Dietiker Neujahrsblatt

Die List mit den Fässern brachte den Sieg

Im aktuellen Dietiker Neujahrsblatt werden verschiedene Geschichten erzählt. Eine davon handelt von der Regensberger Fehde.

Über die Limmat kamen sie, die Zürcher, täuschten auf Höhe des Städtchen Glanzenberg einen Schiffbruch vor und lockten die Feinde so in die Falle. Denn als die Glanzenberger zur vermeintlichen Unfallstelle eilten, in der Hoffnung einfach Beute machen zu können, mussten sie feststellen, dass sich in den grossen Weinfässern Zürcher Krieger verbargen. Zusammen mit den im Unterholz versteckten Kämpfern, war es für die Angreifer nun ein Leichtes das Städtchen und dann auch die Burg einzunehmen. Die List war gelungen.

Ob sich die Ereignisse vom 1. September 1268 – je nach Quelle auch am 1. September 1267 – tatsächlich so zugetragen haben, muss offenbleiben. Es ist noch nicht einmal klar, ob das Städtchen Glanzenberg tatsächlich gewaltsam zerstört wurde, oder ob es andere Gründe für dessen Niedergang gab. Gewisse Historiker sind gar der Ansicht, dass es sich bei Glanzenberg um eine misslungene Stadtgründung handelte.

Sichtbare Überreste

Sicher ist, dass sich damals vor 750 Jahren verschiedene Adelsgeschlechter sowie die aufstrebende Stadt Zürich im Limmattal um Macht und Einfluss stritten. Und bekannt ist auch, wo Städtchen und Burg einst standen. Ein paar wenige Überreste erinnern noch an die beiden Bauwerke. Vom Städtchen Glanzenberg, beim heutigen Golfplatz Unterengstringen gelegen, sind Reste der teilweise nicht über die Fundamentgrube hinausgewachsenen Stadtmauer sichtbar. Von der Burg, die 300 Meter entfernt oberhalb der heutigen Überlandstrasse neben dem Kieswerk Hardwald liegt, sind noch Teile der Ringmauer erkennbar.

Davon und von den drei weiteren damals im Limmattal existierenden Burgen erzählt der zweite grössere Beitrag im Dietiker Neujahrsblatt 2018, jener über die Regensberger Fehde. Verfasst hat ihn Sven Wahrenberger. Auch in dieser Geschichte spielt Wasser eine zentrale Rolle. Die Limmat war zu jener Zeit ein bedeutender Verkehrsweg und die Stadt Zürich ein Handelsknotenpunkt. Das linksufrige Limmattal gehörte damals zur Einflusssphäre der Habsburger, das rechtsufrige zu jener der Regensberger. Auch Zürich meldete zusehends seine Ansprüche an. Das zeigt sich etwa im Zürcher Richtebrief aus dem 13. Jahrhundert, der jeglichen Brückenbau zwischen Zürich und Baden über die Limmat untersagte. Die Stadt wollte die Kontrolle über den Fluss und damit über die Zolleinnahmen.

Zusammenrücken der Zürcher und Habsburger

Von der Limmat profitieren wollten aber offenbar auch die Regensberger, als sie Mitte des 13. Jahrhunderts ihre wohl um 1040 errichtete Burg ausbauten und das Städtchen Glanzenberg gründeten. Es ist davon auszugehen, dass sie eine Brücke über den Fluss planten. Denn im Jahr 1257 schloss Zürich mit den Herren von Schönenwerd – deren Burg lag gegenüber von Glanzenberg – einen Vertrag, wonach diese sich verpflichteten, jeglichen Brückenbau über die Limmat zu verhindern.

Die Bestrebungen der Regensberger liessen Zürcher und Habsburger näher zusammenrücken. Es kam schliesslich zu einem Bündnis. Und so begaben sich die Zürcher, unterstützt von Graf Rudolf IV. von Habsburg, vor 750 Jahren flussabwärts ins Limmattal, im Gepäck ein paar Weinfässer.

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