Oberengstringen

Die neue Zentrumskreuzung soll den Dorfcharakter zurückbringen

Obwohl diese Visualisierung des Kantons von 2013 stammt, vermittelt sie einen guten Eindruck, was sich an der Kreuzung alles verändern soll. Der Parkplatz vor dem alten Schulhaus könnte in einen Platz umgewandelt werden (rechts) .

Das Bauprojekt zur Umgestaltung der Zentrumskreuzung steht. Die Arbeiten sollen 2026 starten.

7,1 Millionen Franken soll die Umgestaltung der Zentrumskreuzung in Oberengstringen laut dem vorgelegten Bauprojekt der kantonalen Baudirektion kosten. Davon soll die Gemeinde 1,9 Millionen Franken übernehmen. Im September verabschiedete der Gemeinderat auf Antrag der Volkswirtschaftsdirektion eine Absichtserklärung für die Mitfinanzierung. Das bedeutet allerdings nicht, dass nach jahrelangem Stillstand jetzt eine schnelle Umsetzung erfolgt. Die Arbeiten sollen 2026 beginnen, sagt Gemeindeschreiber Matthias Ebnöther.

Der Zeithorizont für den Umbau ist auch den vielen Strassenbauprojekten im Limmattal geschuldet. Abseits der A1 gehört die Zürcherstrasse zu den Hauptverkehrsachsen im Limmattal – neben Bern-/Überlandstrasse und Badener-/Zürcherstrasse, die Dietikon und Schlieren verbinden. Weil die Sanierung und Aufwertung beider Strassen links der Limmat zu den flankierenden Massnahmen der Limmattalbahn gehören, muss die Zentrumskreuzung hinten anstehen. «Bevor hier angefangen wird, muss die Bernstrasse fertiggestellt sein», sagt Ebnöther. Auch ein Umbau der nur anderthalb Kilometer entfernten Tramendhaltestelle Frankental in Zürich Höngg stehe an und müsse bei der Planung berücksichtigt werden.
Das vorliegende Bauprojekt für die Zentrumskreuzung sieht einen Rückbau der Strassenfläche vor. Stattdessen soll Fussgängern dank breiterer Trottoirs und Mittelinseln auf der Zürcherstrasse mehr Platz eingeräumt werden. Dieser ist auch nötig. Künftig werden Fussgänger die Kantonsstrasse dank zweier Fussgängerstreifen auf beiden Seiten der Kreuzung wohl vor allem oberirdisch queren.

Was dies für die Unterführung bedeutet, ist noch unklar. Weil die Rampe des Aufstiegs beim ehemaligen Postgebäude zu steil ist, gilt sie als nicht behindertengerecht. Der Kanton würde die Unterführung gerne zuschütten, die Gemeinde tendiere aber dazu, sie zu erhalten, sagt Gemeindepräsident André Bender (SVP). «Gerade für Kinder ist sie ein sicherer Weg, um die Zürcherstrasse zu queren.» Im Falle eines Erhalts müsste der Kanton die Unterführung sanieren, bevor sie der Gemeinde zum Betrieb übergeben würde. Künftig soll auch die Bushaltestelle in Richtung Unterengstringen auf die Höhe des Zentrumsbaus verlegt werden, damit die Haltestellen nicht mehr auf gegenüberliegenden Seiten der Kreuzung liegen.
Das vorliegende Konzept überzeuge und dessen Umsetzung wäre für die Gemeinde gewinnbringend, schrieb der Gemeinderat in einer Medienmitteilung zum Projekt. Verzichte die Gemeinde auf die Umsetzung, wäre eine Aufwertung in den nächsten 20 Jahren voraussichtlich nicht mehr möglich, heisst es weiter.

Die Zürcherstrasse soll lebenstauglicher werden

Auch optisch erhofft sich die Gemeinde mit dem Umbau der Kreuzung eine Aufwertung. «Man soll das Gefühl erhalten, in ein Dorf zu reinzufahren», sagt Bender. Die Zürcherstrasse lebenstauglicher zu gestalten und einen Dorfcharakter reinzubringen, sei bereits bei der Zukunftskonferenz vor 10 Jahren eines der wichtigsten Anliegen gewesen. «Wir wollen den oberen und unteren Dorfteil näher zusammenbringen», sagt Bender.

Es ist kein Zufall, dass das Bauprojekt nahtlos an die langjährigen Bestrebungen anknüpft, die Kreuzung umzugestalten. Denn es basiert auf dem Betriebs- und Gestaltungskonzept, dass die Gemeinde in den Jahren nach der Zukunftskonferenz zusammen mit dem kantonalen Amt für Verkehr ausgearbeitet hat. Darauf aufbauend hiess der Gemeinderat bereits im Februar 2014 ein Bauprojekt für geplante 5,1 Millionen Franken gut. Doch dann passierte nichts mehr, bis die Gemeinde vor einem Jahr mit dem höheren Kostenrahmen konfrontiert wurde. Der jahrelange Stillstand sei auf Uneinigkeiten bei den Zuständigkeiten zwischen Sicherheits-, Volkswirtschafts- und Baudirektion zurückzuführen, erklärt Ebnöther.

Obwohl der Kanton beim aktuellen Bauprojekt mit 73 statt 71 Prozent einen höheren Kostenanteil als 2014 übernimmt, muss auch die Gemeinde 400 000 Franken tiefer in die Tasche greifen. Grund dafür sei, dass die Volkswirtschaftsdirektion bei der Planung zunächst die Kosten für die Lichtsignalanlagen übernahm, obwohl die Gemeinde dafür zuständig ist, erklärt Ebnöther.

Parallel zur Aufwertung der Zürcherstrasse, für die der Kanton zuständig ist, will die Gemeinde diverse Anschlussprojekte weitertreiben um die Zentrumsaufwertung zu ergänzen. Dazu gehören etwa die Anschlüsse der Dorf- und Ankenhofstrasse an die Zürcherstrasse. Und auch der Parkplatz vor dem alten Schulhaus bietet viel Potenzial, um das Oberengstringer Zentrum einladender und fussgängerfreundlicher zu gestalten. Nicht zuletzt will der Kanton den Fussgängerstreifen beim Schulweg rund 50 Meter Richtung Dorfzentrum verlegen. Deshalb plant die Gemeinde an der neuen Stelle einen direkten Zugang zum Schulgelände. Nach dem präsentierten Vorprojekt steht nun die konkrete Projektierung des Bauprojekts an. Bei der Umsetzung spannen Gemeinde und Kanton eng zusammen.

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