Der kantonale Denkmalschutz und die Gemeinde Birmensdorf stehen keineswegs in einer liebevollen Beziehung zueinander. Im Editorial des Mitteilungsblatts der Gemeinde äusserte Gemeindepräsident Bruno Knecht (parteilos) grosse Bedenken gegenüber der Handhabe des Amtes und gegenüber der Zukunft er Gemeinde. Er kündigte zudem rechtliche Schritte an.

Worum geht es genau? Das Schulhaus Reppisch soll mit den drei Pavillons und dem Mehrzweckgebäude definitiv ins Inventar der schutzwürdigen Bauten mit überkommunaler Bedeutung aufgenommen werden. Damit wäre es neben der Sekundarschulanlage Brüelmatt das zweite inventarisierte Schulhaus der Gemeinde.

Am kommenden Sonntag entscheidet das Birmensdorfer Stimmvolk darüber, ob es neun Millionen Franken für die Sanierung des Schulhauses Reppisch ausgeben will. Diese Arbeiten seien dringend notwendig, da die Lebensdauer der meisten Bauteile überschritten und der Raumbedarf in den letzten Jahren stark gewachsen sei.

«Der Entscheid der kantonalen Denkmalpflege ändert nichts am Projekt, über das die Stimmbevölkerung am Sonntag befindet», sagt Knecht auf Anfrage. Denn sowohl die Sekundar- wie auch die Primarschulpflege hätten bei ihren Sanierungsprojekten auf eine Prüfung der Schutzwürdigkeit verzichtet und die Vorgaben der Denkmalpflege akzeptiert.

«Nun möchte der Kanton Nägel mit Köpfen machen und quasi die Glasglocke über den beiden Schulhäusern definitiv verschliessen», schreibt Knecht in seinem Editorial.

Denkmalpflege setzt sich durch

So hätten diverse Projekte aus dem ganzen Kanton Zürich gezeigt, dass inventarisierte Projekte bei einem allfälligen Umbau sehr einseitig und ideologisch beurteilt würden. «Die Denkmalpflege konnte sich jeweils zu 100 Prozent durchsetzen – mit grossen Kostenfolgen für die Bauherren und Besitzer der Gebräuchlichkeiten», schreibt Knecht weiter. 

«Grosszügigerweise lädt die Baudirektion die betroffenen Gemeinden jeweils noch zu einer Stellungnahme ein, bevor sie entscheidet. Dass dieser Entscheid weder sachlich neutral noch objektiv gefällt wird, beruht schon auf der Tatsache, dass die kantonale Denkmalpflege direkt bei der Baudirektion angesiedelt ist», schreibt Knecht weiter. Es handle sich somit um eine blosse Alibiübung.

Für Knecht kommt die Inventarisierung einer Zwangsjacke gleich. «In den kommenden Jahrzehnten liesse sich baulich nichts verändern. Dies bringt die Gemeinde bei ihrer Schulraumplanung unter enormen Zugzwang. Zudem sind die Kosten solcher Sanierungen und Instandstellungen sehr hoch», sagt Knecht. Auch werde damit ein zeitgemässer und moderner Umbau der Schule verunmöglicht. Knecht verweist darauf, dass schweizweit der Ruf nach verdichteter Bauweise laut werde, gleichzeitig aber grosse Parzellen geschützt werden könnten.

Gemeinde wehrt sich

Man habe sich daher entschieden, sich zur Wehr zu setzen. «Der Beschwerdebrief an die Baudirektion wurde bereits aufgesetzt. Wir rechnen mit einem Gespräch mit den Verantwortlichen, in dem wir unsere Standpunkte darlegen können», sagt er. Da die Chancen auf ein Einlenken des Kantons jedoch gering seien, würde die Gemeinde ziemlich sicher den Gerichtsweg beschreiten. «Es ist an der Zeit, dass die Gemeinden des Kantons Zürich zusammenstehen, und gegen diese willkürlichen und kostspieligen Entscheide vorgehen», schreibt Knecht im Editorial.

Eine Vorbildfunktion nimmt dabei die Stadt Zürich ein, die einen Fall bis ans Bundesgericht in Lausanne weiterzog. Die Stadt Zürich und die Familienheimgenossenschaft beabsichtigten, die beiden ältesten Siedlungen der Genossenschaft abzubrechen und durch dichtere Neubauten zu ersetzen.

Der Heimatschutz ging vor das Baurekursgericht, da es sich bei der Siedlung um ein Baudenkmal handle. Zwar stützt das Baurekursgericht die Pläne der Genossenschaft, das Verwaltungsgericht gab aber dem Heimatschutz recht. Die Stadt Zürich liess Anfang März verlauten, dass man den Entscheid ans Bundesgericht weiterziehe.

Für Knecht steht fest, dass dies die einzig richtige Handhabung der Situation ist. Er möchte gar noch einen Schritt weiter gehen. «An der nächsten Gemeindepräsidenten-Konferenz des Kantons Zürich werde ich einen entsprechenden Vorstoss für ein gemeinsames Vorgehen platzieren.»

Für das Sanierungsprojekt, über das am Sonntag abgestimmt wird, sprach die Birmensdorfer Bevölkerung bereits 2011 einen Planungskredit. Die Denkmalpflege stufte das Gebäude jedoch als Schutzobjekt mit überkommunaler Bedeutung ein. Fünf Jahre später musste ein neuer Planungskredit gesprochen werden, einer der die Vorgaben des Kantons beinhaltet.