Dietikon

Die Nacht der Kleinkünste verzückte mit Mutterkomplexen und einer sprechenden Schildkröte

Nach zwölf Jahren Pause fand die Nacht der Kleinkünste wieder statt und zeigte am Samstag auch in Dietikon, im Gleis 21 wie vielfältig das Spektrum der Kleinkunst ist.

«Ihr werdet wie ein Astralkörper ins Nirwana abheben», versprach Anet Corti zu Beginn des Abends. Die Komikerin, die an der Nacht der Kleinkünste gleichzeitig die Rolle der Moderatorin übernahm, hatte den Mund damit nicht zu voll genommen. Tatsächlich konnte man am Samstag im Gleis 21 in völlig ungeahnte Sphären abheben und sich dabei vor Lachen selbst vergessen. Nach zwölf Jahren Pause fand die Nacht der Kleinkünste wieder statt und zeigte am Samstag auch in Dietikon, wie vielfältig das Spektrum der Kleinkunst ist.

Corti stellte sich dem Publikum als künftige «Communication-Assistentin» der Stadt Dietikon vor, wobei sie «Communication» in einer Weise aussprach, die ihre völlige Unkenntnis dieser Sprache verriet. Dennoch war sie bemüht, zahllose Anglizismen in ihre Rede einzuflechten, ja diese in eine blosse Aneinanderreihung von englischen Worten ausarten zu lassen. Mit dem Hinweis auf eine kommende Youtube-Schulung überliess sie vorerst 9 Volt Nelly die Bühne.

Die beiden Komikerinnen gaben sich als heiratswillige Girls aus Texas aus und beherrschten die englische Sprache deutlich besser als Corti. Mit dem Deutschen bekundeten sie dagegen ihre liebe Mühe, die Stadt Dietikon klang in ihren Mündern wie ein Lautunfall. Trotz erstaunlicher Ignoranz gegenüber Land und Leuten beharrten sie darauf, einen Schweden – denn dort wähnten sie sich – abzuschleppen und an Ort und Stelle zu heiraten.

Sodann kroch die Schildkröte Adam auf die Bühne und liess sich viel Zeit, aus ihrem Panzer hervorzukommen und verschlafen ins Publikum zu blinzeln. Dieses Geschöpf, das wurde rasch klar, beschritt seinen Lebensweg mit angezogener Handbremse, bloss keine Eile war sein Motto. Um die gehetzte Welt an seiner Weisheit teilhaben zu lassen, eröffnete Adam eine Beratungsfirma, wobei die Schildkröte sich, statt die eingehenden Anrufe entgegenzunehmen, lieber gemächlich in den Panzer zurückzog.

Deutlich schneller unterwegs war E1nz, ein haarsträubendes Akrobatikduo. Zunächst verwandelten sie einen herkömmlichen Tisch in eine Art Rutschbahn und führten darauf die riskantesten Manöver aus. Schliesslich gingen sie dazu über, einander überfallartig Flaschen zuzuwerfen und auf deren Hälsen wie auf einer Strandpromenade herumzuspazieren.

Ein Highlight war der Auftritt des Kabarettisten und Liedermachers Reto Zeller, der in einzigartig nervöser Weise von sich und seiner Mutter berichtete. Er habe erkannt, sich ihr gegenüber endlich emanzipieren zu sollen, hocken die beiden doch immer noch und auf immer kleiner werdendem Raum zusammen. So fasst er sich ein Herz und beschliesst, auszuziehen – und schafft es immerhin in den oberen Stock. Nicht zuletzt strapazierte das Komikerduo Pasta del Amore – als miesepetriger Heinz und Werni – die Lachmuskeln des Publikums.

Dieses war von der Nacht der Kleinkünste recht begeistert. «Ich bin auf jeden Fall froh, gekommen zu sein», sagte Laura Schilling aus Dietikon. Gerade die anglophile Anet Corti habe es ihr mit ihren vielen Bezügen zur Gegenwart angetan. «Ein sehr guter Mix völlig unterschiedlicher Truppen», lobte Luke Sorcelli aus Dietikon. «Der Abend zeigt, dass auch ohne viel Requisiten ein grosser Effekt erzielt werden kann.»

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