Weinland
Die ersten Zürcher Rentiere rücken näher

Auf einem Hof bei Uhwiesen will eine Bauernfamilie Rentiere halten. Wenn alles gut geht, sollen die ersten Tiere noch in diesem Jahr einziehen.

Markus Brupbacher
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Zwei Rentiere im Zoo von La Chaux-de-Fonds: Dieses Bild könnte im Kanton Zürich bald Wirklichkeit werden.

Zwei Rentiere im Zoo von La Chaux-de-Fonds: Dieses Bild könnte im Kanton Zürich bald Wirklichkeit werden.

Keystone

Der fliegende Rentierschlitten des Weihnachtsmanns mit den Geschenken für die Kinder: Die Glaubhaftigkeit der Geschichte leidet auch wegen der grossen Distanz zur Heimat der Rentiere am Polarkreis. Denn wie auch soll es der Schlitten aus Skandinavien rechtzeitig zur Bescherung bei uns schaffen? Doch schon bald könnte den Eltern etwas aus der Erklärungsnot geholfen werden.

Auf dem Mühlebachhof zwischen Uhwiesen und Dachsen plant die Familie Fürst die Haltung von Rentieren. Dafür sollen rund drei Hektaren Land entlang des Mülibachs eingezäunt und ein Unterstand für die Tiere gebaut werden. Die Ausschreibung des Bauvorhabens ist im Mitteilungsblatt der Gemeinde Laufen-Uhwiesen abgedruckt.

Das Ziel sei es, einmal 40 bis 50 Muttertiere zu halten, sagt Salome Fürst vom Mühlebachhof. Die Fleischproduktion stehe dabei nicht im Vordergrund. Vielmehr habe sie die Absicht, Patenschaften, Fütterungen und kleinere Trekkingtouren anzubieten, so zum Beispiel im Winter. Zwei bis drei Rentiere will Fürst aus dem Kanton Bern beziehen, wo jemand bereits 20 Tiere hält. Der Rest soll aus Norddeutschland importiert werden.

Erste Tiere im Herbst

Salome Fürst ist gelernte Landwirtin und absolviert einen Hirschhalterkurs. Dabei hat sie verschiedene Hirscharten kennen gelernt, darunter auch den Rothirsch und das Rentier. Für den Mühlebachhof mit seiner Direktvermarktung sei das zahmere Rentier besser geeignet als der Rothirsch, sagt sie.

Für die Haltung der Rentiere seien genügend Auslauf, ein Unterstand, eine Wassersuhle sowie eine zwei Meter hohe Umzäunung nötig. Fürst hofft, dass die ersten Rentiere im Herbst auf dem Mühlebachhof einziehen können. Für die nötigen Bewilligungen – Unterstand, Einzäunung, Tierhaltung – sind verschiedene Amtsstellen zuständig.

Zum Mühlebachhof gehören schon heute zum Beispiel Alpakas, Gänse, Enten, Schafe, Zwergziegen oder Kaninchen. Aber auch Beeren und Früchte zum Selberpflücken, ein Rosenlabyrinth, Blumen, Gemüse, Obst und ein Hofladen sind Teile des Hofs. Zudem ist der Mühlebachhof mit seinen Produkten am Wochenmarkt in Neuhausen am Rheinfall anzutreffen.

Gesuche sind eingegangen

Das Baugesuch für die geplante Rentierhaltung des Mühlebachhofs sei beim Kanton eingegangen und werde derzeit geprüft, sagt Baudirektionssprecher Markus Pfanner. Das Projekt hat auf Zürcher Boden Pioniercharakter. «Beim Kanton Zürich wurde bisher keine Baueingabe eingereicht für Bauten oder Anlagen, die einer Rentierhaltung dienen», so Pfanner weiter.

Auch das kantonale Veterinäramt bestätigt den Eingang des Gesuchs für eine Rentierhaltung auf dem Mühlebachhof. Wie lange die Prüfung des Gesuchs dauert, kann das Amt nicht sagen, nur so viel: «Eine Bewilligung kann erst erteilt werden, wenn die Anforderungen erfüllt sind», schreibt Mona Neidhart. Vom Veterinäramt aus gebe es dafür keine zeitlichen Vorgaben. Im Kanton Zürich würden bisher nirgendwo Rentiere gehalten. Das heisst aber nicht, dass es für die Haltung von Rentieren keine Vorschriften gebe.

Die Anforderungen sind in Bundesverordnungen festgeschrieben, eine davon betrifft zum Beispiel die Grösse des Aussengeheges. So muss dessen Fläche bei sechs Rentieren mindestens 800 Quadratmeter betragen, für jedes weitere Tier 80 Quadratmeter zusätzlich. Zudem muss die für die Haltung verantwortliche Person den Nachweis einer entsprechenden Ausbildung erbringen. Dazu gehört auch ein mindestens dreimonatiges Praktikum. Als gleichwertig anerkennt das Veterinäramt zurzeit die Ausbildung für die Hirschhaltung. Die Haltebewilligung ist auch Bedingung dafür, um Rentiere in die Schweiz importieren zu können.