Der Vorschlag kommt seit Jahrzehnten periodisch auf, dieses Mal durch ein Postulat der Grünliberalen.

Die Grünliberalen hatten vorgeschlagen, für den Grossraum Zürich eine U-Bahn zu planen. Die U-Bahn sollte als Mittelverteiler den Mehrverkehr bewältigen, der in den kommenden 30 Jahren zwischen der Stadt Zürich und der Agglomeration zu erwarten ist. Die bestehenden Verkehrssysteme würden so entlastet. Mit einem Postulat wollten sie einen Bericht vonseiten des Regierungsrates dazu verlangen.

Als Grobverteiler dient heute die S-Bahn, als Feinverteiler Tram und Bus. Die Glattalbahn und künftig die Limmattalbahn fungieren an der Stadtgrenze als Mittelverteiler. Thomas Wirth (GLP, Hombrechtikon) sagte: "Es geht um die Lösung von Verkehrsproblemen in der Zukunft."

Die Stadt werde wachsen, aber die heutigen öffentlichen Verkehrsmittel hätten fast ihre Kapazitätsgrenzen erreicht. Eine U-Bahn könnte Abhilfe schaffen, glauben die Grünliberalen.

Eine U-Bahn in der Stadt Zürich und der Agglomeration ist nach Ansicht des Zürcher Regierungsrates allerdings "weder erforderlich noch sinnvoll". Der Bau einer U-Bahn für Zürich sei aufgrund der Grösse der Stadt, aber auch wegen des bestehenden, leistungsfähigen Netzes nicht die geeignete Lösung zur Verbesserung des ÖV-Systems.

Breite Ablehnung

Im Kantonsrat stiess das Postulat auf breite Ablehnung. Die SP verwies unter anderem auf bauliche Schwierigkeiten wegen des Grundwasserspiegels im Limmattal. Die SVP rechnete vor, dass ein Kilometer U-Bahn 150 Millionen Franken verschlinge.

Die Grünen sagten, man könne nicht beim Verkehrsfonds sparen und gleichzeitig solch ein grosses Projekt vorschlagen. Am Montag sprach sich der Kantonsrat in erster Lesung für deutlich tiefere Beiträge in den Verkehrsfonds aus, mit dem Investitionen in die Infrastruktur getätigt werden.

Vier Metros in Deutschland

In Deutschland verfügt neben den Grossstädten Berlin, München und Hamburg nur Nürnberg über eine U-Bahn. In den zehn weiteren Städten mit über 500'000 Einwohnern existiert keine.

Aufgrund der hohen Kosten hätten die meisten grösseren Städte Deutschlands ihre Stadtbahnsysteme weiterentwickelt, hatte der Regierungsrat in der Antwort auf das Postulat festgehalten. Die sehr grosse Leistungsfähigkeit eines U-Bahn-Systems werde gar nicht benötigt - auch nicht in Zürich.

Mit der Inbetriebnahme der S-Bahn 1990 sei das Bahnnetz "wegweisend ergänzt" worden. Regierungsrätin Carmen Walker Späh (FDP) sagte, die heutige S-Bahn erfülle viele Ansprüche, die in den Siebzigerjahren an eine U-Bahn gestellt wurden: viele Verbindungen und, teilweise, unterirdische Linienführung.

S-Bahn, Tram- und Busnetze seien in Zürich "organisch gewachsen und gut aufeinander abgestimmt", meint der Regierungsrat. Seit über sechs Jahren wird an der Zukunft der S-Bahn gearbeitet: Die "S-Bahn 2G" soll aus einer inneren S-Bahn ergänzt durch Express-Linien bestehen.

U-Bahn-Gefühle im Tram

Die Tramlinien 7 und 9, die vom Milchbuck nach Schwamendingen fahren, tun dies durch unterirdische Anlagen, die als U-Bahn-Tunnel gebaut worden waren: 1971 hatte das Stimmvolk das Projekt an der Urne angenommen.

1973 lehnten die Zürcherinnen und Zürcher jedoch eine Vorlage für eine U-Bahn in Zürich mit über 70 Prozent der Stimmen ab, wie sie bereits 1962 eine "Tiefbahn" abgelehnt hatten. Im Januar 1986 schliesslich wurde die Tramverbindung, welche die Tunnel nutzte, eingeweiht.