Unterengstringen / Morissen
Die Freundschaft zweier Gemeinden ist in Holz geschnitzt

Die Gemeinden Unterengstringen im Limmattal und das Bündner Bergdorf Morissen im Val Lumnezia feiern das 40-jährige Bestehen ihrer Patenschaft. Aus der Paten- und Partnerschaft ist längst Freundschaft entstanden.

Sandro Zimmerli
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Das idyllische Dorf liegt im Val Lumnezia
10 Bilder
Zwei Clowns unterhalten die jungen Besucher
Vom Dorfeingan führt der Weg zum Festplatz
Der gemischte Chor Morissen-Cumbel singt im Festzelt
Zum Empfang spielen Morisser Musikanten
Die Unterengstringer Besucher lernen Morissen kennen
Peter Trombik bedankt sich für die Skulptur
Jubiläumsfest Unterengstringen-Morissen
Peter Trombik und Ueli Caduff erneuern den Handschlag von 1971
Zum Essen gibt es Maluns

Das idyllische Dorf liegt im Val Lumnezia

Sandro Zimmerli

In Zahlen gefasst besteht die Patenschaft Unterengstringens für Morissen seit 40 Jahren. In dieser Zeit hat die Limmattaler Gemeinde das Bündner Bergdorf im Val Lumnezia mit rund 900 000 Franken unterstützt. Seit Sonntag weiss man nun auch, dass diese langjährige Partnerschaft gegen 350 Kilogramm schwer ist. Zumindest schätzt Alfons Montalta seine Holzskulptur auf dieses Gewicht. Rund 100 Stunden hat der Künstler aus Morissen an den zwei ineinandergreifenden Händen gearbeitet. Sie sollen an den Handschlag von 1971 erinnern, als die Patenschaft besiegelt wurde.

Aus Paten- und Partnerschaft wurde Freundschaft

40 Jahre später ist aus der Paten- eine Partner- ja sogar Freundschaft entstanden. Grund genug, diese Beziehung würdig zu feiern. Auf Einladung der Gemeinde Morissen machten sich am frühen Morgen rund 100 Unterengstringerinnen und Unterengstringer auf, um gemeinsam mit der Bevölkerung ihrer Patengemeinde auf das Jubiläum anzustossen. Bei einem Teller Maluns oder Raclette und zahlreichen musikalischen Darbietungen wurden im kleinen Festzelt beim Gemeindehaus der 240 Einwohner zählenden Gemeinden neue Freundschaften geknüpft oder alte vertieft.

So hatten sich die Verantwortlichen den Tag vorgestellt, so war es auch im Festprogramm festgehalten. Selbst als Morissens Gemeindepräsident Ueli Caduff ans Rednerpult schritt, ahnte noch niemand etwas von der gewichtigen Überraschung für die Gäste aus dem Limmattal. Caduff drückte in seiner Rede die Dankbarkeit für die langjährige Patenschaft aus, sprach von den partnerschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Gemeinden, die durch gegenseitige Besuche gestärkt wurden. Gleichzeitig stimmte er auch nachdenkliche Töne an. «Noch immer wandern viele Jugendliche aus unserem Dorf ab, weil es wenig attraktive Jobs gibt», sagte Caduff. Es sei deshalb eines der wichtigsten Anliegen des Gemeinderates, auch künftig für ein attraktives Dorfleben zu sorgen.

Intakte Gemeindeinfrastruktur

Intakt, auch dank der Unterstützung aus Unterengstringen, ist die Gemeindeinfrastruktur. So haben die Limmattaler im Laufe der Jahre verschiedene Projekte, wie den Bau einer Wasserversorgung, ein Gemeindezentrum oder die Erstellung eines Mietwohnhauses für Einheimische mitfinanziert. Und das soll noch nicht das Ende sein. Obschon Morissen mitten in den Planungen einer Fusion mit den anderen rätromanischen Gemeinden im Val Lumnezia steckt, hat der Unterengstringer Gemeinderat auch weiterhin seine Unterstützung zugesagt. «Doch die Hilfe geht weit über das Finanzielle hinaus, sie war in all den Jahren auch moralischer Natur», so Caduff.

Auch Unterengstringens Gemeindepräsident Peter Trombik sprach von den unzähligen Begegnungen, die Stadt und Land näher zusammengebracht, die das gegenseitige Verständnis füreinander gefördert hätten. Und er zeigte sich gerührt über die Skulptur, die dereinst das neue Gemeindehaus schmücken soll. «Davon haben wir gar nichts gewusst. Das ist eine riesige Überraschung», so Trombik.

Niemand ging mt leeren Händenn nach Hause

Blieb einzig die Frage, wie man das Geschenk überhaupt nach Unterengstringen bringt. Im Car und den Bussen war kein Platz. Doch zum Glück gibt es noch die Unterengstringer Schützen. Sie haben sich spontan bereit erklärt, die Skulptur in Morissen abzuholen.

Ganz mit leeren Händen ging dann aber doch niemand nach Hause. Jeder Besucher aus Unterengstringen erhielt eine Holzscheibe, in die das Datum des Festes eingelassen ist.