Die Emotionen kochen hoch, wenn es um die Buche im Schlieremer Zentrum geht. Am Mittwoch kam die Nachricht von der Stadt und der Limmattalbahn AG, dass der Baum nicht zu retten sei. Damit scheint der jahrelange Kampf der beiden Schlieremer Schwestern Susanne Porchet und Liliane Hagen für den Erhalt des Baums zu Ende zu sein. Innert weniger Wochen sammelten sie in einer Petition 4600 Unterschriften von Menschen, die den Baum retten wollten. Der Schlieremer Bauvorstand Markus Bärtschiger (SP) und der Gesamtprojektleiter der Limmattalbahn, Daniel Issler, gaben am Mittwoch bekannt, dass eine Verschiebung der Linienführung der Limmattalbahn Kosten von 3 Millionen und eine Bauverzögerung von einem Jahr zur Folge hätte. Auch eine Verpflanzung des Baums sei nicht möglich, weil die finanzielle Unterstützung fehle.

Frau Hagen und Frau Porchet, Sie sagten öffentlich, dass Sie sich finanziell an einer Baum-Rettung beteiligen würden. Nun winkten Sie ab. Warum?

Susanne Porchet: Es war immer unsere erste Priorität, den Baum an seinem angestammten Ort im Herzen von Schlieren zu belassen. Als die Limmattalbahn AG und die Stadt immer mit neuen Gründen kamen, warum dies nicht möglich sei, liessen wir uns auf ein Gespräch über eine Verpflanzung ein. Wir wollten im Dialog bleiben. Anfänglich waren wir optimistisch, doch mit der Zeit zeigte sich, dass die Verpflanzung kein gangbarer Weg ist. Die Überlebenschance des Baums ist zu gering. Das Risiko für einen Sturm- oder gar einen Totalschaden ist zu hoch.

Liliane Hagen: Mit einer Verpflanzung alleine ist die Sache nämlich nicht erledigt. Über Jahre hinweg muss der Baum anschliessend gehegt und gepflegt werden, was hohe Folgekosten nach sich zieht. Die Stadt hat sich angeboten, die Nachpflege eine Weile zu übernehmen. Die von Stadt und Limmattalbahn AG veranschlagten 160'000 Franken sind einfach sehr viel Geld. Besonders wenn man sich überlegt, wie viele karitative Projekte mit einer solchen Summe unterstützt werden könnten.

Trotzdem: Geben die 4600 Menschen, welche die Petition unterzeichnet haben, je 20 Franken, ist die Summe zusammen.

Porchet: Die Mehrheit dieser Unterstützer will, dass der Baum dort bleibt, wo er ist. Je länger je mehr zweifelten wir an der Variante der Verschiebung. Die Überlebenschance des Baumes wurde von namhaften Grossbaumspezialisten als um ein Vielfaches geringer eingeschätzt, als es im Gutachten der Stadt und Limmattalbahn vermerkt ist.

Eine Änderung der Linienführung koste 3 Millionen mehr und habe eine Bauverzögerung der Limmattalbahn von einem Jahr zur Folge, hiess es diese Woche vonseiten der Stadt und der Limmattalbahn AG. Sind diese Kosten gerechtfertigt?

Porchet: Wären die Verantwortlichen früher auf unser Anliegen eingegangen, wären die Kosten einer Projektanpassung frappant geringer gewesen. Zudem liessen wir diverse Möglichkeiten abklären, wie das Dach und die Tramgleise aneinander vorbeikommen können – ohne dass grosse Mehrkosten entstehen würden. Wenn man will, gibt es Lösungen – davon sind wir überzeugt.

Also zweifel Sie an der Kompetenz der Planer der Limmattalbahn AG?

Porchet: Wir zweifeln am Willen der Verantwortlichen, die Linienführung der Buche anzupassen. Uns fehlt der Beweis – schwarz auf weiss – von einem Ingenieur, warum eine Verschiebung der Gleise nicht funktionieren soll.

Hagen: Die Begründungen, warum die Linienführung nicht angepasst werden kann, wandelten sich über die Zeit. Erst war es die Behindertengerechtigkeit, dann die bereits gebaute Stützmauer und dann das Flügeldach sowie die Tramhaltestelle. Wir wurden an der Nase herumgeführt.

Porchet: Vor zwei Jahren wäre noch alles möglich gewesen. Dies wurde uns an der letzten Sitzung bestätigt. Die Verantwortlichen setzten auf eine Verzögerungstaktik. Dabei sollten sie in der Bevölkerung für die Schaffung von Goodwill besorgt sein – wegen der Bahn und wegen der anstehenden Wahlen.

Diese Woche kommunizierten die Verantwortlichen nun, dass der Baum Anfang Februar gefällt werden müsse. Sie beide wollen dagegen ankämpfen. Wie?

Hagen: Ich stehe in Kontakt mit einem renommierten Baumspezialisten, der dazu angeregt hat, den Baum während der Arbeiten stehenzulassen. Dies würde beinhalten, ihn vor den Bauarbeiten zu schützen und ihm einen Baumpfleger zur Seite zu stellen, der zu ihm schaut. Denn dadurch, dass der Baum ein Flachwurzelgewächs ist, müssten seine Wurzeln sehr weit reichen. Unser Baumspezialist ist ganz klar der Meinung: Die Buche hat noch eine reelle Überlebenschance von rund 50 Prozent, wenn man sie dort stehen lässt, wo sie ist. Und überlebt der Baum nicht, haben wir unser Möglichstes getan.

Wie stehen die Chancen, dass dieser Weg beschritten wird?

Hagen: Wir haben uns erst am Donnerstag dazu entschieden. Daher können wir noch nicht einschätzen, wie die Verantwortlichen reagieren werden. Aber für einen solchen Baumpfleger würden wir ein Crowdfunding organisieren.

Wie gehen Sie vor?

Porchet: Wir werden einen Protestmarsch organisieren, für welchen wir die Genehmigung von der Stadt bald erwarten. Zudem werde ich weiterhin den Kontakt zur Stadt und der Limmattalbahn AG suchen. Auf blutbuche.ch können sich Baumfreunde ab sofort informieren. Auf lange Sicht versuchen wir, eine Plattform aufzubauen, die Bäumen eine Stimme gibt. Zu viele alte Bäume müssen wegen Bauprojekten gefällt werden. Fällt die Buche im Schlieremer Zentrum, soll dies wenigstens nicht vergebens geschehen sein.

Was machen Sie, wenn die Verhandlungen nicht fruchten und die Buche Anfang Februar gefällt werden muss?

Hagen: Ich würde schauen, dass ich dann nicht in Schlieren bin.

Porchet: Ich werde aus dem Herzen und dem Moment heraus entscheiden.