Sie schien es geschafft zu haben. Nicole Diem erhielt Preise und wurde um die Jahrtausendwende als Vorzeigeunternehmerin gefeiert. Doch der Fall war tief. Die Herrlibergerin hatte ihr Optiker-Unternehmen heruntergewirtschaftet und geriet mit dem Gesetz in Konflikt. Filialen in Basel oder am noblen Paradeplatz mussten schliessen. Heute gibt es nur noch drei Läden. Per Werbung im Lokalfernsehen preist Diem ihre Läden an. Mittlerweile ist sie wieder alleinige Verwaltungsrätin der Nachfolgegesellschaft.

2017 verurteilte das Bezirksgericht Horgen die 65-Jährige zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von sechs Monaten und einer unbedingten Geldstrafe von 120 mal 250 Franken sowie einer Busse von 100 Franken. Teilweise wurde die Strafe als Zusatzstrafe zu einem Urteil des Bezirksgerichts Meilen aus dem Jahr 2011 ausgesprochen. Schuldig gemacht hatte sie sich der Misswirtschaft, unterlassener Buchführung, Gläubigerschädigung und grober Verkehrsverletzung.

Mit dem Urteil war sie teilweise nicht einverstanden. Gegen die unbedingte Freiheitsstrafe, die sie im Horgner Gerichtssaal noch schockiert hatte, ging sie nicht vor. Die Geldstrafe empfand sie aber als zu hoch. Deshalb zog sie den Fall weiter ans Obergericht. Im schriftlich geführten Verfahren ist jetzt ein Urteil ergangen. Am Entscheid aus Horgen ändert sich nichts. Die Beschuldigte akzeptiert alles, das Urteil ist somit rechtskräftig.

Die 65-Jährige hat selber keine Optiker-Ausbildung gemacht. Ein angestellter Optiker habe ihr alles Wichtige beigebracht, sagte sie in Horgen. Der Schlamassel konnte nach ihren Angaben passieren, weil sie das Finanzielle den Treuhändern überlassen hatte. Als die Firma in den 1980ern zur AG wurde, gab es nur eine Verwaltungsrätin – Diem selber. In den 2000er-Jahren schlitterte das Unternehmen in eine Misere. Schuld war der Umzug von der Bahnhofstrasse in den Lichthof des Credit-Suisse-Hauptsitzes am Paradeplatz. Teure Umbauten und Mietkosten von einer halben Million jährlich rissen Löcher in die Kasse. Die Folge: Ab 2005 schrieb das Optikerunternehmen mit Sitz in Horgen tiefrote Zahlen.

Eigentlich hätte die Geschäftsführerin damals Konkurs anmelden müssen. Stattdessen schoss sie eigenes Geld ein, nahm ein Darlehen auf, eine zusätzliche Hypothek auf ihr Haus in Herrliberg. Revisionsberichte gab es jahrelang keine mehr. Wie schlecht es um die Firma stand, wurde so verschleiert. Als Verwaltungsrätin hätte Nicole Diem die Pflicht gehabt, den Konkurs anzumelden. Sie tat dies aber erst 2012. (pjä)