Das Versprechen der SBB hört sich gut an: Mit einem neuen, modernen Bahnhof in Rapperswil müssen sich Pendler künftig weniger häufig darüber aufregen, dass ihr Zug Verspätung hat. Dass die SBB dieses Versprechen auch halten können – dafür sorgen die vielen Bauarbeiter. Sie sind es, die Perrons erweitern, alte Schienen und Weichen entfernen, Tausende Tonnen Schotter ausheben und schliesslich neue Weichen und Gleise legen. Knochenarbeit nennt sich das.

Fünf Jahre haben die SBB für die Modernisierung des Bahnhofs eingeplant, 88,5 Millionen Franken gibt der Bund dafür aus. In dieser Zeit und für dieses Geld müssen die Bauarbeiter unter anderem 40 Weichen und über zwei Kilometer Schienen erneuern sowie 22'000 Tonnen Material ausheben. Schrittweise. Denn die Arbeiten könnennicht an einem Stück verrichtet werden. Würden die Bauarbeiter durchgehend arbeiten, könnten in dieser Zeit keine Züge verkehren. Deshalb wird in der Nacht gearbeitet, wenn der Grossteil der Bevölkerung schläft. Oder an den Wochenenden, wenn die Arbeiten weniger Zugfahrer tangieren. So wurde auch am letzten Wochenende gearbeitet. Die SBB ersetzten im Westen des Bahnhofs und auf dem Seedamm weitere Weichen und Schienen.

Die Arbeit muss erledigt werden

Es ist Freitagabend, in der Ferne blitzt es. Die ersten Regentropfen fallen vom Himmel. Oliver Lechmann blickt nach oben, zieht die Augenbrauen zusammen. «Ideal ist das jetzt nicht», sagt der SBB-Projektleiter. Die Bauarbeiter müssen ja die nächsten Stunden draussen schuften, fünf Weichen und die Gleise austauschen. Das Vorhaben abzubrechen kommt nicht infrage. Die Züge müssen am Montagmorgen wieder verkehren – nach Fahrplan. Und die Gleisbaumaschinen, die für die Arbeiten unabdingbar sind, stehen nur dieses eine Wochenende zur Verfügung.

Gut 50 Männer in orangefarbener Kleidung beugen sich über die alten Schienen. Mit einer Trennscheibe schneiden sie das Gleis auf, die Funken sprühen. Meter für Meter, Schwelle für Schwelle arbeiten sich die Bauarbeiter vor. Die Stirn ist nass, vom Regen und vom Schweiss. Sobald die Schienen an den dafür vorgesehenen Stellen durchschnitten sind, fährt der Gleiskran vor. Eine riesige Maschine, die die Weichen anhebt und wegtransportiert. Nun muss der Schotter metertief ausgehoben werden.

150 Männer stehen im Einsatz. Nicht gleichzeitig, sie sind in drei Teams eingeteilt und wechseln sich in 8-Stunden-Schichten ab. Sobald die eine Gruppe mit den Stunden durch ist, setzt die nächste an Ort und Stelle an. Die Grube, die durch den Aushub entstanden ist, füllen die Arbeiter zuerst mit einer Kies-Sand-Mischung. «Diese sorgt dafür, dass das Wasser in die neuen Entwässerungsleitungen abfliesst», erklärt Lechmann. Über diese Mischung kippen die Bauarbeiter schliesslich den Schotter. In 24 Stunden dürften sie so weit sein. «Daraufhin können die Bauarbeiter mit dem Einbau der neuen Weichen beginnen», sagt Lechmann.

Präzisionsarbeit ist gefragt: Millimetergenau müssen die Arbeiter die Schienen miteinander verbinden. Eine ganze Nacht lang sind sie mit dieser Aufgabe beschäftigt, «bevor sie damit anfangen können, die Weichen und die Gleise einzuschottern und zu stopfen», sagt Lechmann. Ehe der erste Zug am Montag um 5 Uhr abfährt, regulieren die Arbeiter die Fahrleitung, prüfen die Sicherungsanlagen und nehmen die neuen Weichen in Betrieb.

Längere Haltbarkeit der Schwellen

Eine Woche ist seither vergangen, nun rollen die Züge über die neuen Schienen – und über eine sanierte Brücke. Denn die Schweizerische Südostbahn nutzte die Sperre des Bahnbetriebs, um die Rapperswiler Hälfte des Seedamms zu sanieren. Die Brücke wurde mit Stahlträgern verstärkt und erhielt einen neuen Korrosionsschutz.

Am Bahnhof Rapperswil müssen die Bauarbeiter in diesem Jahr nur noch drei Weichen ersetzen. Und zwar im September, dann ist vorerst Schluss. Doch warum mussten die Weichen überhaupt ersetzt werden? Lechmann erklärt: Züge, die aus Jona und Schmerikon in Rapperswil einfahren, nutzten bis Ende 2017 noch dieselbe Gleisachse. Im Zuge der Arbeiten wird eine weitere entstehen – die dritte. «Weil die neuen Weichen einen weniger engen Bogen haben, können die Züge neu mit 60 statt mit 40 Stundenkilometern in den Bahnhof einfahren.» So könne man Verspätungen leichter aufholen. Auch erhofft man sich von den neuen Bahnschwellen eine längere Haltbarkeit. Die japanischen Kunststoffschwellen, die die SBB erstmals verwenden, sollen länger halten als die bisherigen Eichholzschwellen.

«Die Bauarbeiter werden die letzten 13 Weichen im kommenden Jahr ersetzen. Jene im östlichen Teil des Bahnhofs, entlang der Rietstrasse und auf der Höhe des Lokdepots», sagt Lechmann. Auch dann wird jeweils an den Wochenenden gearbeitet. Für die Zugfahrer heisst es dann erneut: Umsteigen – vom Zug auf den Bus.