Schlieren

Der Mischverkehr ist vom Tisch – aber diskutiert wird immer noch

Im November werden auch Bäume südlich der Spitalstrasse (rechts) gefällt: Der Grund dafür ist aber nicht direkt der Bau der Limmattalbahn, sondern der Bau eines Weges, den die Landbesitzer so wollten.

Weil sich nichts mehr an der Führung der Limmattalbahn ändern lässt und alle Vergleiche mit den Landbesitzern unter Dach und Fach sind, wünscht der Stadtrat, dass das Postulat von Gemeinderat Thomas Grädel (SVP) von seiner Pendenzenliste verschwindet.

Beim zweiten Anlauf soll es nun klappen. Als der Schlieremer Stadtrat dem Parlament erstmals im Dezember 2017 die Abschreibung des Postulates von SVP-Gemeinderat Thomas Grädel beantragte, gab es ein dezidiertes Nein. Nun, knapp zwei Jahre später, hofft der Stadtrat auf einen Meinungsumschwung. Dies wohl auch, weil das Thema des Vorstosses, die Planung der zweiten Etappe der Limmattalbahn, abgeschlossen ist und bereits fleissig gebaut wird.
Grädel forderte in seinem Postulat von November 2016, dass sich der Stadtrat im Rahmen des Baus der Limmattalbahn für Mischverkehr an der Spitalstrasse einsetzt. Die Planer sahen heute wie damals jedoch ein Eigentrassee für die Stadtbahn vor. Ursprünglich hatten sich die Anwohner gewünscht, dass die Limmattalbahn in einem Tunnel unter dem Quartier geführt wird. Da diese Variante aber viel zu kostspielig war, pochten sie stattdessen darauf, die Linienführung im Mischverkehr zu prüfen. «Dies führt zu weniger Enteignungen, keiner Änderung der Zufahrten zu den Tiefgaragen und die Bäume haben eine Überlebenschance», schrieb Grädel damals.

Ende 2017 beantragte der Stadtrat die Streichung des Vorstosses von der Pendenzenliste mit der Begründung, dass die Variante Eigentrassee bereits vom Bundesamt für Verkehr genehmigt worden sei. Zudem könne so die Verkehrssicherheit am besten gewährleistet werden. Dennoch: Mit 25 zu 8 Stimmen votierte das Parlament gegen die Abschreibung.

Alle Grundeigentümer unterzeichneten Vergleich

Bis heute hat sich die Position der Exekutive nicht massgeblich verändert. Die vorliegende Lösung sei sicher, gut gestaltet und hinsichtlich des Landverbrauchs optimal ins Gelände gelegt. Für die erneute Beurteilung zog der Stadtrat auch neue Fakten in Betracht. «Unterdessen ist bekannt, dass sämtliche betroffenen Grundeigentümer den Vergleich unterzeichnet haben», schreibt der Stadtrat. «Aus diesem Grund sind die vom Postulanten angeführten Themen wie Enteignung und Änderung der Tiefgarage-Zufahrten hinfällig geworden.»

Zudem: Um den von den Grundeigentümern gewünschten breiten Weg südlich der Strasse erstellen zu können, so der Stadtrat, müssten sämtliche Bäume gefällt werden. Diese seien in keiner Art und Weise inventarisiert gewesen. «Die Stadt hatte daher keinen Spielraum für eine andere Lösung.»

Ob Grädel den Antrag auf Abschreibung akzeptieren wird oder nicht, wisse er noch nicht, wie er auf Anfrage sagt. Das eigentliche Ziel sei es ja gewesen, dass die zwischenzeitlich gefällten Bäume im Spitalquartier hätten stehengelassen werden können. «Dazu ist es aber zu spät. Leider finden demnächst keine Wahlen statt, sonst hätte sich der Stadtrat wohl ähnlich stark für den Erhalt der Bäume eingesetzt, wie er es bei der berühmten Blutbuche im Stadtzentrum getan hat», so Grädel.

Auch seien die Argumente der Limmattalbahn AG und der Stadt bezüglich Sicherheit nach Grädels Ansicht nicht stichfest. «Eine Hecke wird das mit 60 Kilometern pro Stunde fahrende Tram nicht ausreichend von den Fussgängern abgrenzen – die Gefahr bleibt.» Im Spitalquartier herrsche Weltuntergangsstimmung, weil man sich von den Bahnbauern und dem Stadtrat nicht angehört fühle.

Rodung der Bäume verzögert sich

Beim Gang durchs Quartier fällt auf, dass die Bäume auf der Südseite noch nicht gefällt wurden, obwohl die Arbeiten für September geplant gewesen wären. «Aufgrund von Missverständnissen, die Abklärungen nötig machten, verschoben wir die Arbeiten auf November», sagt Daniel Issler, Projektleiter der Limmattalbahn AG. Zudem verweist er darauf, dass Mischverkehr keineswegs sicherer, naturverträglicher oder leiser gewesen wäre als die Eigentrassee-Lösung.

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