Bei der Kultur- und Vereinsunterstützung wollen die Oberengstringerinnen und Oberengstringer nichts von Kürzungen wissen. 80 Prozent (1147 Stimmen) sprachen sich am Sonntag an der Urne gegen die lokale Initiative «für eine kosteneffiziente Oberengstringer Kultur- und Freizeitpolitik» aus. Nur 19,2 Prozent (275 Stimmen) sagten Ja zum Anliegen von Einzelinitiant Artur Terekhov. 12 Wahlzettel wurden leer eingelegt.

«Wir sind froh, dass es so deutlich herausgekommen ist», sagt Gemeindepräsident André Bender (SVP). Überrascht sei er allerdings nicht. Bereits nach Einreichen der Initiative habe er dem Initianten bei einem Treffen gesagt, dass er eine Ablehnung mit einem Verhältnis von etwa 80 zu 20 Prozent erwarte. Die Gemeindeausgaben für Vereine und kulturelle Anlässe «sind nicht einfach Geld, das aus dem Fenster geworfen wird», sagt Bender. Dahinter stehe viel freiwilliges Engagement.

Initiant Terekhov gewinnt dem Resultat auch Positives ab. Die 275 Ja-Stimmen seien eine «gute Sperrminorität für die Werte der Freiheit», sagt er. Oberengstringen sei eine staatsgläubige Gemeinde, kritisiert Terekhov. «Und das unter SVP-Herrschaft.» Der Rechtsstudent spekulierte darauf, dass die wichtigen nationalen Abstimmungsvorlagen die Stimmbeteiligung erhöhen und im Dorf nicht nur «die Alteingesessenen» abstimmen würden. Angesichts der überdurchschnittlichen Beteiligung von 39 Prozent habe er sich einen etwas höheren Ja-Anteil erhofft. «Nur 39 Prozent sind aber immer noch bedenklich tief», ergänzt er.

Ihm sei von Beginn weg bewusst gewesen, dass sein Anliegen einen schweren Stand haben würde. Alle Ortsparteien positionierten sich im Vorfeld dezidiert dagegen. Die Vereinsverantwortlichen im Dorf hätten unter dem Deckmantel der Solidarität zusammengespannt, um ihre Interessen durchzusetzen, so Terekhov. «Die wahren Egoisten sitzen in den Vorständen der Dorfvereine.»

Elternverein erleichtert

Grosse Freude über das Abstimmungsergebnis herrscht zum Beispiel bei Brigitte Velten, Präsidentin des Elternvereins Oberengstringen. Bei einer Annahme hätte der Elternverein die Mitgliederbeiträge massiv erhöhen müssen oder deutlich weniger Veranstaltungen durchführen können, sagt sie. Die klare Abfuhr für die «Anti-Kultur-Initiative», wie die SVP Oberengstringen das Anliegen im Wahlkampf betitelte, sei eine Erleichterung: «Das zeigt, dass die Einwohner das Dorfleben schätzen», so Velten.

Sie freue sich über die Anerkennung und Wertschätzung der Stimmbürger für die geleistete Arbeit. «Man darf nicht vergessen, wie viel ehrenamtliche Arbeit hinter den Dorfvereinen steht», sagt sie. Das sieht Gemeindepräsident Bender ähnlich: «Wir wollen die gute und wertvolle Arbeit der Vereine weiterhin unterstützen.» Ihn stört, dass Initiant Terekhov selbst kaum je an Gemeindeanlässen erscheine und die Kritik an der kommunalen Kulturunterstützung so pauschal ausgefallen sei. «Wir haben ihm vorgeschlagen, dass er an der Gemeindeversammlung Anträge stellt, wenn er sich beim Gemeindebudget einbringen will», so Bender. Das wäre auch finanziell günstiger gewesen, gibt er zu bedenken. «Letztendlich hat die Abstimmung auch Geld gekostet.»

Weiter «Fokus auf die Freiheit»

Terekhov, der vor Kurzem der JSVP beigetreten ist, lässt sich nicht entmutigen. Er will weiter «die Interessen der jungen Generation sowie einen Fokus auf die Freiheit des Individuums in die Politik einbringen.» Gerade die Steuerreform und AHV-Finanzierung, gegen die seine Kantonalpräsidentin Camille Lothe unermüdlich gekämpft habe, sei ein Zeichen für legitime innerparteiliche Kontraste von Jung und Alt, sagt er. Auch die kritische Auseinandersetzung mit Kulturausgaben bleibt für ihn aktuell: «Der Staat soll nicht im Kulturbetrieb aktiv sein», ist er überzeugt.

In der Gemeinde dürfte das Thema aber nach dem klaren Abstimmungsresultat nicht mehr so schnell aufs Tapet kommen. Mit seiner Einzelinitiative wollte Terekhov erreichen, dass die Gemeinde nur noch 100000 Franken jährlich für Kulturausgaben verwenden darf und sie beziehungsweise die Kulturkommission nur vier Anlässe pro Jahr durchführen darf. Nachdem die Gemeinde die Initiative zunächst für ungültig erklärte, hiess der Dietiker Bezirksrat einen Rekurs von Terekhov gut.