Die Schlieremer Katholiken dürfen ihr neues Pfarreizentrum an der Uitikonerstrasse bauen. An der gestrigen Kirchgemeindeversammlung votierten 64 Mitglieder dafür und lediglich deren 2 dagegen. Weder der Kreditantrag über 9,4 Millionen Franken für den Neubau noch jener über 960 000 Franken für die neue Wärmeerzeugung der Kirche und des Pfarreizentrums wurden diskutiert.


«Ich bin ein wenig sprachlos», sagte der Präsident der Kirchenpflege Hubert Zenklusen nach diesem eindeutigen Ergebnis. Das Projekt stand nämlich nicht immer unter einem guten Stern. So zeigte sich bei der Planung des Detailprojekts mit Namen «Ensemble» aus der Feder des Zürcher Architekturbüros Stöckli Grenacher Stäubli, dass der ursprüngliche Betrag von 5,2 Millionen Franken, der das Gebäude hätte kosten sollen, nicht ausreicht.


Anfang Oktober dieses Jahres präsentierte das Architektenteam an einer Infoveranstaltung das definitive Projekt, das nun gesamthaft 9,4 Millionen kostet. Darin enthalten sind zusätzliche Investitionskosten von rund 1,2 Millionen Franken etwa für eine Minergie-Anlage oder die Möblierung des Gebäudes. Die Mehrkosten seien auf verschiedene Faktoren zurückzuführen, wie der verantwortliche Architekt Peter Stöckli gestern erklärte. Zum einen seien die Baukosten ursprünglich zu optimistisch berechnet worden – etwa die Nähe des neuen Pfarreizentrums zu den SBB-Gleisen und der Umstand, dass unter dem Bauland Quellwasser fliesst, führte zu einer Verteuerung. Hinzu kamen einige teure Abänderungen am Gebäude. So brauche das Erdgeschoss einen zusätzlichen Technikraum, der zuvor nicht eingeplant war.


Nahe am Finanzausgleich

Bislang blieb die Frage offen, wie dieser Betrag finanziert werden soll. Gutsverwalter Walter Gehrig legte dar, dass drei Millionen Franken dem Eigenkapital der katholischen Kirche Schlieren entnommen würden. Zudem steuert der Synodalrat des Kantons Zürich mehrere Hunderttausend Franken bei. Der Restbetrag von rund 7 Millionen Franken soll durch die Aufnahmen von Fremdkapital von der Zürcher Kantonalbank finanziert werden. «In den nächsten Jahren planen wir keine Steuererhöhungen, da die Rückzahlungen moderat sind», so Gehrig. Zenklusen unterstrich zudem, dass es dem Finanzhaushalt der Schlieremer Katholiken gut gehe und man nahe dran sei, den Finanzausgleich an finanziell schlechter gestellte Zürcher Kirchgemeinden zu entrichten. «Sagen Sie heute Nein zu diesem Kreditantrag, kann es gut sein, dass wir kommendes Jahr rund 200 000 Franken in den Finanzausgleich zahlen, ohne aber am Ende ein neues Pfarreizentrum zu haben.» Die 66 Anwesenden waren überzeugt und stimmten den beiden Kreditanträgen für den Neubau und die Wärmeerzeugung zu. Darüber hinaus hatte die Kirchgemeindeversammlung über einen Nachtragskredit über 315 000 Franken zu befinden, da der Projektkredit vom Herbst 2015 über 370 000 Franken nicht ausreichte. Der Nachtragskredit wurde einstimmig genehmigt.


Gemeindesaal für 160 Personen


Das neue Pfarreizentrum soll der in jüngster Zeit stark gewachsenen römisch-katholischen Kirchgemeinde Raum zur Entwicklung geben. Heute hat sie rund 7000 Mitglieder. Das Josefhüsli, wo die Pfarrei derzeit beheimatet ist, platzt aus allen Nähten. «Bei diesem Projekt handelt es sich nicht um einen Ferrari oder einen Rolls Royce, sondern um ein Mittelklasse-Auto, das alle Bedürfnisse befriedigt,» sagte der Präsident der Baukommission Peter Seifriz gestern. Im Erdgeschoss des geplanten Neubaus sind mehrheitlich Büros geplant. Im ersten Obergeschoss, das ebenerdig vom Kirchplatz begehbar ist, gibt es einen Gemeindesaal für 160 Personen samt überdachtem Vorplatz und im zweiten Obergeschoss sind neben dem Innenhof auch Gruppenräume vorgesehen.