Limmattal
Der Umstieg aufs Velo muss attraktiver werden

Die regionale Velogruppe wünscht sich separate Fahrradwege – gerade auch entlang der Limmattalbahn.

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Für die Anliegen der Velofahrer im Limmattal setzt sich die Gruppe Pro Velo Limmattal ein

Für die Anliegen der Velofahrer im Limmattal setzt sich die Gruppe Pro Velo Limmattal ein

AZ

Die Förderung des Langsamverkehrs und somit auch des Veloverkehrs wird gerne als Teil der Lösung präsentiert, mit der dem zunehmenden Verkehrsaufkommen im Limmattal begegnet werden soll.

Für Beat Hess von Pro Velo Limmattal ist aber klar: «In der Politik steht der Langsamverkehr nicht im Vordergrund. Das müsste er aber, wenn die Ziele des Agglomerationsprogramms Limmattal erreicht werden sollen.»

Die Planung, die die Kantone Aargau und Zürich gemeinsam erarbeitet haben, sieht nämlich vor, den Anteil an Veloverkehr bis 2030 bei 25 Prozent zu halten. Da insgesamt mit einem zusätzlichen Verkehrsaufkommen von 13 Prozent gerechnet wird, würde dies beim Veloverkehr eine Steigerung um 27 Prozent bedeuten. Der motorisierte Verkehr soll in der gleichen Zeit nur um 5 Prozent wachsen, die Fahrten der öffentlichen Verkehrsmittel sollen um 131 Prozent zunehmen.

«Noch keine konkreten Ideen»

Mit der Zielsetzung ist Hess einverstanden: «Es wäre schön, wenn es tatsächlich diesen Zuwachs gäbe, aber ich habe bis jetzt noch keine konkreten Ideen gesehen, damit das Velofahren tatsächlich so attraktiv wird, dass mehr Leute umsteigen.» Wichtig sei der Sicherheitsaspekt, damit auch ältere Leute und Kinder sich im Strassenverkehr mit dem Velo bewegen könnten. «Es braucht praktische und sichere Veloverbindungen», so Hess. Er wünscht sich auch mehr gedeckte Abstellplätze in den Einkaufspassagen. «Es sollte möglichst bequem sein, sich mit dem Fahrrad fortzubewegen.»

Ein Beispiel für die zu geringe Beachtung des Veloverkehrs sieht Hess bei der Planung der Limmattalbahn. Im Vorprojekt sind keine separaten Velowege geplant, die Radfahrer müssen sich mit einer Velospur als Teil der Fahrbahn begnügen.

Man habe die Anliegen der Velofahrer berücksichtigt, sagt Julie Stucki von der Limmattalbahn: «Fast auf der ganzen Strecke gibt es neben dem Trasse der Limmattalbahn eine Fahrbahn mit Velostreifen und daneben einen Fussgängerweg.»

Die Fahrbahn für die Autos sei 3 Meter breit. «Zusätzlich dazu sind Velostreifen von 1,5 Meter Breite geplant. Die Autos brauchen demnach im Normalfall nicht den Platz des Velos. Dieses Prinzip wurde sowohl von Pro Velo Kanton Zürich als auch vom Fussverkehr Schweiz gewünscht», sagt Stucki.

Fussgänger und Velos getrennt

«Es entspricht der Strategie des Kantons Zürich, Fussgänger und Velofahrer in den Stadtzentren getrennt zu halten», bestätigt Urs Waldvogel vom kantonalen Amt für Verkehr. An zwei Orten fehlt die separate Spur für Velos jedoch gänzlich: In Dietikon vom Kirchenplatz bis nach der Reppischbrücke und in Schlieren von der Haltestelle Wagonsfabrik bis zum Stadtplatz Schlieren.

«An diesen Orten ist nicht genug Platz für eine Velospur», so Stucki. Auch im Kreisel beim Stadtplatz ist keine Velospur geplant. «Die Fahrbahnspur würde dann so breit, dass es den Verkehr beschleunigen würde, was zu einer Gefahr für die Velofahrer werden könnte», erklärt Waldvogel.

Regionalgruppe bringt sich ein

Hess wünscht sich durchgehende Velostreifen oder separate Fahrbahnen für die Velofahrer. Die Veloverbindungen bis vor die Stadtzentren seien zwar recht gut, so Hess, doch: «Mit dem Velo durch ein Stadtzentrum zu fahren, ist ziemlich gefährlich, jeder versucht sich einen Weg durch das Verkehrschaos zu bahnen.»

Die Regionalgruppe Pro Velo Limmattal gibt es erst seit Oktober 2011. Seit Anfang Jahr vertritt sie die Anliegen der Limmattaler Velofahrer. «Das Limmattal ist ein grosser Raum, der aber leicht vergessen geht gegenüber der Stadt Zürich», sagt Hess. Es würden momentan viele Projekte laufen, bei denen man die Anliegen der Fahrradfahrer einbringen müsse.