Unter der Woche war es auf dem Sportplatz Beichlen in Wädenswil etwas weniger grün als gewohnt. Wer den Blick über die Hochebene schweifen liess, stellte fest, dass der grüne Fussballrasen entfernt worden war und der Blick stattdessen auf den darunterliegenden dunklen Gummibelag fällt.

Die Fussballer des FC Wädenswil müssen aber künftig nicht auf Gummi spielen: Sie erhalten stattdessen ein besonderes Stück Grünfläche unter ihre Fussballschuhe. Weil der alte Kunstrasen auf dem Sportplatz Beichlen schon länger ausgedient hatte, übernimmt Wädenswil den YB-Meisterrasen aus dem Stade de Suisse in Bern.

«Das ist ein grosser Schritt für uns; der Kunstrasen aus Bern ist um einiges besser», sagt Martin Lampert, Präsident des FC Wädenswil. Er erklärt, dass der alte Kunstrasen in Wädenswil überall Risse hatte und mehrmals repariert werden musste. 37 Mannschaften nutzen ihn für ihr Training. Hanspeter Högger, PR-Verantwortlicher des FC Wädenswil, ergänzt: «Es kann zu bösen Stürzen führen, wenn man mit dem Fuss beim Spiel in einem Loch hängen bleibt.»

Auf drei Etagen gestapelt liegen an diesem Nachmittag grau-grüne Rollen bereit. Daneben befinden sich grosse Säcke, gefüllt mit kleinen, sandig-grünen Kügelchen.

Verlegung dauert rund vier Wochen

«Der neue Kunstrasen ist ein verfüllter Rasen», sagt Martin Lampert, Präsident des FC Wädenswil. Das bedeutet, dass das Plastikgras mit dem Granulat aus Sand und Kalk aufgefüllt wird. Der neue Rasen aus Bern ist also nicht nur flickenfrei, sondern weist auch eine bessere Dämpfung auf. Zusätzlich verletzen sich die Sportler durch das Granulat weniger, weil die Verbrennungsgefahr bei Stürzen dadurch etwas geringer ist.

«Die Gründe, sich für einen Kunstrasen zu entscheiden, liegen unter anderem darin, dass in der Beichlen relativ lange Schnee liegt. Wir könnten auf einem Naturrasen frühestens Mitte April mit dem Training beginnen», sagt der Präsident.

Die Verlegung der neuen Grünfläche aus Bern wird rund vier Wochen Zeit in Anspruch nehmen. Die drei Arbeiter, die an diesem Nachmittag auf der heissen schwarzen Fläche die rund 6400 Quadratmeter Bahnen auslegen, müssen genau arbeiten. Per Drohne wurde die Fläche fotografiert, um die Lage der vielen Linien auf dem Fussballplatz vorgängig zu bestimmen. Wer jedoch zurzeit den Arbeiten zuschaut, wird etwas irritiert sein, dass die weissen Linien auf dem Feld gar nicht zueinander passen. «Diese alten Markierungen für die Young Boys werden alle noch rausgeschnitten, und die neuen Feldlinien für den FC Wädenswil werden frisch gezogen», erklärt Lampert beruhigend. Doch wie kam der FC Wädenswil zum Meisterrasen der Berner Young Boys? Schon länger war der FC Wädenswil auf der Suche nach einem Ersatz für ihren ausgedienten Untergrund. Der technische Leiter des FC Wädenswil ist zugleich auch als Verwaltungsrat der YB tätig und konnte so den Kontakt herstellen.

Eine nachhaltige Lösung gefunden

Die Stadt Wädenswil hatte ein Budget von 500'000 Franken zu Verfügung gestellt. «Wir befinden uns mit den Kosten nun aber unter der Hälfte dieses Budgets der Stadtkasse», sagt Lampert. Mit der Übernahme des bereits genutzten Rasens aus Bern haben sie eine günstige und nachhaltige Lösung gefunden.

Weil der fünfjährige Rasen im Stade de Suisse den Vorschriften der Uefa nicht mehr genügt, musste er durch einen komplett neuen Rasen ersetzt werden. Für die Champions League und deren Übertragung im Fernsehen muss der Rasen beispielsweise grüner sein, um einem Naturrasen näherzukommen.