Zürich
Die Fusionsidee ist langsam im Kanton Zürich angekommen

Aller Anfang war schwer für Gemeindefusionen im Kanton Zürich. Doch nun gewinnen die Zusammenschlüsse an Akzeptanz. In verschiedenen Regionen laufen Verhandlungen.

Fabio Mauerhofer
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Hier wurde die Fusion bereits vollzogen: Bauma und Sternenberg verschmolzen zur Gemeinde Bauma. (Archivbild)

Hier wurde die Fusion bereits vollzogen: Bauma und Sternenberg verschmolzen zur Gemeinde Bauma. (Archivbild)

Matthias Scharrer

Die Skepsis gegenüber Fusionen schrumpft. Drei Jahre nachdem der neue Finanzausgleich eingeführt wurde, zieht der Kanton eine positive Bilanz. Im letzten Jahr sind alle Fusionsabstimmungen angenommen worden. «Der Trend zu Gemeindefusionen verstärkt sich», sagt Roland Wetli vom kantonalen Gemeindeamt. Noch vor einem Jahr sah die Statistik auf politischer Ebene ernüchternd aus: Zwei angenommenen standen zwei abgelehnte Gemeindefusionen gegenüber.

Als Erste nach 80 Jahren haben sich im Kanton Zürich Bertschikon und Wiesendangen getraut. Die neue Gemeinde Wiesendangen besteht bereits seit einem Jahr. Auf Anfang 2015 haben sich Sternenberg und Bauma vereint. Der Kanton Zürich zählt damit noch 169 statt 171 Gemeinden.

Im nächsten Jahr könnte die Anzahl weiter schrumpfen. Die Stimmberechtigten aus Kyburg und Illnau-Effretikon befinden am 14. Juni an der Urne über einen Zusammenschluss per Anfang 2016. Die dritte Fusion wäre ein weiteres Novum: Erstmals würden sich eine Stadt mit Parlament und eine Gemeinde mit Gemeindeversammlung zusammenschliessen. Offiziell handelt es sich um eine Eingemeindung: Illnau-Effretikon würde Kyburg schlucken. Neuwahlen wird es keine geben.

Eine Gemeindefusion pro Jahr: Dieser Trend könnte sich laut Wetli auch in den kommenden Jahren fortsetzen. «Diese Entwicklung ist bemerkenswert, nachdem sich die Zahl der politischen Gemeinden während 80 Jahren nicht verändert hat.» Hinzu kommt, dass die Zahl der Schulgemeinden schon lange rückläufig ist.

Waren es 2010 noch 124, sind es heute noch 103. Dafür nehmen im Gegenzug die Einheitsgemeinden – also die Vereinigung von politischen Gemeinden und Schulgemeinden – zu. Deren Zahl ist in den letzten fünf Jahren von 70 auf 81 angestiegen. «Dadurch haben sich die Gemeindestrukturen stark vereinfacht», sagt Wetli.

Einwohner wollen die Fusion

Derzeit stehen diverse Fusionsprojekte im Nordwesten und Süden des Kantons zur Diskussion (siehe Grafik). Im Mai 2014 haben die Stimmberechtigten in Hirzel grünes Licht für Fusionsverhandlungen mit dem Nachbar Horgen gegeben.

Ende November 2014 haben die vier Gemeinden im Wehntal für gemeinsame Fusionsgespräche gestimmt. Gleichzeitig sprachen sich auch die Schönenberger dafür aus, dass der Gemeinderat Fusionsverhandlungen mit dem Stadtrat Wädenswil aufnimmt.

Speziell daran: Die entsprechende Initiative wurde von Einwohnern eingereicht.

In der Nachbargemeinde Hütten werden die Stimmberechtigten am 8. März darüber befinden, ob eine Fusion grundsätzlich bejaht wird und ob man sich lieber Richtung Wädenswil oder Richterswil orientieren will.

Etwas harzig verlaufen die Fusionsgespräche zwischen Bachs und Stadel. Der Knackpunkt sind die Primarschulen, wobei auch Weiach an einer grösseren Schulfusion interessiert wäre.

Sternenberg soll beraten

Für die geplante Eingemeindung von Hofstetten durch Elgg ist laut dem Hofstetter Gemeindepräsidenten Roger Gerber noch ein Zusatzeffort vom Kanton gefragt. «Eine Fusion muss ja auch in seinem Interesse sein. Falls wir in Konkurs gehen würden, müsste man uns laufend unterstützen.» Gerber will zusätzlich noch Rat bei der ehemaligen Sternenberger Gemeindepräsidentin Sabine Sieber einholen, wie man allenfalls noch Altlasten tilgen könnte.

Am 29. November 2015 steht in Hofstetten und Elgg eine Grundsatzabstimmung an – sowohl für die politischen Gemeinden als auch für die Primarschulgemeinden. Im Stammertal ist bereits am 6. September eine Grundsatzabstimmung geplant. Wie der genaue Auftrag an die Behörden lauten wird, ist noch nicht klar.

Daneben stehen zwei Schulfusionen zur Diskussion: Am 14. Juni werden Ossingen und Truttikon über eine gemeinsame Schule abstimmen. Wann der Fusionsvertrag für die Schulen im mittleren Tösstal an die Urne gelangt, ist noch offen.