Unterengstringen/Würenlos
Der Wunsch zum Anschluss des Klosters Fahr währte schon lange

Würenlos versuchte mehrmals, das Kloster Fahr an sich zu binden, scheiterte aber immer wieder. Einmal musste gar das Bundesgericht ein Machtwort sprechen.

Sandro Zimmerli
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Der Aargauer Regierungsrat Kurt Wernli und sein Zürcher Amtskollege Markus Notter unterschrieben am 6. Dezember 2007 den Staatsvertrag in der Klosterkirche.

Der Aargauer Regierungsrat Kurt Wernli und sein Zürcher Amtskollege Markus Notter unterschrieben am 6. Dezember 2007 den Staatsvertrag in der Klosterkirche.

WAL

Wann genau die Beziehungen zwischen Würenlos und dem Kloster entstanden sind, lässt sich heute nicht mehr genau eruieren. Sie dürften jedoch wechselvoll gewesen sein, was sich vor allem im 19. Jahrhundert zeigt. Für das 1130 gegründete, zum Kloster Einsiedeln gehörende Kloster Fahr, waren es damals bewegte Zeiten.

Als 1803 durch die Mediationsverfassung der Kanton Aargau geschaffen wurde, beanspruchte der Kanton Zürich den reformierten Teil der alten Grafschaft Baden und erhielt Urdorf, Schlieren, Weiningen, Engstringen mit dem Kloster Fahr und Dietikon mit der katholischen Pfarrei. Der Aargau jedoch reklamierte das Kloster Fahr als katholischen Teil für sich. Der Kanton Zürich gab schliesslich nach, weil er die guten Beziehungen zu Einsiedeln nicht belasten wollte. Der Grundbesitz des Klosters blieb auf Zürcher Territorium.

Allerdings schikanierte der Kanton Aargau das Kloster, wo er nur konnte, und stellte es gar unter staatliche Verwaltung. Das passte den Einsiedlern ganz und gar nicht. Schliesslich mussten das Bezirksgericht und dann das Obergericht Zürich 1838 ein Machtwort sprechen.

Sie entschieden, dass das Kloster Einsiedeln wieder in die Eigentumsrechte eingesetzt werden müsse, soweit es sich um die auf Zürcher Gebiet gelegenen Güter handle. Damit wurde auch klar gesagt, dass nur der eigentliche, 1,48 Hektaren grosse Klosterbezirk zum Aargau und damit unter Würenloser Verwaltung gehörte. 1841 hob der Kanton Aargau das Kloster Fahr schliesslich auf. Auf Druck der Eidgenössischen Tagsatzung wurden Frauenklöster zwei Jahre später jedoch wieder eingesetzt.

Spreitenbach als Option

Das Schlimmste war überstanden. Die Stellung des Klosters sorgte jedoch weiter für Diskussionen. So bemühte sich Würenlos in den folgenden Jahrzehnten mehrmals um den Anschluss von Fahr an die Gemeinde, wobei Steuereinnahmen eine zentrale Rolle spielten. Das Ansinnen wurde jedoch immer wieder abgeschmettert. Etwa 1891, als das Bundesgericht entschied, dass kein Gesetz existiere, das die Zugehörigkeit des Klosters Fahr zu Würenlos festlege. Deshalb wurde zwei Jahre später ein Vertrag aufgesetzt, der die Beziehungen zwischen Würenlos und Fahr regelte.

In den 1930er-Jahren flammte die Diskussion um die Eingemeindung erneut auf. Nachdem im Dekret von 1932 das Rechtsverhältnis zwischen dem Kloster Fahr und dem Kanton geregelt worden, stellte Würenlos kurz darauf ein Gesuch um den Anschluss des Klosters an die Gemeinde. Dagegen wehrte sich die Gemeinschaft. Sollte es trotzdem zu einer Eingemeindung kommen, würde man Spreitenbach bevorzugen, liess sie verlauten.

Würenlos zog sein Gesuch zurück, setzte sich aber vehement gegen den Anschluss des Klosters an Spreitenbach zur Wehr – mit Erfolg. Der Grosse Rat trat auf die Vorlage nicht ein, da auf der damaligen Verfassungsgrundlage keine zwingende Notwendigkeit für die Zuordnung zu einer politischen Gemeinde bestand. Und so gehörte das Kloster Fahr weiter zum Kanton Aargau, aber zu keiner Gemeinde – bis zum 1. Januar 2008.