Was noch vor wenigen Wochen völlig aussichtslos erschien, rückt nun in greifbare Nähe. Die rund 100 Jahre alte Blutbuche, die auf dem Schlieremer Zentrumsplatz steht, könnte tatsächlich gerettet werden. Wegen des Baus der Limmattalbahn quer über den Platz hätte der Baum im Verlauf der kommenden Wochen gefällt werden müssen. Bei einer Unterschriftensammlung von Baum-Aktivisten zur Rettung der Blutbuche kamen inzwischen rund 1400 Signaturen zusammen, was dem Anliegen nun Auftrieb verschafft. Zahlreiche Schlieremerinnen und Schlieremer verzierten den Baum mit kleinen Grussbotschaften, Bildern, Fotos und Anekdoten. Vier Stühle und ein Tisch laden zur Mahnwache der Aktivisten ein.
Am Dienstag kam dann die erlösende Botschaft: «Wir haben einen Etappensieg erreicht – der Baum wird sicher nicht gefällt», sagt Susanne Porchet auf Anfrage. Die Schlieremerin, die gemeinsam mit ihrer Schwester Liliane Hagen seit zwei Jahren gegen die Fällung des Baums ankämpft, ist optimistisch.

Das Gespräch mit Daniel Issler, Gesamtprojektleiter bei der Limmattalbahn AG, und dem Schlieremer Bauvorstand Markus Bärtschiger (SP) fand am Dienstagmorgen statt und verlief aus Porchets Sicht positiv. «Im Verlauf dieser Woche werden verschiedene Spezialisten für Grossbaumverpflanzungen die alte Buche untersuchen und die Möglichkeiten einer Verschiebung abklären», sagt sie. Darüber sei man sehr erfreut.

Ein gutes Gefühl
Auch Issler geht mit einem guten Gefühl aus der Besprechung heraus, auch wenn er noch nicht von einer definitiven Rettung der Blutbuche sprechen will. «Wir klären nun mit der Bauleitung ab, welchen zeitlichen Spielraum wir haben», sagt er. So könne allenfalls noch bis Anfang nächsten Jahres mit einer Versetzung gewartet werden. Ohnehin müsse der Baum zur Winterzeit versetzt werden.


Dass der Baum am jetzigen Standort stehenbleiben kann, ist eher unwahrscheinlich. «Wir lassen uns zwar noch Pläne zukommen, doch zeigte man sich bezüglich einer angepassten Linienführung eher pessimistisch», sagt Porchet. So führt Issler aus, dass es nicht möglich sei, die Tramgleise in einem grösseren Bogen um den Baum herumzubauen. «Auf diese Weise würden wir nicht gerade, sondern abgerundete Einsteigekanten erstellen. Dies würde dazu führen, dass die Haltestellen nicht mehr die Anforderungen des Gleichstellungsgesetzes erfüllten – Rollstuhlfahrer wegen der grösseren Spaltbreiten also nicht mehr alleine ein- und aussteigen könnten», so Issler.


Sind die Abklärungen zur Gesundheit der Blutbuche und Kosten einer Verlegung getan, treffen sich die Protagonisten zu erneuten Gesprächen. Dies sollte in den kommenden Wochen der Fall sein.

Geissweid kommt nicht infrage
Eine Frage, die sich bereits jetzt stellt, ist jene nach dem künftigen Standort des Baums. Wie Bärtschiger auf Anfrage sagt, sei dies kein leichtes Unterfangen. «Der Baum kann einerseits nicht über grosse Distanz und andererseits nicht über unasphaltiertes Gelände transportiert werden», sagt er. So sei der Transporter mit geladenem Baum derart schwer, das er in eine Wiese einsinken würde. «Daher ist die Wahl des Standortes umsichtig zu treffen», so Bärtschiger. Der Variante, die GLP-Parlamentarier Andreas Kriesi vor einem Jahr ins Spiel brachte, rechnet Bärtschiger keine grossen Chancen ein. Kriesi sah vor, den Baum an den künftigen Geissweid-Platz zu verpflanzen, wo im Rahmen einer Neugestaltung ohnehin rund 60 Bäume gepflanzt werden sollen. «Auch die Geissweid wird in den kommenden Jahren eine Baustelle sein – keine guten Verhältnisse für einen solchen Baum.»

Zwischen 100 000 und 150 000 Franken
Eine weitere zentrale Frage ist jene nach den Kosten. Bereits zu einem früheren Zeitpunkt machten Issler und Bärtschiger klar, dass die öffentliche Hand die Finanzierung einer Versetzung nicht übernehmen werde. Man werde bloss kleinere Beträge übernehmen, heisst es von beiden Seiten. Wie hoch die Kosten ausfallen werden, ist derzeit noch offen. Möglich ist, dass die Versetzung zwischen 100 000 und 150 000 Franken kosten wird. Zumindest sagte Alexander Porchet dies im September 2016 in einem Interview mit dem Stadtmagazin «Schlieremer». Der Geschäftsführer der J.F. Jost & Co. und Ehemann von Susanne Porchet stützte sich dabei auf Abklärungen durch Grossbaum-Spezialisten. Ob diese Einschätzung – auch unter Anbetracht des Zeitdrucks – noch aktuell ist, wird sich zeigen.


Porchet macht sich darüber noch keine grossen Sorgen: «Wir haben verschiedene Strategien, Geld zu beschaffen», sagt sie. Mit rund 900 Menschen im Rücken, die den Baum weiterleben lassen wollen, wäre etwa ein Crowdfunding denkbar. Zudem seien ihr schon gewisse Beträgen zugesichert worden. «Doch über Details werden wir erst später informieren.»