Ab dem kommenden Samstag riecht es an der Oberdorfstrasse wieder nach frisch gebackenen Gipfeli und geröstetem Kaffee. Lange war nicht klar, wie es mit der Oberstadt-Bäckerei, einer Dietiker Traditionsadresse, weitergehen soll. Nun öffnet sie erneut ihre Türen. Es ist bereits das dritte Mal seit 2013, dass neue Besitzer ihr Glück in der Bäckerei versuchen.

«Wir sind in den letzten Vorbereitungen, damit wir am Samstag bereit sind», sagt Verkaufsleiter Amadeo Drigatti, der die Bäckerei Oberstadt zusammen mit dem Bäckermeister Saverio Mazza führt. Gemeinsam betreiben sie bereits «Savis Beck und Bistro» in Niederrohrdorf und möchten nun expandieren. Das Hauptgeschäft soll die Oberstadt-Bäckerei werden, denn hier hätten sie die viel bessere Infrastruktur und und deutlich mehr Platz als im Geschäft in Niederrohrdorf, sagt Mazza. Aus diesem Grund produziere man auch alles in Dietikon. «Wir sind hier die einzige Bäckerei, die ihr Brot, das sie verkauft, auch selber und lokal im eigenen Geschäft backt.»

Damit sie dies bewältigen können, beginnen die Bäcker jede Nacht um 2 Uhr mit dem Produzieren der Brote für den kommenden Tag. Inklusive Teilzeitangestellten arbeiten zwölf Personen im Betrieb. Dazu kommen drei Lernende, die im Oberstadt-Beck ausgebildet werden. «Die Verantwortung, das Wissen weiterzugeben, ist für uns zentral», sagt Drigatti.

Ein «Dietiker Brot»

Leicht gefallen sei die Entscheidung nicht, das hiesige Geschäft zu übernehmen, nachdem in vergangener Zeit der Besitzer regelmässig wechselte, sagt Drigatti. «Wir sind aber überzeugt, dass wir es schaffen.» Es sei ihnen völlig klar, betont er, dass Pendler kaum wegen zwei Gipfeli den Weg zur Bäckerei machen würden. Es brauche mehr als «nur» Brot, sagt er. Daher werde man auch Salate, Sandwiches und ein grosses Kuchensortiment führen.

Um wirklich erfolgreich zu sein, brauche es aber auch Kooperationen mit dem lokalen Gewerbe und neue Ideen. So produziert die Oberstadt-Bäckerei etwa ihre eigene Konfitüre oder führt ein kleines Brunch-Sortiment für den Sonntagmorgen. Auch eine grosse Auswahl an Tees soll es dank einer Kooperation mit einem Teegeschäft bald geben, so Drigatti. «Und ein ‹Dietiker Brot›», wirft Mazza ein. «Wir haben verschiedene spezielle Brote gebacken, unsere Kunden sollen dann sagen, welches ihnen am besten schmeckt.»

Gutes Brot

Damit alle verkauften Brote einen guten Geschmack entwickeln und länger haltbar sind, werden «langgeführte Teige» verwendet, sagt Mazza. Dabei werden die Teige 24 Stunden lang zum Ruhen gelegt, bevor sie weiterverarbeitet werden. Ebenfalls wolle die Bäckerei auf die Verwendung von Zusatzstoffen verzichten. «Damit haben wir gegenüber Grossbäckereien, die dafür keine Kapazität haben, einen klaren Vorteil.»

Mit solchen Massnahmen und Aktionen versuche das Team, die Oberstadt-Bäckerei wieder in der Stadt bekannt zu machen. «Ihr Ruf hat in letzter Zeit leider etwas gelitten», sagt Mazza. Und dies gelte es nun wieder gutzumachen. Damit auch junge Leute beim Beck ihr Mittagessen kaufen, akzeptiert er auch Lunch-Checks. «Die Schülerinnen und Schüler sollen sich über den Mittag gesund ernähren», sagt Drigatti. «Wir wollen die Kinder aus den Dönerläden holen.»

Einen Plan B gebe es nicht. Sie hätten viel in den neuen Standort investiert, einen mehrjährigen Vertrag abgeschlossen und hofften nun darauf, dass das Geschäft erfolgreich werde, sagen die beiden. «Plan B ist, Plan A umzusetzen.»