereit, sich auch mit der BDWM zusammenzusetzen, um Lösungen zu erarbeiten. Ginge es nach Burtscher, so hätte eine solche aber wohl grössere Bautätigkeiten zur Folge: «Meiner Meinung nach wäre es noch immer das Beste, man würde die BD-Bahn im Zentrum in den Untergrund verlegen.»