Was, wenn ich die Lehrer meines Kindes nicht verstehe? Wie soll ich meiner Tochter bei den Hausaufgaben helfen? Wie werde ich an einem Elternabend zurechtkommen? Diese Fragen gehen vielleicht manchen fremdsprachigen Eltern bei der Erziehung des Kindes durch den Kopf. Sie wollen einen Deutschkurs besuchen, können sich aber beide nicht von der Betreuung des Nachwuchses befreien.

Diese Sorgen müssen sich solche Eltern in Unterengstringen bald nicht mehr machen. Denn nach den Frühlingsferien startet in der Gemeinde das Pilotprojekt Muki. Es handelt sich dabei um einen Deutschkurs der anderen Art. Während die Eltern in einem Zimmer Deutsch lernen, spielen deren Kinder in zwei Nebenräumen unter Aufsicht zweier Betreuungspersonen. An der Schule Büel werden die Eltern zweimal wöchentlich von neun bis elf Uhr zusammenkommen. Das Projekt soll bis zu den Sommerferien dauern. «Wir haben gemerkt, dass immer weniger Kinder im Kindergarten Deutsch sprechen können und dass die Eltern bei Elterngesprächen Dolmetscher brauchen», sagt Martin Amann, Projektleiter des Muki-Deutschkurses und Schulpfleger an der Primarschule Büel.

«Mütter haben es schwieriger»

Finanziert wird der Kurs von der Gemeinde Unterengstringen. Die Schule stellt die Räumlichkeiten zur Verfügung. «Das Projekt entstand spontan. Wir starten im kleinen Rahmen. Wir haben aber schon Anfragen von anderen Gemeinden bekommen», sagt Amann.

Es sei geplant, insgesamt acht Personen anzufragen. Darunter Sozialhilfeempfänger oder Asylbewerber, erklärt der Projektleiter. Der Kurs richtet sich vor allem an Frauen mit Kindern bis zum Kindergartenalter. «Mütter haben es schwieriger, weil sie in anderen aber auch in unserer Kultur mehrheitlich die Betreuung ihrer Kinder übernehmen müssen. Mütter können sich nicht so einfach wie Väter von der Betreuung befreien», sagt Amann.

Der Deutschkurs mit integrierter Kinderbetreuung löse das Problem der Mütter. Darüber hinaus unterstützt das Projekt auch in einer anderen Hinsicht: «Eine der beiden Kinderbetreuer bezieht selbst Sozialhilfe. Durch die Beschäftigung ermöglichen wir ihr eine Wiedereingliederung», sagt Amann.

Die Schule erhofft sich, dass die Kommunikation mit den Eltern einfacher wird und man sich besser versteht. Es sei eine Hürde, die immer wieder bei Elternabenden oder Besprechungen auftritt. «Wir wollen auch, dass die Kinder früh und besser integriert werden», sagt Amann. Er erklärt, dass das Projekt aus schulischer Sicht präventiv sei, um Probleme zu vermeiden. Durch den Kurs solle verhindert werden, dass die Kinder Kommunikationsschwierigkeiten erleben.

Schnelle Integration

Für Amann ist auch der soziale Aspekt wichtig. «Es geht darum, die Mütter untereinander zu vernetzen und zusammen zu bringen.» Die Frauen würden sich so gegenseitig unterstützen. «Es wäre schön, wenn die Mütter sich kennenlernen, ausserhalb des Kurses zusammen Kaffee trinken gehen und gemeinsam Zeit verbringen», sagt der Projektleiter.

Das Hauptziel des Kurses sei, dass die Teilnehmenden am Ende im Stande sind, sich ausdrücken zu können, erklärt Lucia Peters, die zukünftige Lehrerin des Muki-Deutschkurses. Sie bringt fremdsprachigen Erwachsenen seit mehreren Jahren Deutsch bei.

«Die Teilnehmenden sollen sich im Alltag in der deutschsprachigen Schweiz wohler fühlen und zurechtfinden können», führt Peters weiter aus. Durch Gruppen-, Partner- und Einzelarbeit werde ihnen die Sprache spielerisch nähergebracht. «Wichtig ist, dass sie Spass am Lernen haben», sagt die Unterengstringerin. Im Unterricht werde ausschliesslich Deutsch gesprochen. Vorkenntnisse müsse man keine haben. Ihre Herausforderung liege darin, den Unterricht so zu vermitteln, dass dieser anschaulich sei.

Sie erhofft sich durch den Deutschkurs eine schnelle Integration der Eltern. Und: «Dass die Väter und Mütter merken, dass sie nicht alleine sind, sondern mit anderen gemeinsam lernen können.»