Geroldswil

Der Spargel ist noch immer nicht aus dem Winterschlaf erwacht

Spargelbauer Andreas Tschanz kann bisher nur Blumen pflücken.

Spargelbauer Andreas Tschanz kann bisher nur Blumen pflücken.

2011 stach Andreas Tschanz am 11. April erste Spargeln. Dieses Jahr sieht es düster aus – wegen der Kälte regt sich noch nichts. Entsprechend mager sind die Ernteaussichten.

Auf den Tag genau heute vor zwei Jahren hat der Geroldswiler Landwirt Andreas Tschanz die ersten Spargeln der Saison 2011 gestochen. Jetzt stiefelt Tschanz durch den Matsch, hebt eine der Folien hoch, unter der die grünen Spargeln wachsen sollten – doch ausser ein paar hartnäckigen Blümchen spriesst hier gar nichts.

Es ist zu kalt, zu nass, zu windig. Damit die Spargeln sich unter der Erde überhaupt regen, bräuchte es Bodentemperaturen von zwölf, dreizehn Grad. Bisher habe er noch nicht einmal die Dämme aufhäufen können, weil der durchtränkte Boden die tonnenschwere Maschine nicht tragen würde. «Bevor wir arbeiten können, muss der Boden erst richtig austrocknen», so Tschanz.

Der Spargel ist ein «Finöggeli», Wetterkapriolen erträgt er nicht. Auch im letzten Frühling machten den zarten Pflänzchen erst das nass-kalte Aprilwetter und im Mai die enormen Temperaturschwankungen zu schaffen. Diesen Frühling sind die Pflanzen rund drei Wochen im Verzug, Tschanz muss fast täglich um Lieferungen anfragende Restaurants und Private vertrösten.

Niemand muss Däumchen drehen

Jammern will Tschanz aber nicht, im Gegenteil. Zu tun gibt es für ihn und seine Mitarbeiter genug, auch neben dem Spargelfeld, Däumchen drehen muss keiner. Und auch für die Spargelpflanze, die jeweils mehrere Jahre im Boden bleibt, sei dieser garstige Frühling reine Erholung.

«Durch die späte Ernte wird den Spargelpflanzen weniger Energie weggenommen», sagt er. Denn die Erntezeit ist strikte auf den 24. Juni, den sogenannten «Johanni-Tag», hin begrenzt. «Ernten wir in einem normalen Jahr zum Schutz der Pflanzen rund 50 Prozent aller Spargeln, werden es in diesem Jahr nur etwa 40 Prozent sein.»

Mit dem späten Erntebeginn sind Umsatzeinbussen vorprogrammiert. In Deutschland rechnet man damit, dass die Preise für ein Kilo Spargeln um 50 Prozent höher liegen werden, wie «Bild.de» berichtet.

Tschanz will seine Preise aber nicht erhöhen; der Kilopreis von 17 Franken erstklassigen Grünspargel und 18 Franken Bleichspargel bleibt. «Meine Angestellten kosten mich ja auch nicht das Doppelte», sagt er und lacht. «Ich könnte eine Preiserhöhung nicht rechtfertigen.»

Eine vorsichtige Prognose

Daheim am Küchentisch schaut sich Tschanz die Wetteraussichten für die kommenden 16 Tage an. Es soll wärmer werden, wärmer und trockener. Tschanz will nichts versprechen, aber auch er wagt eine vorsichtige Prognose: «Wenn es ab diesem Wochenende schön und rund 20 Grad warm bleibt, dann könnte es Anfang Mai die ersten Spargeln geben.»

Insgeheim hofft er aber auf einen zünftigen Temperaturanstieg, der die Spargeln förmlich aus dem Boden schiessen lassen würde. «Ist es richtig warm und trocken, wachsen die Spargeln zehn Zentimeter pro Tag» – die Erntegrösse wäre also innert 72 Stunden erreicht. Tschanz grinst: «Feinschmecker wissen: Der Spargel, der in der Hitze schnell wächst, ist der beste.»

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