Wer sich öfters zu Fuss oder mit dem Fahrrad im Dietiker Stadtzentrum oder im Quartier Limmatfeld bewegt, sah sich in den vergangenen Wochen öfters mit der Frage konfrontiert: Wer bewegt Dietikon? Neben dem wohl mit einer Schablone auf den Boden gemalten Schriftzug findet sich der Umriss eines Porträts. Was die Limmattaler Zeitung bereits in der Ausgabe von vergangenem Samstag vermutete, bestätigt sich nun. Beim umrissenen Kopf handelt es sich um jenen von Anton Kiwic.

Noch vergangene Woche sagte der Sozialdemokrat, der am 4. März zum Dietiker Stadtpräsidenten gewählt werden will, dass er nicht wisse, von wem die Aktion sei. Er könne sich jedoch vorstellen, dass es sich um Werbung für das Dietiker Stadtfest im Spätsommer handle.

«Natürlich wusste ich, dass unsere jungen Wilden etwas im Schilde führten, aber ich wusste damals noch nicht wer und was genau», schreibt Kiwic nun in einer Mitteilung. Inzwischen habe er sich auch selber erkannt: «Denn die haben das ja recht gut gemacht», schreibt er über die kreative Wahlwerbung. So freue es ihn, dass sich die jungen Leute seiner Partei auf ihre Art für ihn als Kandidaten einsetzen würden. «Ich sehe in der Aktion kein Problem, die nächsten Regentage werden mein Konterfei von alleine wieder verblassen lassen», so Kiwic. «Problemloser auf jeden Fall, als illegale Plakate in Vorgärten schon vor Weihnachten aufzustellen.»

Damit spricht Kiwic den Verstoss der Dietiker SVP gegen die Vorgaben der Stadtkanzlei an, wonach das Aufstellen von Wahlplakaten auf Privatgrund erst ab sechs Wochen vor dem Wahltermin erlaubt ist. Doch liess die SVP das Plakat «SVP bi de Lüüt» bereits im Dezember aufstellen und entfernte es Anfang Januar aufgrund von Druck vonseiten der Stadt wieder.

«Das ist eine Sauerei»

Geht es nach Rochus Burtscher, Präsident der SVP Dietikon, kann man diese beiden Massnahmen nicht vergleichen. So handle es sich erstens beim SVP-Plakat nicht um Wahlwerbung und zweitens sei dieses auf Privatgrund und nicht auf öffentlichem Boden platziert worden. «Die Aktion der SP ist eine Sauerei. Es handelt sich um eine Verunreinigung des öffentlichen Bodens. Dass der nächste Regen die Schmiererei wieder beseitigt, lasse ich als Argument nicht gelten», sagt Burtscher.

Doch die SP schaue solche Aktionen als verhaltensoriginell an, was er bedenklich finde. Zudem sei besonders schwach, dass sich Kiwic anfänglich nicht zur Aktion bekannt habe. «Ich bin mir sicher, dass er immer wusste, dass seine Partei hinter der Aktion steckt.»

«Entgegen der SVP-Aktion, mit welcher sie gegen eine strikte Regelung verstiess, besteht bezüglich Kreidezeichnungen kein klares Verbot», so Kiwic auf Anfrage.

«Grenzwertig und fragwürdig»

Damit liegt Kiwic richtig, denn aus rechtlicher Sicht hat die SP keine Konsequenzen zu fürchten. «Illegal sind die Kreidezeichnungen am Boden nicht. Sie stellen keine Sachbeschädigung dar. Doch sind sie grenzwertig und fragwürdig», sagt Esther Pioppini, Medienbeauftragte der Stadt Dietikon. Bislang seien noch keine Beschwerden oder Anzeigen eingegangen gegen die Aktion.

Anders war dies vor sechs Jahren, als die SP mit einer ähnlichen Aktion auf ein Anliegen aufmerksam machte. So bekämpfte die Partei das geplante Mietschulhaus im Quartier Niederfeld, das dann später an der Urne auch tatsächlich abgelehnt wurde. Kiwic erinnert sich, dass der Parteileitung damals ein Schreiben der Stadt ins Haus flatterte. Darin sei eine Rechnung für die Reinigungskosten angekündigt worden. «Diese Rechnung traf jedoch nie bei uns ein, da es die Stadt wohl selber als überflüssig befand, Kreide, die von selbst wieder verschwindet, für viel Geld wegputzen zu lassen», so Kiwic.