Musik

Der Rapper, der aus dem Keller kam

Adrian Zingg in seinem Aufnahmestudio in Dietikon, wo auch das neue Album «Zrugg as Liecht» entstand. Foto: rue

Adrian Zingg in seinem Aufnahmestudio in Dietikon, wo auch das neue Album «Zrugg as Liecht» entstand. Foto: rue

Nach über einem Jahr Schaffenspause meldet sich Zet mit dem Album «Zrugg as Liecht» zurück. Was man darauf hört, ist eine Hommage an die Rapmusik.

Adrian Zingg öffnet eine schwere Stahltüre und sagt fast entschuldigend: «Es ist halt ein typischer Luftschutzkeller. Dafür stören wir niemanden hier unten.» Die Rede ist vom Aufnahmestudio seines Labels S1ze, das sich in den Katakomben eines Geschäftsgebäudes im Dietiker Industrieareal befindet.

Nach monatelangem Brüten in den düsteren Räumen des Studios hat der Mundart-Rapper unter seinem Künstlernamen Zet nun sein zweites Soloalbum herausgebracht. Der Titel lautet treffenderweise «Zrugg as Liecht». Wenn er nach stundenlanger Arbeit seinen Bunker verlassen habe, sei er immer wieder überrascht gewesen, wie hell die Welt draussen doch sei, sagt Zingg lachend. Mit der Veröffentlichung des Albums haben nun auch seine Lieder den Weg ins Licht gefunden.

Über ein Jahr hat Zingg sich Zeit genommen, um das Album zu vollenden. Ihm war wichtig, voll hinter dem fertigen Produkt stehen zu können. «Bei früheren Platten dachte ich im Nachhinein immer: ‹Dies und jenes hätte man bes-ser machen können.› Das wollte ich bei diesem Album verhindern», hält er fest. «Dieses Mal wollte ich von A bis Z alles durchdenken.» Gehversuche habe er mittlerweile genug gemacht; mit diesem Album habe er ein gereiftes Produkt vorlegen wollen, das ihn als Musiker repräsentiert. Dass er mit «Zrugg as Liecht» seinen Zenit erreicht hat, will der 30-Jährige damit aber nicht sagen. «Ich kann mich immer noch steigern. Sobald ich das nicht mehr kann, muss ich aufhören mit der Musik.»

«Musig ghört zu mir, wott nöd mal Geld demit verdiene - dass i wiitermach, isch klar, denn das isch mini Bestimmig», rappt Zet im zweiten Titel des neuen Albums. Und er erzählt, dass ihm diese Bestimmung sozusagen in die Wiege gelegt worden sei. Sein Vater habe früher in verschiedenen Bands gespielt, und so habe er schon als kleines Kind auf herumliegenden Instrumenten rumgedrückt. Als er älter wurde, begann er sich der Musik ernsthafter zu widmen. «Erst interessierten mich die Instrumente, die Musik an sich. Mit 16 kam dann das Bedürfnis, auch Texte zu schreiben», erinnert er sich. Zum Hip-Hop hat er über Umwege gefunden: «Ich habe verschiedene Musikrichtungen ausprobiert. Und Hip-Hop kam hier auch erst langsam auf. Die meisten Jugendlichen haben damals noch Techno gehört», sagt Zingg. Seine Vorliebe für ausführliche Texte brachte ihn schliesslich zum Rappen. «Für mich bietet der Rap die perfekte Kombination aus Musik und Text - einfache Aussagen und repetitive Formulierungen liegen mir nicht.»

Mit seiner Crew, den Limmattal Riders, hat Zingg 2007 das Label S1ze gegründet. Im Studio nehmen sie ihre eigenen Alben auf, wollen aber auch Nachwuchstalenten eine Plattform bieten. «Für uns war vieles schwierig, als wir 1997 angefangen haben, Musik zu machen», erinnert er sich. Niemand habe ihnen gesagt, wie man Platten veröffentlichen und Konzerte buchen kann oder wie man mit der Presse umgeht. Deshalb wollen sie den heutigen Neueinsteigern helfen, im Geschäft Fuss zu fassen.

Das Limmattal habe eine sehr lebendige Hip-Hop-Szene, sagt der in der Fahrweid wohnhafte Rapper: «Es gibt unzählige Bandräume in der Umgebung. Doch viele der Musiker sind noch weit davon entfernt, etwas veröffentlichen zu können.» Die wenigen, in denen er Potenzial sieht, versucht er zu unterstützen, so gut es geht. Diese dürfen zum Beispiel an Konzerten mit den Limmattal Riders auftreten und sich bei ihm im Studio austoben. «Die besten Resultate erzielt man, wenn man locker und ungezwungen neue Sachen ausprobiert», so Zingg.

Mittlerweile nehmen Künstler aus der ganzen Schweiz bei S1ze auf. Zingg ist froh, dass er mit seinen Klienten auch freundschaftlich verbunden ist. Ihm sei aufgefallen, dass im Musikgeschäft der Umgang immer anonymer werde. «Die Zusammenarbeit bei uns ist sehr persönlich, es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen», sagt er. Einige Künstler, die
er über das Studio kennengelernt hat, wirkten auch beim neuen Album mit.

Die Beziehung zur Musik ist ein wichtiger Bestandteil der Texte auf «Zrugg as Liecht». In mehreren Liedern wird die Wechselwirkung zwischen Leben und Musikschaffen thematisiert, wobei die Grenzen zwischen Privat- und Künstlerleben verschwimmen. Musikalische Weiterentwicklung und persönliches Vorankommen sind oft ein und dasselbe in seinen Tracks. So rappt er auf dem neuen Album: «Ich han ufghört, alles welle z kopiere, will sich doch d Pünkt im Läbe immer relativiere. Und mer lerned dezue vo de Szenarie, wo der s Läbe gitt, und wenn du weisch, wohii, isch selbst e Niederlag e Stägetritt.» Man sieht, wie die Einstellung zur Musik zur Lebensphilosophie wird - und umgekehrt.

Ein vertontes Tagebuch ist das Album aber nicht: «Natürlich ist in den Texten viel von meinem Leben drin, aber eben nicht nur», gibt er zu. Die Lieder seien eine Mischung aus eigenen Erfahrungen, Geschichten von Freunden und rein Erfundenem. Es sei ein bunter Mix, der letztlich «vor allem als Lied ‹verhebe mues›», sagt er. Viel habe auch mit Rollenspiel zu tun: Er versuche, sich in Situationen hineinzuversetzen, und stelle sich vor, wie er darauf reagieren würde.

Nicht nur in seinen Texten, sondern auch musikalisch hat Zet sich weiterentwickelt. Auf früheren Platten habe er die Musik fast ausschliesslich am Computer gesamplet. Jetzt will er vermehrt mit Livebands arbeiten: «Durch die Studioarbeit habe ich viele Livemusiker kennengelernt, die Interesse an gemeinsamen Projekten hatten», sagt er. So kann er auf «Zrugg as Liecht» eine gute Mischung aus Beats und Liveinstrumenten präsentieren. Auch an Konzerten wolle er in Zukunft mit Band auftreten.

Auf die Rückkehr auf die Bühne freut sich Zet besonders: «Ich habe während eines Jahres keine Konzerte gegeben, weil ich mich voll aufs Album konzentrierte. Nun bin ich bereit, der Welt zu zeigen, was dabei herausgekommen ist.» Das wird er bald an einem Heimspiel können: Am Schlierenfest wird er seine Künste unter Beweis stellen.

«Zrugg as Liecht» ist seit dem 5. August in den Läden oder unter www.pinkmusic.ch erhältlich. Am 3. September tritt Zet mit den Limmattal Riders um 21 Uhr auf der Jugendbühne am Schlierenfest auf.

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