Schlieren macht mobil
Die MFK vor der Haustür: Das TCS-Zentrum in Schlieren hat eröffnet

Limmattaler brauchen in Zukunft nicht mehr nach Regensdorf oder zum Albisgüetli zu fahren, um die Fahrzeugprüfung zu machen. Seit Montag ist das in der Autocity Schlieren möglich.

Raphael Biermayr
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Das erste Auto fährt ein - TCS-Zürich-Geschäftsführer Reto Cavegn empfängt es
25 Bilder
Christian Gilgen prüft den Wagen
Gilgen lässt sich Zeit
Wie reagiert das Lenkrad
Auch der Lichtstand will überprüft sein
Seinem Blick entgeht nichts
Auch dieser Schlauch hält
Das neue TCS-Mobilitätszentrum in Schlieren
Keine Beanstandungen
Begehrt - der Prüfbericht
Auch «Tele Top» ist zugegen
Das nächste Auto ist schon bereit
Patrouillen sind ebenfalls in Schlieren
Limmattaler unter sich: TCS-Geschäftsführer Reto Cavegn aus Oberengstringen (l) und Werkstattchef Gianni Santostefano aus Schlieren
In der Prüfhalle wurde tonnenweise Stahl verbaut
Noch ist nicht alles fertig
Hier hilft eher ein Informatiker
Ein Arbeitsplatz
Die Arbeiten im neuen Zentrum dauern an
Für etwas Farbe sorgen die Graffiti
Aussenansicht des neuen Zentrums an der Wagistrasse
Auch beim TCS gibts den typischen MFK-Charme
Auf dem Gelände des Zentrums waren vorher Parkplätze
Auch Patrouillen sind in Schlieren ansässig
Im Eingangsbereich kann man die Wartezeit überbrücken

Das erste Auto fährt ein - TCS-Zürich-Geschäftsführer Reto Cavegn empfängt es

Raphael Biermayr

Der Star des Tages trägt Blau. Sie hat elegante Züge, doch unter dem dezenten Gewand erahnt man ihre Rasanz. Mercedes steht am frühen Morgen pünktlich bereit, das neue TCS-Mobilitätszentrum einzuweihen in Schlieren, neben Gleisen und der Gasometerbrücke, wo zuvor eine Brache als Parkplatz diente. Anstelle eines roten Teppichs gleitet sie über den schwitzenden neuen Asphaltbelag – ehe sie jäh und laut quietschend stoppt. Christian Gilgen ist zufrieden: Die Vollbremsung hat geklappt.

Der blaue Mercedes ist der erste Wagen, der im neuen Zentrum auf einer der drei Prüfbahnen begutachtet wird. Dem auszubildenden Experten Gilgen gebührt die Ehre, sich von den Besuchern über die Schulter schauen zu lassen und in einem Beitrag von «Tele Top» zu erscheinen. Es hat ihn getroffen, weil sein Chef Gianni Santostefano Erklärungen gibt und Fragen beantwortet, und der dritte Prüfer noch in den Ferien weilt.

Gilgen beweist Selbstironie und Geduld. Wer schon einmal seinen Wagen vorgeführt hat, weiss, wie abwegig diese Beschreibung scheint. Der Fahrzeugexperte – nicht selten nimmt er auch Fahrprüfungen ab – ist ein knorrig-mürrischer Mensch, dessen einzige Freude darin zu liegen scheint, Mängel aufzudecken. Und wehe dem, der sich erdreistet, der Fahrzeugprüfung beiwohnen zu wollen, statt im sterilen Warteraum neben Plastikpflanzen an einem Automatenkaffee zu nippen.

Dabei wird leicht vergessen: Die Experten der Strassenverkehrsämter stehen unter einem grossen Druck: immer mehr Fahrzeuge, immer weniger Zeit, aber die immer gleiche Verantwortung. Die Chance des TCS liegt in der grösseren Kundennähe. Damit legitimiert er die höheren Kosten der Prüfung (siehe Box). «Wir kümmern uns um den Kunden und geben ihm Tipps – die kriegt er beim Strassenverkehrsamt nicht», sagt Santostefano. Wie alle Experten hat auch er während seiner Ausbildung kurz für die Behörde gearbeitet.

Über 12'000 regionale Mitglieder

Seit 2005 darf der TCS im Kanton Zürich als einzige private Unternehmung Fahrzeugprüfungen anbieten. Hintergrund ist die Entlastung der notorisch
im Hintertreffen liegenden Strassenverkehrsämter. Reto Cavegn lässt durchblicken, dass hartnäckige Lobbyarbeit schliesslich zum Ziel führte. Der Oberengstringer sass von 1995 bis 2006 für die FDP im Kantonsrat und ist seit 1987 Geschäftsführer der Zürcher TCS-Sektion. Die vertritt rund 200'000 Mitglieder, gemäss Cavegn wohnen über 12'000 davon im Limmattal. Während der Mercedes auf Bremsschlauch und Radlager geprüft wird, steht Cavegn wie ein Teenager daneben, um jeden Moment fotografisch festzuhalten.

Allerdings nicht mit seinem Smartphone, sondern mit einer Kompaktkamera. Er blickt zufrieden über das 3500 Quadratmeter grosse Areal, die Limmattaler Autostadt hat ein Herz erhalten. In früheren Gedankenspielen habe der TCS Oberengstringen oder Dietikon als Standort erwogen. «Am Autostandort Schlieren ist ein Zentrum wie dieses aber optimal.»

Erste Prüfung bestanden

Vor zehn Jahren weihte Cavegn in Volketswil das erste Mobilitätszentrum ein, das nächste folgt bald in Neftenbach. Der mächtige Verband hat sich zum Ziel gesetzt, jedem Mitglied binnen 15 Minuten Zugang zu einem solchen Zentrum zu ermöglichen. In Schlieren rechnet er mit jährlich 12 500 Kontrollen. Davon sind 9000 Prüfungen, der Rest umfasst das breite Angebot an Checks und weiteren Dienstleistungen. Cavegn lächelt auf die Frage, wie er den durch das Zentrum verursachten Mehrverkehr in dieser geplagten Gegend einschätzt. Die Antwort überrascht nicht: «Die paar Autos pro Stunde merkt man hier nicht.».

Der blaue Mercedes hat die Prüfung inzwischen hinter sich: Die bald zehn Altersjahre haben keine grossen Narben hinterlassen. Ein zu tiefer Lichtstand und eine Empfehlung für einen neuen Pneu sind kein Grund für eine Nachprüfung. Christian Gilgen lässt den Stempel nach unten sausen – 05. Okt. 2015 ZH/2 steht auf dem Prüfbericht und im Fahrzeugausweis. Besitzer Samir Radwan hat damit gerechnet. Seit dem Jahr 2003 führt er einen Autohandel. Wie viele Fahrzeuge er schon prüfen gelassen hat? «Jeden Tag eins.»

Da liegt es nah, dass er der erste Kunde im neuen Zentrum ist. Ironischerweise ist Radwans Autohaus in Regensdorf ansässig, wo das vom Limmattal nächstgelegene Strassenverkehrsamt liegt. Dennoch ist er seit Jahren TCS-Kunde und nahm bis gestern sogar den weiten Weg nach Volketswil auf sich. Die Terminfindung verlaufe unkomplizierter, erklärt er. Darüber hinaus seien die Prüfer strenger als beim Strassenverkehrsamt. «Als Private müssen sie sich beweisen», sagt Radwan.

Werkstattleiter Santostefano verabschiedet sich per Handschlag vom Autohändler. Man kennt sich seit Jahren, schliesslich war Santostefano zuvor im Mobilitätszentrum in Volketswil tätig. Die Eröffnung in Schlieren bedeutet für ihn eine Heimkehr: Der Limmattaler wohnt zehn Minuten entfernt. Das geht Reto Cavegn ähnlich. Der Oberengstringer steht im Eingangsbereich des Zentrums und führt amüsiert einen kurzen Videoclip vor. Es zeigt einen Zug, der in Fernost durch einen unmittelbar an den Gleisen platzierten Markt rast. Nicht alles an diesem Morgen dreht sich um Autos.

Zahlen und Fakten

Das TCS-Mobilitätszentrum auf dem Wagi-Areal in Schlieren ist 3500 Quadratmeter gross und hat rund 4,5 Millionen Franken gekostet. Der Wert der technischen Anlagen in der Prüfhalle liegt bei etwa 400 000 Franken. Statt beim Strassenverkehrsamt kann man sein Auto hier der Prüfung unterziehen lassen. Sie kostet allerdings mehr (statt 54 Franken 65 Franken für Nichtmitglieder respektive 60 Franken für Mitglieder). Spezielle Prüfungen für Felgen, Spoiler etc. kann der TCS hingegen nicht anbieten. Neben zahlreichen Dienstleistungen wie zum Beispiel dem Wintercheck für Autos stehen in Schlieren auch Kurse für Fahrzeuglenker auf dem Programm – zum Beispiel der Pannenhilfekurs für Frauen. Darüber hinaus sind TCS-Patrouillen im neuen Zentrum stationiert. Am 23. und 24. Oktober ist die Bevölkerung zur grossen Eröffnungsfeier eingeladen.