«Können Sie mir sagen, wieso ein Mann in den besten Jahren, nämlich ich, mit einem Instrument zusammenlebt, das ihn permanent behindert? Menschlich, gesellschaftlich, verkehrstechnisch, sexuell und musikalisch nur behindert?» Diese Frage stellt sich im Stück «Der Kontrabass» des Autors Patrick Süskind eines tristen Nachmittags ein Mann, als er allein in seinem schalldichten Zimmer auf die abendliche Aufführung von Wagners «Rheingold» wartet.

Der Antiheld – angestellt im Orchester der Staatsoper – hadert in Süskinds einzigem Theatertext mit seinem ihm kaum erträglichen Schicksal, auf Lebzeiten an dieses grösste aller Streichinstrumente gebunden zu sein. «Der Kontrabass ist das scheusslichste, plumpste, uneleganteste Instrument, das je erfunden wurde», beklagt sich der Musiker, der im Stück namenslos bleibt.

Bier gegen den Orchesterfrust

Wenn man diesen Orchesterbeamten bei seinen Bühnenmonologen über sein Leben und sein schändlich unterschätztes Instrument so beobachtet, wird schnell klar: Hier handelt es sich um die Geschichte eines ganz und gar Zukurzgekommenen. Der Kontrabassist hasst Wagner, unterschlägt gerne mal aus Rache ein paar Noten und findet Dirigenten völlig überflüssig. Den Feuchtigkeitsverlust und den Orchesterfrust bekämpft er mit Alkohol.

Der ist es wohl auch, der ihn im Lauf des Stücks über die – chancenlose – Eroberung der schönen Mezzosopranistin Sarah fabulieren lässt. Doch selbst diese Träumerei schlägt schnell ins Bittere um. «Wahrscheinlich ist sie völlig unzulänglich, charakterlich eine Null, geistig unterbelichtet, einem Manne meines Formats überhaupt nicht gewachsen», schildert er seine singende Muse.

«Lebendig und packend»

Eingeladen hatten an diesem Samstagabend die beiden Kulturkommissionen der Gemeinden Aesch und Birmensdorf. Dem Aescher Gemeindepräsident Hans Jahn, der das Einmannstück an diesem Abend zum ersten Mal sah, gefiel besonders das Spiel des «Kontrabassisten» Stefan Lahr: «Mich hat vor allem der Schauspieler sehr beeindruckt.» Tatsächlich zog der 61-Jährige – in Mainz geboren und seit fünf Jahren Mitglied des Ensembles des Theaters Kanton Zürich – beim Auftritt im Aescher Gemeindesaal Nassenmatt alle Register seines Könnens.

Als Kontrast zur fulminanten schausielerischen Leistung kam Denise Heschls Bühnenbild bestechend einfach daher: Ein Raum, darin ein paar Bierflaschen, ein Plattenspieler und ein Kontrabass genügen Lahr und Regisseurin Elina Finkel, die Geschichte in ihrer ganzen Tragikomik zu entfalten. So bezeichnete denn auch Marie-Therese Trost von der Aescher Kulturkommission das Stück als «lebendig und packend» – gerade auch wegen des schlichten Bühnenbilds.