Dietikon
Die Partnersuche für den Wahlkampf ist in vollem Gang

«Zusammen sind wir stärker» – das kann auch auf Parteien im Wahlkampf zutreffen. Wer für die Dietiker Wahlen 2018 zusammen gehen wird, ist noch nicht entschieden. Doch die breite bürgerliche Allianz steht auf wackligen Beinen.

Sophie Rüesch
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Sandra Ardizzone

Sieben Sitze, vier Bisherige, sieben Neue, vier Präsidiumsanwärter: Das ist das Kandidatenkarussell für die Dietiker Stadtratswahlen vom 4. März. Klar ist: Alleine mit ihren Wähleranteilen wird keine Partei einen neuen Präsidenten ins vakant werdende Amt kriegen. Und auch die Wahlchancen der Stadtratskandidaten können durch Allianzen mit anderen Parteien gesteigert werden – müssen aber nicht, wie das Schicksal der CVP zeigt, die bei den letzten Wahlen von der bürgerlichen Allianz nicht profitieren konnte und ausgerechnet einen Sitz an ihren Partner, die SVP, verlor.

Mit heute drei von sieben Stadträten und einem Drittel des Stimmenanteils bei den letzten Wahlen kann die SVP die Partnersuche entspannt angehen. Spruchreif sei zurzeit noch nichts, lässt Ortspartei-Präsident Rochus Burtscher verlauten. Definitiv werde wohl erst Ende Dezember klar sein, mit wem die SVP für den Wahlkampf zusammenspannt. Klar sei aber das Profil, das eine Partei mitbringen muss für eine Unterstützung der SVP: bürgerlich und wirtschaftsfreundlich. Zudem diskutiere man geplante Unterstützungen mit der lokalen Wirtschaft. Dies jedoch erst nach der SVP-Mitgliederversammlung von kommendem Montag, an der der Puls der Basis gefühlt werden soll.

Konkret rede man zurzeit mit der FDP und der CVP, so Burtscher – wie schon 2014, als die drei eine Allianz mit gegenseitiger Wahlempfehlung bildeten. Selbst mit der EVP hätte sich die SVP vorstellen können, eine Allianz einzugehen. Nun komme zu den inhaltlichen Differenzen aber hinzu, dass sich Stadtrat Heinz Illi als Überraschungs-Kandidat für das Präsidium und damit als Konkurrent von Roger Bachmann aufstellt. Dieses «irritierende Vorgehen» erschwere Gespräche.

Die EVP ihrerseits, die den Wahlkampf 2014 erfolgreich im Alleingang bestritt, wird nicht aktiv auf Partnersuche gehen, sagt Präsidentin Christiane Ilg-Lutz. Sollten andere Parteien auf sie zukommen, würde man sich deren Vorschläge aber zumindest anhören.
Ob sich CVP und SVP finden, ist ebenfalls fraglich. Die Ausgangslage ist kompliziert, da die SVP der CVP vor vier Jahren einen Sitz abgejagt hatte. Diesen will sie nun zurückerobern, mit dem Bisherigen Rolf Schaeren und dem Neuen Reto Siegrist, der 2014 genug Stimmen für das absolute Mehr holte, aber als Überzähliger ausschied. Inwiefern dies einer erneuten Zusammenarbeit im Weg steht, will Burtscher nicht so recht durchblicken lassen. Er verweist immer wieder nur darauf, dass Gespräche laufen.

CVP: Alleingang gut vorstellbar

Dies bestätigt CVP-Präsidentin Ottilie Dal Canton, betont aber, man sei noch «auf keinem grünen Zweig». Entscheiden müsse ohnehin die Mitgliederversammlung, die sich Mitte Monat trifft. Zum jetzigen Zeitpunkt sei für die CVP auch ein Alleingang gut vorstellbar, zumal sie vor vier Jahren von der bürgerlichen Allianz nicht profitieren konnten. Könne in den verschiedenen offenen Fragen kein Konsens mit FDP und SVP gefunden werden, habe man kein Problem damit, den Wahlkampf allein zu führen, so Dal Canton.

Wahrscheinlicher ist eine Zusammenarbeit der SVP mit der FDP, die bereits angekündigt hat, Bachmann im Kampf ums Präsidium zu unterstützen. Dafür spricht auch, dass FDP-Kandidat Philipp Müller am Montag an der SVP-Mitgliederversammlung vorsprechen wird. Sollte die SVP sich allerdings gegen eine Unterstützung Müllers entscheiden, würde auch die FDP ihre zurückziehen, sagt Ortsparteipräsident Werner Hogg. In diesem Fall würde die FDP – abgesehen von ihrer Allianz mit der Kleinstpartei DP (siehe Seite 27) – den Alleingang wählen. Denn mit der Nominierung von Reto Siegrist, der den Freisinnigen zu wenig bürgerlich sei, falle für die FDP die CVP als valabler Partner weg. Heinz Illi als Stadtpräsidenten könne man sich ebenfalls nicht vorstellen und werde ihn deshalb auch nicht unterstützen, so Hogg.

SP sucht breite Unterstützung

In so ziemlich alle denkbaren Richtungen offen ist die SP. Klar ist laut Präsident Manuel Peer, dass man Ernst Joss (AL), der selbst lange SP-Mitglied war, bei seiner erneuten Kandidatur für den Gemeinderat unterstützen wird – auch, weil der Wahlkampf für ihn als Einzelkämpfer nur schon aus praktischen Gründen schwierig zu bewältigen wäre. Auch mit den Grünen, die Lucas Neff in den Stadtrat bringen wollen, würde die SP sich dieses Jahr gerne finden. 2014 scheiterte eine Allianz, weil sich die Grünen ob der Dreifach-Kandidatur der SP sowie deren Unterstützung von Joss als Stadtratskandidaten irritiert zeigten. Schon vor vier Jahren versuchte nämlich auch Neff den Sprung in die Exekutive. Er schaffte zwar das absolute Mehr, schied aber als Überzähliger aus.

Die SP will zudem nächstens klären, ob bei den Mitteparteien Unterstützung für ihren Stadtpräsidiumskandidaten Anton Kiwic zu holen ist. Mit der CVP zum Beispiel habe man in den letzten Jahren bei verschiedenen Projekten gute Kontakte gepflegt, so Peer. Auf die EVP müsse man nun, da auch Heinz Illi für das Präsidium kandidiert, aber nicht mehr hoffen.
An einer breiten Mitte-Links-Allianz wären auch die Grünen interessiert. Ortsparteipräsident

Andreas Wolf bestätigt, dass Gespräche «bis und mit» CVP und EVP geführt würden, spruchreif sei aber noch nichts. Spannend, insbesondere im Hinblick auf einen möglichen zweiten Wahlgang fürs Präsidium, wäre dann, ob die Grünen SP-Kandidat Kiwic oder Mittekandidat Illi unterstützen würden.

CVP-Präsidentin Dal Canton kann sich eine Partnerschaft mit Parteien links der CVP derweil schlecht vorstellen. «Für mich – und wahrscheinlich auch für unsere Mitglieder – ist eine solche Allianz nicht nachvollziehbar.»