Schlieren

Die Baustelle an der Zürcherstrasse ist seit 2014 verwaist – doch nicht mehr lange

Seit einem Jahr steht die Baustelle an der Zürcherstrasse in Schlieren still. Noch heute ragen nur einzelne verwitterte Wände aus dem Boden.

Seit einem Jahr steht die Baustelle an der Zürcherstrasse in Schlieren still. Noch heute ragen nur einzelne verwitterte Wände aus dem Boden.

Das Hotel wurde nicht gebaut, übrig blieb an der Zürcherstrasse in Schlieren eine Bauruine. Vergeblich hatte der Stadtrat schon interveniert. Vergeblich.

Von einem «Schandfleck» sprachen die Schlieremer Gemeinderäte Walter Artho (SP) und John Daniels (FDP) vergangenen September in der parlamentarischen Fragestunde. Was sie damit meinten, war eine Parzelle an der Zürcherstrasse, die schon seit Jahren brachliegt. 2014 begannen dort erste Bauarbeiten für ein Hotel mit Verkaufsnutzung im Erdgeschoss. Doch dann, vor einem Jahr, stand erneut alles still. Noch heute ragen nur einzelne verwitterte Wände aus dem Boden, die Armierungseisen sind völlig verwittert, die Natur kämpft sich die Herrschaft über den betonierten Boden zurück.

Die zwei Parlamentarier äusserten damals in der Fragestunde ihren Unmut darüber, dass die Parzelle an prominenter Lage immer mehr verkommt. Nun scheint sich dort endlich wieder etwas zu tun.

Wie die vormalige Eigentümerin und heutige Entwicklerin der Parzelle, die Marc Property & Investments AG, auf Anfrage mitteilt, werden voraussichtlich im Sommer wieder Baugeräte aufgefahren. Vorgesehen ist ein Neubau mit einer Lidl-Filiale im Erdgeschoss und einer «hotelähnlichen Nutzung» in den anderthalb darüberliegenden Geschossen. Was mit «hotelähnlich» konkret gemeint ist, will Firmeninhaber Marc Alain Kollmann noch nicht verraten. Er lässt aber durchblicken, dass man sich «in Richtung Pflege bewegt».

Mieter sprang ab: Stillstand

Die Marc Property & Investments hat das Grundstück bereits 2013 an die in Siebnen domizilierte Investorin L Real Estate veräussert, verwaltete und entwickelte die Liegenschaft aber weiterhin in deren Namen. Grund für den Stillstand der Bauarbeiten war nach Kollmanns Angaben, dass der ursprüngliche Mieter und Betreiber des Hotels abgesprungen sei. «Nach reiflicher Überlegung kam er zum Schluss, dass sein Betriebskonzept nicht die Rendite versprach, die er sich erhofft hatte», erklärt er.

Weil man sich folglich auf die Suche nach einem neuen Mieter machen musste, beschloss die Verwaltung, die Baustelle zu stoppen. «Es kam uns günstiger zu stehen, als das Projekt umzusetzen und dann dem Konzept des neuen Betreibers anzupassen», so Kollmann. Einen neuen Mieter hat die Marc Property & Investments AG nun offenbar gefunden: In den nächsten Wochen sollen die Verträge unterzeichnet werden, dann erfolgt die Anpassung des Bauprojekts und anschliessend dessen Umsetzung.

Bauherr muss nicht fertigbauen

Diese Neuigkeiten dürften einige Schlieremer Politiker erfreuen – nicht zuletzt auch den Stadtrat. Auf die Frage von Daniels und Artho, was auf der verwaisten Parzelle im Gange sei, erklärte Bauvorstand Markus Bärtschiger (SP), dass die Stadt bei den Bauherren bereits mehrmals interveniert habe, aber mit sichtbar mässigem Erfolg.

Das Problem: Im Grundsatz ist ein Investor nicht zwingend verpflichtet, ein baubewilligtes Projekt auch zu realisieren. Und die Fertigstellung eines ins Stocken geratenen Bauvorhabens zu beschleunigen, ist für die Stadtverwaltung kein Leichtes.

Gemäss Planungs- und Baugesetz (PBG) kann die Stadt bei einer Arealüberbauung erst nach mehr als zwei Jahren Unterbruch eine Beendigung «innert nützlicher Frist» anordnen. Dies etwa dann, wenn Gefahr im Verzug ist. Sie könnte zudem auch eine sogenannte «Ersatzvornahme» androhen, bei der die Stadt das Projekt in Eigenregie fertigstellt und die Kosten dem Eigentümer in Rechnung stellt.

Bei der Parzelle an der Zürcherstrasse wollte Bärtschiger im September davon jedoch absehen, weil der Stadtrat es als «schwierig» erachtete, das Geld von der Bauherrin wieder eintreiben zu können.

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Autor

Florian Niedermann

Florian Niedermann

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