Konzert

Deshalb gibt sich Michael von der Heide am Schlierefäscht besonders viel Mühe

Michael von der Heide ist begeistert von seinem jüngsten Album «Rio Amden Amsterdam».

Michael von der Heide ist begeistert von seinem jüngsten Album «Rio Amden Amsterdam».

Der Bühnenstar Michael von der Heide tritt am diesjährigen Schlierefäscht mit seinem neuen Album «Rio Amden Amsterdam» auf.

Wenn Schlieren bald zwei Wochen lang lacht, so das Motto des anstehenden Stadtfestes, gesellt sich auch Sänger und Schauspieler Michael von der Heide zu den vergnügten Menschen – auf der Bühne, versteht sich. Dort stellt er sein mittlerweile zwölftes Album, «Rio Amden Amsterdam», vor. «Ich finde, es ist mein schönstes Album. Das findet man beim jeweils Neuen immer. Aber dieses Mal stimmt es», so von der Heide. Vielleicht auch, weil dies sein erstes Jazzalbum ist. Ein Traum wurde wahr, wie er sagt. Und der Halt im Limmattal ist einer der ersten seiner dazugehörigen Tour.

Während von der Heide sein vorletztes Album, «Bellevue» (2015), fast komplett bei Maurizio Pozzi in dessen Musikstudio in Geroldswil aufnahm und auch der Nachfolger «Paola» (2016) teilweise dort entstand, ist auf «Rio Amden Amsterdam» lediglich der Song «Ce soir» im Limmattal verwurzelt. «Den Song habe ich gemeinsam mit Maurizio skizziert und fertig komponiert», sagt er. Die Produktion und Aufnahmen des Albums entstanden aber in den «571 Recording Studios» seines Produzenten Thomas Fessler in Zürich. Eine beliebte Adresse: Neben der Crème de la Crème der helvetischen Musikszene standen dort schon internationale Grössen wie Justin Timberlake und Lenny Kravitz vor dem Mikrofon.

Der Pressetext bezeichnet «Rio Amden Amsterdam» als ein Herbstalbum. Geschmeidig gleiten die Songs dahin, welche mit einer illustren Gruppe Jazzmusiker eingespielt wurden. Von der Heides Stimme überzeugt auch hier – und musikalische Überraschungen bietet der 47-Jährige einige: So beginnt das Album mit der Coverversion von Juliane Werdings «Eiskalter Sommer»; ein vergessener, aber packender Albumtitel der deutschen Sängerin. «Ich habe mich nie in erster Linie für Hits interessiert, sonst wäre meine musikalische Laufbahn anders verlaufen und ich hätte nicht so ein breites Repertoire», hält von der Heide fest.

Der perfekte Moment für das perfekte Lied

Zwei Duette dominieren das Album. Die bereits erwähnte Single «Ce soir» ist eine Zusammenarbeit mit der Westschweizer Sängerin Daniela Simmons. Mit ihr arbeitete er schon für sein Album «30°» zusammen, sie schrieb für ihn damals den Text zu «Prière». Simmons, die 1986 den zweiten Platz beim Eurovision Song Contest erreichte, hat sich in den letzten Jahren besonders dem Jazz verschrieben. Mit «Ce soir» ist endlich die Möglichkeit eines Duetts gekommen. «Ich suchte für diesen Song eine perfekt französisch-singende Jazz-Sängerin – et voilà! Der perfekte Moment und das perfekte Lied», so von der Heide.

Ebenso bestechend ist «Abschied in der Nacht», ein Duett mit Heidi Happy, das diese auch komponierte. Ein Song, der typisch für die Luzerner Sängerin ist, aber ursprünglich nur für von der Heide gedacht war. «Heidi sang es auf dem Demo so unglaublich berührend, eindringlich und schön, dass mir beim erstmaligen Hinhören klar war, dass sämtliche Musikgötter wollen, dass sie bei diesem traumhaften Song mitsingt.» Zumal die beiden auch privat harmonieren: Von der Heide kennt Happy nicht nur seit Jahren, sie wohnen quasi auch miteinander. «Wir haben zusammen mit dem Filmemacher Micha Lewinsky eine Wohngemeinschaft in Berlin.»

Happy zeichnet auf dem Album für zwei weitere Songs als Komponistin verantwortlich: In «Ein Tag aus Papier» weht ein leichter Bossa-Nova-Groove, während «Kurz vor acht» der Melancholie frönt. Weitere Coverversionen wie Rio Reisers «Träume» oder «Étrange garçon», die französische Adaption des Lieds «Nature Boy» von Eden Ahbez, sorgen für vertrautes Flair. So auch «In dieser Stadt», mit welchem von der Heide erneut Hildegard Knef – nach seinem Album «Hildegard» aus dem Jahr 2001 – huldigt.

Ein strahlender Stern kommt nach Schlieren

Angesichts der zwölf neuen Songs kann man verstehen, dass von der Heide das Album als sein schönstes bezeichnet. Der Titel «Rio Amden Amsterdam» verrät auch, dass seine Musik international punktet. «Manchmal staune ich über das ‹kleine Micheli› aus Amden, beispielsweise dann, wenn ich wie im letzten Jahr in Brasilien, Chile oder Israel auf einer Bühne stehe.» So singt er im Song «Zuhause konnte ich es noch» Zeilen wie «So hatte ich mir das als Kind vorgestellt, ich singe und komme herum auf der Welt». Wenn er sich in derselben Strophe noch als «strahlenden Stern der Musikindustrie» beschreibt, ist das nicht gelogen.

Und Schlieren ist eben auch die Welt. Von der Heide freut sich auf sein Konzert am Schlierefäscht. Zumal ihm die Stadt wohlbekannt ist. «André Grüter, ein Texter, mit dem ich viel zusammenarbeitete, lebt in Schlieren. Er kommt an das Konzert, und da gebe ich mir natürlich besonders viel Mühe», sagt er lachend. Neben Songs aus dem neuen Album wird er auch Klassiker seines Repertoires zum Besten geben. «Mit meiner neuen Band werde ich bekannte Titel wie ‹Jeudi Amour› oder ‹Hinderem Berg› singen, weiter ein paar alte Lieder wie ‹Eusereine chönnt das au› von Margrit Rainer.»

Verwandte Themen:

Autor

Daniel Diriwaechter

Meistgesehen

Artboard 1