«Damals als der Röntgenapparat erfunden wurde, röntgte man auch alles durch und erkannte erst später, als viele erkrankt oder bereits tot waren, dass die Strahlen schädlich sind», sagt Silvia Meier-Jauch. Für die Anwohnerin des Schlieremer Zelgli Quartiers ging alles Schlag auf Schlag. Vergangene Woche erblickten erste Anwohner die Holzkonstruktion auf dem Mehrfamilienhaus an der Lättenstrasse 2. Gerüchte machten rasch die Runde, bis dann am vergangenen Donnerstag Gewissheit herrschte. Die Bauausschreibung für eine Mobilfunkanlage war publiziert, während 20 Tagen können berechtigte Personen – also etwa Anwohner – Einwendung gegen das Bauprojekt der Swisscom machen. Dies ist Meier-Jauch aber nicht genug: Am Samstagabend um 19 Uhr startete sie auf der Plattform Petitio eine Unterschriftensammlung gegen das Projekt. Stand gestern Abend: Es liessen sich bereits 130 Unterstützer finden. «Dies zeigt, wie kontrovers eine solche Antenne ist», sagt sie. Besonders dass Schule und Kindergarten sowie ein Hort in unmittelbarer Nähe beherbergt sind, beunruhige die Quartierbewohner. «Man mutet unseren Kindern etwas zu, wovon man die Konsequenzen noch nicht kennt – wie damals beim Röntgen», so Meier-Jauch.

Geltendes Recht wird eingehalten

Unbeeindruckt vom Widerstand zeigt sich die Bauherrin. «Es kommt schweizweit immer wieder vor, dass Ausbaupläne durch Einsprachen gebremst werden», sagt Swisscom-Sprecherin Sabrina Hubacher. Zwar sei die Mobilfunkversorgung im Quartier zur Zeit noch genügend. Doch sei der Bau einer neuen Anlage zwingend notwendig, wenn die Kundschaft weiterhin ein gutes Netz haben wolle. Der gewählte Standort erfülle die Anforderungen hinsichtlich der benötigten Abdeckung. Zudem habe mit dem Eigentümer ein Standortvertrag abgeschlossen werden können. Im Bezug auf mögliche Gefahren verweist Hubacher darauf, dass man sich bei der Antennen-Leistung konsequent an das geltende Recht und damit an die massgebenden Immissions- und Anlagegrenzwerte halte.

Meier-Jauch sieht dies anders und betont in ihrem Petitionstext, dass speziell bei Kindern eine Korrelation zwischen Strahlung und verschiedenen Störungen bewiesen sei. «Zudem ist unser Quartier bereits mit zwei Antennen belastet. Wir brauchen keine weitere.» Noch bis zum 30. Oktober können Gegner online auf petitio.ch unterschreiben, dann werden die Unterschriften der Stadt überreicht.

Immer wieder geben Pläne für solche Antennen zu reden. In Schlieren ereignete sich ein vergleichbarer Fall im Jahr 2011, als an der Kesslerstrasse eine Mobilfunkanlage auf dem Dach eines Einfamilienhauses hätte erstellt werden sollen. Erst stellte sich die Stadt gegen die Pläne, um daraufhin eine Baubewilligung zu erteilen. Die Anwohner bekämpften das Ansinnen gerichtlich. Erfolglos: Im Sommer vergangenen Jahres wurde die Antenne erstellt.

Geht auch das Schlatter-Hochhaus?

Bei Bauvorstand Markus Bärtschiger (SP) werden Erinnerungen wach. Denn im gleichen Sommer, als der Knatsch an der Kesslerstrasse entbrannte, einigte sich die Stadt mit den Mobilfunkanbietern darauf, künftig das sogenannte Dialogmodell anzuwenden. Dabei informieren die Anbieter die Stadt über Pläne für neue Antennen. Gegebenenfalls hat die Stadt dann Zeit, alternative Standorte vorzubringen, an denen eine solche Antenne realisiert werden könnte. «Auch wir auf der Bauabteilung fragten uns, ob das Gebäude im Quartier Zelgli der optimale Standort für eine solche Antenne ist», sagt Bärtschiger auf Anfrage. Denn es sei nach Einsicht der Pläne anzunehmen, dass die Antenne wohl auch der Erschliessung des auf der anderen Seite der Bernstrasse gelegenen Industriegebiets dient. «Daher suchten wir den Kontakt zur Swisscom und schlugen das Dach des Schlatter-Hochhauses als möglichen Alternativstandort einer solchen Antenne vor», so Bärtschiger. Noch habe man nichts gehört. Doch: «Vorschreiben können wir der Swisscom natürlich nichts», sagt er. Zudem ist gut möglich, dass die technischen Herausforderungen beim Hochhausdach zu gross seien, so Bärtschiger weiter.

Der Swisscom sind zum jetzigen Zeitpunkt noch keine alternativen Standorte bekannt, wie es auf Anfrage der Limmattaler Zeitung heisst. Auch vom Standort Schlatter-Hochhaus haben die Verantwortlichen noch nichts gehört. «Falls es diesen Standort auch wirklich gibt, werden wir ihn gerne prüfen», heisst seitens der Swisscom.