Urdorf

Der neue Präsident des EHC Urdorf will mit dem Verein zurück in die 2. Liga

«Es geht schlicht nur mit einer Menge Herzblut aus der Bevölkerung. Anders können wir kaum existieren», sagt Daniel Bucher.

«Es geht schlicht nur mit einer Menge Herzblut aus der Bevölkerung. Anders können wir kaum existieren», sagt Daniel Bucher.

Mitten in der Sommerpause kommt es zu einem Präsidentenwechsel. Daniel Bucher, der neue Präsident des EHC Urdorf will mit dem Verein mittelfristig zurück in die 2. Liga – zuerst stehen aber andere Aufgaben an.

Wenn während der Sommermonate die Eishallen abtauen, die Spieler ihre Schlittschuhe gegen Flip-Flops tauschen und der Spielbetrieb pausiert, sollte auch bei den Eishockey-Vereinen für ein paar Wochen Ruhe einkehren – möchte man meinen. Nicht so beim EHC Urdorf.

Mitten in der Sommerpause kommt es zu einem Präsidentenwechsel. Daniel Bucher, der zuvor bereits Vorstandsmitglied der Stiere war, löst Thomas Leimgruber ab. «Thomas hatte schon länger verkündet, dass er mittel- bis langfristig einmal zurücktreten möchte und einen Nachfolger sucht», erklärt Neo-Präsident Bucher. Der 45-Jährige lässt sich lange – fast ein halbes Jahr – Zeit, bevor er sich im Juni dazu entscheidet, das Erbe Leimgrubers an der Spitze des EHC Urdorf anzutreten.

«Wichtig war mir dabei, dass der Vorstand hinter meinen Ideen steht. Hätte man nur Thomas gegen mich an der Spitze ausgetauscht, dann hätte das wohl wenig gebracht. Ich will einiges neu machen – und wollte sicher sein, dass die Leute, die im Verein tagein, tagaus mit so viel Herzblut mithelfen, da auch dahinterstehen», sagt Bucher, der hauptberuflich als Verkaufsleiter in der Medizintechnik tätig ist. Mit einem Rucksack voll Ideen für auf und neben dem Eis startet der neue Präsident in sein Abenteuer, weiss dabei jedoch, dass «Vereinsarbeit das A und O ist. Wenn wir im Vorstand klug aufteilen, wer wofür zuständig ist, dann wird alles gut kommen. Darum würde es mir auch nie in den Sinn kommen, mich in sportliche Fragen rund um die 1. Mannschaft einzumischen. Dafür haben wir schliesslich einen Trainer und Sportchef.»

Auch auf diesen Positionen verzeichnete der EHC Urdorf im turbulenten Sommer Umbrüche. So übernimmt Patrick Stach, der in der letzten Saison noch für die 1. Mannschaft auf dem Eis stand, die Leitung ebendieser. Das Amt des Sportchefs bekleidet neu Urs Landis – auch er ist dem Urdorfer Publikum aus seiner Aktivzeit bekannt. Komplettiert wird der Umbruch-Sommer durch weitere Veränderungen im Vorstand. So konnte etwa nebst einem neuen Nachwuchschef auch ein Sponsoringverantwortlicher gefunden werden. Insgesamt sitzen nun neun Personen im Vorstand des EHC – für Vereine dieser Grössenordnung ein enorm hoher Wert. «Wir sind stolz, dass wir so viele Leute dazu bewegen konnten, mitzuhelfen», sagt Bucher und ergänzt: «Die Dynamik ist grossartig. Wir sind hungrig und haben Lust auf Veränderungen.»

Vom Fussball in die Hockey-Welt

Anders als sein Vorgänger, der beim EHC Urdorf Torhüter-Legendenstatus geniesst, stand Bucher nie als Spieler für einen Hockeyverein auf dem Eis. Stattdessen wurde er in einem Fussballumfeld gross, kickte unter anderem für den FC Urdorf. Er selbst sieht darin indes keinen Nachteil: «Vielleicht ist es sogar ein Vorteil, nicht vom aktiven Hockey zu kommen, weil man so manchmal einen anderen Blickwinkel auf gewisse Dinge hat.» Eine besondere Verbindung hatte Bucher allerdings schon immer zum Eishockey: «Als Kind nahm mich mein Vater immer mit an die Heimspiele des ZSC», erinnert er sich. Die Begeisterung für den Sport, sie ist geblieben.

Und Bucher hat sie wiederum an seinen Sohn weitergegeben. Er war es denn auch, der am Ursprung seines Engagements bei Urdorf stand. So habe der Sohn früher Freihockey auf der Kunsteisbahn gespielt, sei ohne Ausrüstung und bloss mit einem Velohelm auf dem Kopf aufs Eis. Eines Tages schrammte er sich dabei das Gesicht übel auf, woraufhin der Vater genug hatte: «Ich sagte ihm, von jetzt an spiele er entweder kein Eishockey mehr – oder er mache es richtig. Mit Ausrüstung und im Verein.» Der Sohnemann entscheidet sich für Letzteres, beginnt beim EHC Urdorf. Bald wird Bucher angefragt, ob er nicht Lust hätte, im Trainerteam der Junioren mitzuhelfen. Über sechs Jahre ist dies nun her – sechs Jahre, in denen Bucher in verschiedensten Funktionen für die Stiere tätig war und zu einem Teil der EHC-Familie wurde. Nun steht er als Präsident an deren Spitze.

Der 45-Jährige hat eine klare Vision, wie er den Verein von dort aus lenken will. Eine tragende Rolle spielt dabei die Nachwuchsabteilung. «Es ist mir ein grosses Anliegen, in einigen Jahren wieder eigene Junioren in der 1. Mannschaft zu haben. Anders kann der Verein eigentlich nicht überleben.» Heute muss der EHC Urdorf für das Fanionteam jeweils externe Spieler rekrutieren, weil einige Nachwuchs-Jahrgänge fehlen. Für Sportchef Urs Landis ist dies keine einfache Aufgabe, zumal die Limmattaler ihren Spielern keinen Lohn bezahlen und in der kompetitiv weniger attraktiven 3. Liga antreten. Doch Besserung ist in Sicht: «In den untersten Altersstufen wächst der Verein enorm. Das ist einerseits wunderbar, andererseits aber auch ein Problem, da wir aktuell nur über ein Eisfeld verfügen», erklärt Bucher. Trotzdem schreibe sich der Verein auf die Fahne, keine Wartelisten für Junioren einzuführen: «Alle Kinder aus der Region sollen die Möglichkeit haben, ihr Hobby Eishockey ausleben zu können. Das sehe ich auch als die Aufgabe eines Dorfvereins, wie wir es sind, an.» Bis der Partnerklub ZSC Lions eine neue Halle in Altstetten errichtet hat, in der auch die Urdorfer trainieren dürfen sollen, wird sich die prekäre Eissituation nicht bessern. Bucher und sein Vorstand bleiben jedoch optimistisch: «Vielleicht müssen wir diesbezüglich ein wenig umdenken und nach Lösungen suchen, die nicht unbedingt nach dem kleinen Einmaleins klingen.»

Die 1. Mannschaft will den Aufstieg

Unkonventionell ist auch der Ansatz, den Bucher und sein Vorstand in der Saisonplanung der 1. Mannschaft gewählt haben. So entschloss man sich, den Aktiven kein Saisonziel zu setzen, sondern überliess dies den Spielern selbst. «Wir wollen die Jungs miteinbeziehen. Sie sollen entscheiden, was sie erreichen wollen – und dann alles für ihr Ziel geben. Das Resultat war dann recht klar. Das Team will zurück in die 2. Liga», sagt Bucher. Der Versuch habe bereits erste Früchte getragen. So sei die Beteiligung im Sommertraining rekordverdächtig hoch gewesen, auch der Spirit im Team stimme. Die acht Neuzugänge seien bereits bestens integriert. Wie sich die Stiere auf dem Eis beim Erreichen ihres Ziels schlagen, wird sich ab dem 21. September weisen. Dann startet man mit einem Gastspiel bei der 2. Mannschaft der GCK Lions in die neue Saison. Auch Bucher möchte seinen EHC mittelfristig wieder im Oberhaus sehen: «Auch für uns vom Vorstand ist klar, dass der EHC Urdorf in die 2. Liga gehört. Wir machen dem Team aber keinen Zeitdruck, denn vorerst haben wir auch abseits des Eises Ziele, die für das Weiterbestehen des Vereins zentral sind.» Damit meint der Neo-Präsident nebst der Nachwuchsarbeit auch eine Rückkehr zu alten Werten und Traditionen, die den EHC einst zu einem Identifikationsmerkmal Urdorfs machten. «Die Leute verbindet hier schon seit je viel mit dem EHC. Zuletzt hatte ich aber das Gefühl, dass diese Bindung etwas verloren gegangen ist.» Bucher, der mittlerweile seit knapp zwanzig Jahren in Urdorf wohnt und damit auch die glorreicheren Zeiten des Vereins Ende des letzten Jahrhunderts miterlebte, will die Verbindung zwischen Verein und Dorf wieder aufleben lassen. Spielern, Junioren, Helfern und letztlich auch den Zuschauern das besondere Vereinsgefühl, das die Stiere als Limmattaler Sport-Urinstanz einst umgab, wieder einimpfen. «Wir wollen zurück zu den Wurzeln. Der Verein soll zurück ins Dorf und die Leute aus Urdorf und der Umgebung sollen sich wieder mit dem EHC identifizieren können.»

Erreichen will Bucher die Symbiose zwischen Verein und Bevölkerung, indem der EHC wieder vermehrt Präsenz zeigt. So kehren die Stiere etwa mit einem Stand an die Chilbi zurück, auch das neu gestaltete Vereinsmagazin will man aktiv unter die Leute bringen. Letztlich sollen durch diese Offensive neue Unterstützer und Zuschauer angelockt werden. «Es geht schlicht nur mit einer Menge Herzblut aus der Bevölkerung. Anders können wir kaum existieren», betont der Präsident.

Leute im Verein sollen sich alle wieder kennen

Herzblut und Identifikation als Trumpfkarten: Ein Credo, das für Bucher auch vereinsintern unumstösslich ist. «Wir wollen, dass sich die Leute im Verein wieder kennen – mannschafts- und altersübergreifend. So, wie es früher eben war.» Auch für dieses Ziel fand der Vorstand bereits unter Vorgänger Leimgruber eine kreative Lösung. So trug der EHC erstmals ein internes Turnier aus, in welchem Spieler aus sämtlichen Altersstufen von der 1. Mannschaft bis zu den jüngsten Junioren in einem Team zusammenspielten.

So soll also nicht nur im Dorf, sondern auch im Klub ein Einheitsgefühl wie in den guten, alten Zeiten entstehen. Der EHC Urdorf hat den turbulenten Sommer genutzt, um einen Weg zugleich zurück zu den Wurzeln und hinein in die Zukunft einzuschlagen. Wohin dieser letztlich führt, erfahren die Stiere jedoch erst, wenn die Eisflächen wieder gefroren und die Flip-Flops im Schrank verstaut sind.

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