Eine rote Schleife schmückt zurzeit den Turm der reformierten Kirche Schlieren: gefeiert wird ihr 75-Jahr-Jubiläum. Die Kirche hat einen beeindruckenden Wandel zurückgelegt, bis sie zu ihrer heutigen Form gelangte. Diesen hat der 69-jährige Peter Ringger rekonstruiert und am Mittwochabend im Stürmeierhuus in Schlieren vorgestellt. Er habe ein Jahr lang fleissig im Archiv gestöbert und dabei sämtliche historischen Dokumente zur Kirchengeschichte gelesen, erzählt er zu Beginn des rund einstündigen Vortrags.

Bevölkerung verdoppelte sich fast

Ein langer und steiniger Weg sei es bis zur heutigen Kirche gewesen, sagt Ringger. Angefangen habe alles Ende des 19. Jahrhunderts, als sich die Schlieremer Bevölkerung im Zuge der Industrialisierung fast verdoppelte. «Schlieren entwickelte sich innert weniger Jahren von einer bäuerlichen Landgemeinde hin zu einer urbanen Kleinstadt», so Ringger.

Die damalige reformierte Kirche Schlierens umfasste lediglich 170 Sitzplätze, was schnell nicht mehr ausreichte. «Den Wunsch nach einer grösseren Kirche äusserte die Bevölkerung bereits 1909», erzählt Ringger. Da jedoch ein Grossteil der Bevölkerung mittellose Industriearbeiter waren, kamen dafür nicht genug Steuergelder zusammen. Somit sammelte die Kirchenpflege Geld, prüfte Baugebiete und traf bereits Abmachungen mit Landbesitzern.

Krieg richtet Schaden an

Lange hielt die aufkommende Euphorie jedoch nicht an. «Der Erste Weltkrieg zerschmetterte die sorgfältig zusammengestellten Pläne», so Ringger. Das Überleben stand nun im Vordergrund. Doch nach vier harten Kriegsjahren rappelte man sich schliesslich wieder auf.

Die neu zusammengesetzte Kirchenpflege habe an neuen Vergrösserungs-Plänen gefeilt. So habe der Architekt vorgeschlagen, eine zweite Kirche auf dem Gubel zu erbauen, sagt Ringger. «Dort oben müssen wir einen nicht so hohen Kirchturm bauen und dennoch wird er im ganzen Limmattal zu sehen sein», rekapituliert Ringger die Aussage des Architekten und lacht.

Erster Gottesdienst im Jahr 1937

1931 stellte schliesslich die politische Gemeinde Schlieren der Kirchgemeinde das Areal des alten Friedhofs direkt hinter der bereits bestehenden Kirche für einen Ausbau zur Verfügung. Das war die lang ersehnte Rettung, und plötzlich ging es sehr schnell: Die alten Mauern wurden durch ein neues Gebäude ergänzt, sodass nun rund 600 Personen einen Sitzplatz finden konnten. Im Januar 1937 habe bereits der erste Gottesdienst unter dem neuen Kirchendach stattgefunden, sagt Ringger.

«Die Kirche liegt mir am Herzen, und ich hoffe, wir werden noch lange Freude an ihr haben», schliesst Ringger seinen Vortrag ab. Und auch die Präsidentin der Kirchgemeinde Ursula Gütlin-Plüer ist begeistert: «Sehr eindrücklich finde ich, dass die Leute praktisch ohne Geld und über eine so lange Zeit hinweg für eine grössere Kirche gekämpft haben – und schliesslich so etwas Tolles geschaffen haben.»

Weitere Veranstaltungen 4. Jubiläumsmatinee am 28. Oktober 2012 um 11.15 in der grossen reformierten Kirche Schlieren. Mit Gilberto Fischli, Orgel, und Florian und Anthony Buchart, Trompete.

http://www.kircheschlieren.ch