Weiningen
Die gute Fee aus Weiningen: Ihre Leidenschaft ist das Autofahren

Rita Cipolat chauffiert seit 25 Jahren Primarschüler ins Schulschwimmen. Ihre Leidenschaft gilt Schulbussen und Schulkindern.

Aleksandra Hiltmann
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Busfahrerin Rita Cipolat aus Weiningen
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Schulbusfahrerin Rita Cipolat aus Weiningen

Busfahrerin Rita Cipolat aus Weiningen

AZ

Schon von weitem ist die nahende fröhlich aufgeregte Meute zu hören, die auf den gelben Schulbus zurennt. Der Grund für die Heiterkeit: Die Viertklässler des Schulhauses Schlüechti in Weiningen dürfen vor den Sportferien nochmals ins Hallenbad nach Höngg. Dass die Kinder jeweils sicher und pünktlich zum Schulschwimmen kommen, dafür sorgt seit bald 25 Jahren die Unterengstringerin Rita Cipolat.

Mutter mit Fahrbegeisterung

«Autofahren ist meine Leidenschaft», sagt die erfahrene Chauffeuse. Ihre Familie hätte früher kein Auto gehabt. Dementsprechend wenig begeistert seien ihre Eltern damals gewesen, als sie ihnen eröffnete, dass sie den Führerschein machen wolle.

«Privat bin ich einen gelben ‹Döschwo› gefahren. Da der nur bergab auf Touren kam, wollte ich mal was Rechtes», scherzt Cipolat über ihre Begeisterung für Schulbusse. Nebst der Freude am Fahren liebe sie Kinder. «Mit dem Schulbusfahren kann ich die schönen Dinge des Lebens miteinander verbinden», so die gelernte Verkäuferin.

Selbst ihre eigenen drei Kinder sassen als Schüler selbstverständlich auch als Fahrgäste bei ihr auf der Rückbank.

Mittlerweile ist die Rasselbande an Bord und Cipolat kontrolliert anhand ihrer säuberlich in einem Büchlein geführten Liste, ob alle da sind. Im Umgang zwischen den Viertklässlern und der Buschauffeuse merkt man, dass sie ein eingespieltes Team sind und sich die Kinder nicht nur auf das Schwimmbad, sondern auch auf die Fahrt dorthin freuen.

Während Cipolat den Bus durch das Dorf Richtung Höngg steuert, erzählt sie, dass man auf der Strasse stets auf Tiere und die Witterungsverhältnisse bedacht sein muss. Doch um Stau zu vermeiden, habe man mit dem damaligen Dorfpolizisten eine hervorragende Lösung gefunden: «Ich habe eine Genehmigung, die Busspur zu benutzen.»

Gute Zusammenarbeit

Obwohl ihr mit dem Bus bis anhin nichts passiert ist, hat sie auf ihren Fahrten oft schlimme Unfälle gesehen. «Es hat viele Situationen gegeben, in denen ich dem Herrgott gedankt habe, dass nicht mehr passiert ist», so Cipolat. «Stellen Sie sich vor – allein auf der heutigen Strecke von kaum sechs Kilometern hat es 38 Fussgängerstreifen.»

Nach kurzer Fahrt ist der Zielort, das Hallenbad Bläsi in Höngg, erreicht. Kaum sind die Viertklässler aus dem Bus gestürmt, stehen ihre jüngeren Schulkollegen für die Heimfahrt bereit. Im Eingangsbereich des Schwimmbades schaut Cipolat nach dem Rechten. Da und dort wird ein Schal zurechtgezupft und Haare unter die Winterkappen gepackt.

Währenddessen nutzen die Badmeister und weiteres anwesendes Schwimmbadpersonal die Gelegenheit, ihre Kollegin vom Fahrdienst zu loben. «Sie ist die gute Fee im gelben Bus. Sie kümmert sich um alle», zeigt sich ein Badmeister begeistert. «Sie ist immer fröhlich und zuverlässig», freut sich sein Kollege. «Wir wollen sie unbedingt noch lange behalten», hört man weiter über Cipolat, die ab und zu sogar Gipfeli mitbringe. Auch die nötige, aber faire Strenge wird gelobt. Und so steigen die Kinder denn auch zügig und geordnet in den Bus zurück nach Weiningen.

Zahlreiche Bekanntschaften

«Pöstler, Bauern, Eltern, deren Kinder heute mitfahren – alle waren sie Passagiere bei mir», so Cipolat. Auch kreuze sie auf der Strasse Väter von Schülern, die bei der VBZ als Tram- oder Buschauffeure arbeiten. Sie schätzt die vielen Bekanntschaften, die sich durch den Beruf ergeben haben: «Überall Leute zu kennen, ist etwas Schönes. Ich habe riesige Freude, wenn junge Erwachsene, die ich früher herumgefahren habe, mich grüssen und mir ein Lächeln schenken.»

Wieder in Weiningen, ruft Cipolat wie im Linienbus die nächsten möglichen Halstestellen aus und geht sicher, dass alle Kinder am richtigen Ort ankommen oder abgeholt werden.

Zeiten ändern sich

Die Erziehung habe sich verändert, stellt Cipolat fest: «Die Kinder scheinen zu kurz zu kommen.» Sind ihre jungen Fahrgäste mal traurig, weiss sie genau, wie sie diese trösten kann. Früher hätten zudem vor allem die «Unterstüfler» öfter gesungen. Lachend singt sie eines ihrer Lieblingsstücke nach: «Hebed eu am Bänkli, d Frau Cipolat macht es Ränkli.»

Heute würden ihr die Kinder CDs mitbringen. «Dann muss ich ihnen erklären, dass wir im Bus nur einen Kassettenrekorder haben. Viele kennen das gar nicht mehr.» Das zwölfjährige Gefährt würde sie trotz fehlendem CD-Player am liebsten behalten. Doch im März wird der dritte Schulbus angeschafft. «Damit ich den fahren darf, benötige ich für nächstes Jahr eine Weiterbildung für den neuen Fähigkeitsausweis», so Cipolat.

Wie genau ihre Zukunft aussehen wird, weiss sie noch nicht. «Schulbusfahren ist Teil meines Lebens. Genug hatte ich nie.» Doch möchte sie auch Platz für die Jungen machen. Zudem sei sie kürzlich stolze Grossmutter geworden und wolle deshalb «en Gang abeschalte».