Sportpolitik
Der unbekannte Millionen-Verband: Der ZKS feiert sein 75-jähriges Bestehen

Der Zürcher Kantonalverband für Sport feiert sein 75-Jahr-Jubiläum. Trotzdem kennt ihn kaum jemand. Hier werden die wichtigsten Fragen geklärt.

Leo Eiholzer
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Mit dem Geld des ZKS werden unter anderem Turnfeste unterstützt. Im Bild ist der TV Weiningen am Zürcher Kantonalturnfest zu sehen.

Mit dem Geld des ZKS werden unter anderem Turnfeste unterstützt. Im Bild ist der TV Weiningen am Zürcher Kantonalturnfest zu sehen.

zvg

«Jeder halbwegs vernünftige Sportverband will Mitglied des Zürcher Kantonalverbands für Sport (ZKS) sein», sagte Regierungsrat und Zürcher Sportminister Mario Fehr (SP) gestern an der Pressekonferenz zum 75-Jahr-Jubiläum des ZKS. Die Mitgliederzahlen sind tatsächlich beeindruckend: Mehr als jeder fünfte Einwohner des Kantons Zürich ist Mitglied des Verbandes. 2339 Vereine aus 110 Sportarten sind in ihm organisiert. Er verteilt jährlich Millionen Franken an Staatsgeldern. Trotzdem ist der ZKS und seine Funktion in der Öffentlichkeit kaum bekannt.

Was macht der ZKS überhaupt?

Der Verband hat vier Hauptaufgaben: das Verteilen von Geldern aus dem Swisslos-Sportfonds, Lobbying für den Sport in der Politik, die Förderung von Vereinen und die Führung des kantonalen Sportzentrums Kerenzerberg am Walensee. Der ZKS setzt sich aus 63 kantonalen Sportverbänden zusammen, von den Armbrustschützen über die Kanuten und die Fussballer bis zu den Triathleten. Da einzelne Klubs meist Mitglied des Kantonalverbandes ihrer Sportart sind und dieser wiederum Mitglied des ZKS ist, kommt der Verband auf eine Mitgliederzahl von über 373'300. Gegründet wurde er 1943 als «Kantonalzürcherischer Verband für Leibesübungen» mit dem primären Zweck, die Sport-Toto-Gelder zu verteilen. Dieser Zweck ist bis heute erhalten geblieben.

Um wie viel Geld geht es?

Die Lotteriegesellschaft Swisslos, die den Kantonen gehört, schüttet ihren Reingewinn von jährlich rund 354 Millionen Franken für gemeinnützige Projekte an die Kantone aus. Der Kanton Zürich kommt so im Jahr zu etwa 60 Millionen Franken. Davon werden 30 Prozent für den Sport verwendet. Der ZKS selbst verteilt jedes Jahr im Auftrag des Kantons etwa 8 Millionen Franken Swisslos-Geld an die Vereine. Ausserdem erhält der Verband vier Millionen Franken pro Jahr, mit denen er das Sportzentrum Kerenzerberg führt und unterhält. Das restliche Sportgeld wird unter anderem für die finanzielle Unterstützung des Nachwuchsleistungssports und von Anlässen wie dem Kantonalturnfest verwendet. Dabei ist der ZKS häufig beratend tätig und bearbeitet für das Sportamt Gesuche von Vereinen und Verbänden. Die 70 Prozent, die nicht in Sport investiert werden, gehen an Kultur, Bildung oder andere gemeinnützige Zwecke .

Wie wird bestimmt, wer das Geld erhält?

Jeder Verein und Verband kann sich beim ZKS um einen Beitrag bewerben. Pro Jahr gehen etwa 700 Gesuche ein. Ein demokratisches Gremium, die sogenannte Swisslos-Kommission, entscheidet über die Annahme der Gesuche. Es ist mit je einem Vertreter aus jedem Sportartenverband besetzt. Es werden beispielsweise Beiträge gesprochen für Sportmaterial (1,45 Millionen), Ausbildungen (1,5 Millionen) und Sportanlagen von Vereinen (2,46 Millionen). Nach Behandlung der Gesuche überweist die Swisslos-Kommission ihre Beschlüsse an den Regierungsrat, der über die Beiträge entscheidet.

Warum verteilt der Kanton das Geld nicht einfach selbst?

Mit dieser Frage an der Pressekonferenz konfrontiert, sagte Sportminister Fehr, der das Geld verteilen müsste, wenn es der ZKS nicht machen würde: «Ich empfinde die Zusammenarbeit als sehr gewinnbringend. Der ZKS ist ganz nah bei den Vereinen und weiss, was diese brauchen. Das ist auf jeden Fall besser, als wenn ich aus meinem Büro heraus einfach bestimmen würde, wer Geld erhält und wer nicht.»

Sportvereine der Zukunft

Volleyballklubs wie Fitnesscenter

Die momentanen Umwälzungen in der Gesellschaft verändern auch den Vereinssport. Zu diesem Fazit kommt Josy Beer, Geschäftsführerin des Zürcher Kantonalverbandes für Sport (ZKS).

Sie spricht an der Pressekonferenz zum 75-Jahr-Jubiläum von «Mega-Trends», die es zu berücksichtigen gelte. Sie schlägt vor, dass Sportvereine sich wegen der Mobilität der Menschen wie Fitnesscenter organisieren. «Man soll dort im Volleyballklub spielen können, wo man gerade ist. Nicht nur im heimischen Klub.» Einige Vereine praktizierten das bereits. Anstatt eine volle Mitgliedschaft bezahle man einen Fünfliber pro Training.