Viele Menschen hatten in ihrem Leben schon mal einen Zauberwürfel in der Hand. Aber nur wenige haben das räumliche Drehpuzzle gelöst, sprich so angeordnet, dass alle Seiten einfarbig sind. Mike Ditton aus Bergdietikon hat im vergangenen Jahr tausende Würfel gelöst. Seine persönliche Bestzeit liegt offiziell bei 11,83 Sekunden, aber zu Hause hat er es auch schon in 8,52 Sekunden geschafft – nur knapp 3 Sekunden unter dem Schweizer Rekord von 5,61 Sekunden. Fast täglich verbringt er 30 bis 60 Minuten damit, die Bewegungsabläufe zu trainieren. Der 13-jährige Schüler ist Speedcuber, er versucht an offiziellen Wettbewerben der World Cube Association (WCA), dem Dachverband des Speedcubings, den Würfel so schnell wie möglich zu lösen.

Wobei es in der Welt der ambitionierten Cuber nicht einfach den Würfel gibt, sondern verschiedene Varianten. So unterscheidet sich etwa die Komplexität von einfachen 2×2×2-Würfeln bis zu 7×7×7-Würfeln und es gibt auch Varianten, bei denen das Drehen um die Achsen anders funktioniert. Beim Treffen mit der «Limmattaler Zeitung» hat Mike seinen speziellen Rucksack mit Trennfächern mitgebracht, um die vielen verschiedenen Geräte kurz zu präsentieren. Er hat mit sechs unterschiedlichen Würfeln bereits ein offizielles Resultat erzielt.

Speedcuber Mike Ditton zeigt, wie man einen Zauberwürfel löst

Speedcuber Mike Ditton zeigt, wie man einen Zauberwürfel löst.

Für den 5×5×5-Würfel, sein bisher kompliziertestes Unterfangen mit offiziellem Resultat, braucht er zwischen zwei und drei Minuten. Im Juli fährt Mike zusammen mit seinen Eltern ins australische Melbourne an die alle zwei Jahre stattfindende Weltmeisterschaft. Hier konkurrieren sich bis zu 1000 Teilnehmer in 18 Disziplinen um die besten Zeiten. Die Bandbreite reicht von den weltbesten Speedcubern bis zu Amateuren, bei denen der Spass im Mittelpunkt steht. Ursprünglich wollte Mike, der auch US-amerikanische Wurzeln hat, an den «Cubing USA Nationals» teilnehmen, den Nationalmeisterschaften in den USA. Doch dann überraschten seine Eltern ihn mit der Gelegenheit, stattdessen gleich an die WM zu fahren. Denn diese steht allen Cubern mit offiziellen Resultaten offen.

Der Vater diente als Motivation

Dass ihn das Würfel-Fieber so packen würde, hätte er selbst nicht gedacht, als er bei den Schweizer Meisterschaften im Technorama Ende 2017 erstmals mit der Szene in Kontakt kam. «Zum Zuschauen ist es nicht so spannend, vor allem wenn man nichts davon versteht», sagt Mike, der in Spreitenbach die Oberstufe besucht. Doch er kaufte sich selbst einen Würfel und kam auf den Geschmack. Spätestens als sein Vater den Würfel vor ihm löste, packte ihn der Ehrgeiz. Also begann er, sich Videos mit Anleitungen und Tricks anzuschauen, und übte zwischendurch immer wieder mit dem Würfel. «Ich brauchte fast einen Monat, bis ich ihn erstmals auswendig lösen konnte», sagt Mike. Anfangs habe er dafür fast vier Minuten benötigt. Aber es dauerte nicht lange, bis er seinen Vater punkto Schnelligkeit überholt hatte und sich höhere Ziele setzte.

«Es gibt keinen perfekten Weg, sondern viele verschiedene Methoden, die aus vielen Bewegungsabfolgen bestehen», sagt Mike. Dank dieser Fülle an Algorithmen, wie die Abfolgen genannt werden, könne man immer etwas Neues lernen. Langweilig geworden sei es ihm deshalb bisher nie. Als Cuber studiere man verschiedene Varianten für die einzelnen Lösungsschritte. Nur schon, um die letzte Seite des Würfels farblich zu orientieren, existieren 57 unterschiedliche Wege. Weil er derzeit für die Weltmeisterschaft trainiert, fokussiert er sich auf wenige, bestimmte Abfolgen, um seine Schnelligkeit zu verbessern.

Um gut zu werden, ist regelmässiges Üben notwendig. «Wenn ich eine Woche gar nicht dazukomme, bin ich gleich ein bis zwei Sekunden langsamer», sagt Mike. Damit er an Wettbewerben im entscheidenden Moment seine Leistung abrufen kann, macht er auch Mentalübungen und schärft seine Konzentration.

Harmonie statt Kampf

Bisher hat Mike an sechs Turnieren teilgenommen, zuletzt Ende März am «Wiler Würfelfest», wo er seine aktuelle Bestzeit aufstellte. Bis zur WM nutzt er im Mai noch die Zurich Open und im Juni die Schweizer Meisterschaften in Luzern als Vorbereitung. Ein Wettkampf unter Mitstreitern sind die Turniere für Mike aber nicht. «Ich gehe nicht an Wettbewerbe, um mich mit anderen, sondern mit mir selber zu messen», sagt er. An den meisten Anlässen herrsche kaum Konkurrenzdenken und es gehe sehr kollegial zu und her. «Der soziale Aspekt ist cool an den Turnieren», sagt er. Zudem ist er auch Mitglied einer Chat-Gruppe, in der rund 80 Speedcuber gegenseitig Tipps und Tricks austauschen.

Wenn er keine Würfel löst, spielt Mike gerne Videogames. Zudem trainiert er wöchentlich Karate. Später will er sich in Richtung Informatik weiterbilden und interessiert sich für Videoschnitt. Diese Affinität verbindet er auf Youtube mit seiner Leidenschaft für den Würfel. Seit rund einem halben Jahr führt er den Kanal Cheesecake Cuber, wo er sein Wissen über den Zauberwürfel weitergibt.