Dietikon
Die Dietiker sagen Ja zu ihrem Haus der Bevölkerung

Die Dietiker Bevölkerung und die Vereine erhalten einen neuen Mehrzwecksaal: Die Zehntenscheune im alten Dorfkern wird saniert und umgebaut. Die Stimmberechtigten haben am Sonntag das 4,8-Millionen-Projekt gutgeheissen.

Oliver Graf
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So soll der Saal im Dachgeschoss der Zehntenscheune dereinst aussehen: Die Dietiker sagen Ja zum Projekt.

So soll der Saal im Dachgeschoss der Zehntenscheune dereinst aussehen: Die Dietiker sagen Ja zum Projekt.

zvg

Der Zehntenscheunen-Kredit hatte am Sonntag an der Urne einen schwereren Stand als in der Politik: Während sich am Ende alle im Stadtparlament vertretenen Parteien von SVP bis zur AL für das 4,8-Millionen-Projekt ausgesprochen hatten, sagten 41,4 Prozent der Abstimmenden Nein zum Projekt. 1803 Dietiker legten ein Nein in die Urne, 2549 ein Ja. Die Stimmbeteiligung lag bei 36,17 Prozent.

Statt Gejammer jetzt eine Reaktion

Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) und Bauvorstand Anton Kiwic (SP) zeigten sich erfreut, dass das historische Gebäude im alten Dorfkern saniert und umgebaut werden kann. «Es wird immer gejammert, dass unser Stadtzentrum tot sei», sagt Bachmann. Mit der Zehntenscheune, die als «Haus der Bevölkerung» neben dem Kulturhaus Gleis 21 zu einem weiteren Leuchtturm werden soll, werde nun Gegensteuer gegeben. «Es kommen Events, Veranstaltungen und Leben ins Zentrum.»

Auch für Kiwic stellt das Zehntenscheunen-Ja eine Art Zeitenwende dar: «Die vergangenen Jahre redeten sich die Dietiker ständig selber ein, dass sie arm seien und sich nichts leisten könnten, nicht einmal zu träumen.» Mit dem Ja zum Vorhaben werde dieses Stigma nun abgelegt. «Die Dietiker wollen ein lebendiges Zentrum, in das sie gern hingehen und in welchem sie sich gern aufhalten.» Und sie seien heute auch bereit, dafür ein grosses Projekt umzusetzen. «Dietikon wagt wieder etwas.»

Die Kosten sorgen für Neinstimmen

Sowohl Bachmann als auch Kiwic werten das Abstimmungsergebnis als «solide Zustimmung.» Die Nein-Stimmen erklären sich die beiden unter anderem mit den Kosten. Im Vorfeld der Abstimmung waren auch entsprechende Plakate und Flugblätter aufgetaucht.

Gerade in der gegenwärtigen Pandemiezeit sei die Sorge um die finanzielle Situation natürlich gross, meint Bachmann. Doch Luxusprojekte setze Dietikon nicht um, sagt der Stadtpräsident. «Und wenn wir den Stimmberechtigten aufzeigen können, welchen Zweck und Nutzen ein Projekt hat, dann findet es auch eine Mehrheit.»

Mit dem Zehntenscheunen-Projekt ist dies nun am Sonntag offenbar gelungen. Zuvor hatten sich auch schon alle im Stadtparlament vertretenen Parteien grundsätzlich für die Auffrischung der historischen Liegenschaft ausgesprochen.

Ein Umbau bringt der Stadt einen Mehrwert

Die SVP hatte beispielsweise darauf hingewiesen, dass eine Sanierung der Liegenschaft ohnehin anstehen würde, um sie zu erhalten. Dies alleine würde rund 1,3 Millionen Franken kosten, ohne dass «die Bevölkerung einen Mehrwert hätte».

Eine renovierte und umgebaute Zehntenscheune würde «für Dietikon einen grossen und schönen Mehrwert darstellen», hatte die EVP festgehalten. Zudem werde dem historischen Kern von Dietikon mit der Zehntenscheune sowie dem «Alten Bauamt» und dem bereits sanierten «Alten Bären» neues Leben eingehaucht, strich die SP hervor.

Das Umbauprojekt sieht insbesondere vor, dass im Dachgeschoss ein Mehrzwecksaal eingerichtet wird, der bis zu 150 Sitzplätze und eine flexibel aufbaubare Bühne aufweist. Durch eine wandelbare Infrastruktur soll die Scheune ein breites Spektrum an Nutzungsmöglichkeiten bieten, wobei unter anderem Konzerte, Ausstellungen, Bankette und Sitzungen denkbar sind. Die Scheune soll Vereinen, Parteien und Privatpersonen offen stehen.

Die Arbeit werden unverzüglich aufgenommen

2023 oder 2024 wird die Zehntenscheune als «Haus der Bevölkerung» eröffnet. Der Zeitplan ist angesichts des Alters der Liegenschaft noch mit gewissen Unsicherheiten behaftet. Klar ist hingegen, dass nun keine Zeit verloren gehen soll: «Nach dem Abstimmungssonntag nehmen wir am Montag die weiteren Arbeiten unverzüglich auf», sagt Bauvorstand Kiwic.

Und finanziell bringt er bereits eine kleine Entwarnung an: «Ich gehe davon aus, dass die jährlichen Folgekosten geringer ausfallen werden, als jetzt ausgewiesen.» Die Zehntenscheune entspreche einem Bedarf; die Vermietung werde von Beginn an gut laufen.