Oberengstringen

Der Macher im Hintergrund: Er setzt voll auf das lokale Gewerbe

Richard Nydegger auf dem Oberengstringer Dorfplatz: Seit vielen Jahren setzt er sich in etlichen Vereinen ein für das Zusammenleben in der Gemeinde ein.

Richard Nydegger auf dem Oberengstringer Dorfplatz: Seit vielen Jahren setzt er sich in etlichen Vereinen ein für das Zusammenleben in der Gemeinde ein.

Nach 20 Jahren als Präsident des Gewerbevereins Engstringen will Richard Nydegger kürzertreten. Obwohl er dem Verein weiterhin erhalten bleiben wird, möchte er in der nächsten Zeit mehr jassen und mit seiner Frau auf Reisen gehen.

Erstaunlicherweise hat auch Richard Nydeggers Tag nur 24 Stunden. «Ich habe mich auch manchmal gefragt, wo ich eigentlich all die Zeit hernehme», sagt der abtretende Präsident des Gewerbevereins Engstringen (GVE). Denn obwohl Nydegger kaum je im Mittelpunkt steht, ist er in Oberengstringen allgegenwärtig.

Neben seiner Firma für Leuchtreklamen und dem Einsatz für den Gewerbeverein organisiert er seit drei Jahren in der Kommission Dorfplatzbelebung das Dorfplatzfest und «OE on Ice» mit und führt seit 12 Jahren die Feuerwehrvereinigung. Zudem engagierte er sich über 30 Jahre als Präsident der Supportervereinigung des FC Engstringen für die lokale Fussballjugend, war 16 Jahre in der Gesundheitsbehörde und amtete 15 Jahre als Weinfest-Chef.

Bereits seit einigen Jahren denke er daran, das aufwendige und fordernde Gewerbevereinspräsidium abzugeben, sagt Nydegger. «Je älter dass man wird, desto mehr zehrt es an den Nerven.» Aber mangels Nachfolge machte er weiter. Zu seiner Pensionierung im November fasste er den endgültigen Beschluss. An der Generalversammlung vom 28. März wird er sein Amt nun definitiv abgeben.

Danach will Nydegger zwar kürzertreten, aber von Aufhören kann keine Rede sein. Im Hintergrund wird er den Gewerbeverein weiterhin unterstützen. Für die Organisation der jährlichen Delegiertenversammlung des Gewerbeverbands Limmattal, die kommenden Herbst dem GVE zuteilwird, hat er bereits die Federführung übernommen.

Kurzer Abstecher über die Limmat

Nydegger ist Oberengstringer durch und durch. Hier ist er geboren, aufgewachsen, zur Schule gegangen und hat seine Frau kennen gelernt. «Nur einmal bin ich für sechs Jahre nach Dietikon gezogen, weil ich hier nichts gefunden habe.» Vor 30 Jahren eröffnete er sein Geschäft für Leuchtreklamen im Dorf. So landete er kurze Zeit später auch im Gewerbeverein. Nach einigen Jahren im Vorstand übernahm er dann 1999 das Präsidium. Aber er hätte sich damals nicht ausmalen können, so lange im Amt zu bleiben.

In seinen 20 Jahren habe er soviel erlebt, dass es schwierig sei, einzelne Höhepunkte hervorzuheben. Gerne erinnert er sich an die unregelmässig durchgeführte Gewerbeausstellung, die 2010 letztmals stattfand. Ein Meilenstein war auch, als der «Engstringer Kurier» im Herbst 2010 farbig wurde.

Seither wird das Informationsblatt für Ober- und Unterengstringen in Eigenregie vom Gewerbeverein herausgegeben. Zuvor hatte der GVE eine Dietiker Druckerei mit dem Kurier beauftragt. Doch dann verliess diese das Limmattal. «Wir sagten uns: Es kann nicht sein, dass ein Gewerbeverein im Thurgau drucken lässt», sagt Nydegger.

So kam das Projekt ins Laufen, bis schliesslich an einer ausserordentlichen GV rund 80 Mitglieder mit grosser Mehrheit der Umsetzung zustimmten. Gedruckt wird heute lokal in Unterengstringen. «Aber wir geben auch viele Aufträge an die Druckerei in Oberengstringen.»

Für Nydegger ist es wichtig, dass der Gewerbeverein und er selbst mit gutem Beispiel vorangehen und voll auf das lokale Gewerbe setzen: «Ich kaufe mein Auto und meinen Fernseher auch im Dorf und gehe hier zum Coiffeur.» Die zentrale Aufgabe als Präsident sieht er in der Vernetzung, deshalb sei ein guter Draht zur Gemeinde besonders wichtig. Nur so könne er sich gut dafür einsetzen, dass das lokale Gewerbe bei Submissionsverfahren möglichst viel zum Zug komme.

In Oberengstringen laufe das sehr gut, denn zu Gemeindepräsident André Bender, selbst Kleingewerbler, pflege er eine gute Beziehung. Auch der Kontakt zur Unterengstringer Verwaltung habe sich im letzten Jahrzehnt deutlich verbessert.

Kleingewerbe unter Druck

Das lokale Kleingewerbe hat sich in den vergangenen Dekaden stark verändert, die Konkurrenz aus dem Ausland und dem Internet ist für viele Betriebe grösser geworden. Das hat Nydegger am eigenen Leib besonders zu spüren bekommen: Das Leuchtreklamengeschäft habe sich besonders stark ins Ausland verlagert. Die Rolle des Gewerbevereins sei in all den Jahren trotzdem ähnlich geblieben. Jährlich organisiert der Verein fünf Anlässe, um Gewerbler zu vernetzen.

Menschen zu motivieren und über sein grosses Netzwerk zusammenzubringen, ist eine grosse Stärke von Nydegger: «Ich hatte immer genug Leute.» Sei es für Vorstandspositionen, für die Organisation einzelner Anlässe oder einfach nur zum Helfen. Eine Knacknuss geblieben ist aber das Präsidium: Deshalb sei er froh, dass eine Nachfolgeregelung gefunden wurde.

Die Mitgliederzahlen sind über die Jahre konstant geblieben. Bis heute zähle der Verein rund 120 Mitglieder. «Ein harter Kern von rund 40 Menschen ist regelmässig dabei, viele sind zu guten Kollegen geworden», sagt er. So unternimmt er seit 19 Jahren mit drei Vereinskollegen jährlich eine Städtereise. «Dieses Jahr geht’s nach Malaga.» Die Quote der Aktiven wollte er als Präsident noch verbessern, «aber das blieb Wunschdenken», sagt Nydegger.

«Ich bin kein Politiker»

Trotz all seinem Einsatz: Selbst im Mittelpunkt stehen wollte Nydegger nie. «Das müssen andere machen.» Auch deshalb strebte er nie nach politischen Ämtern und ist bis heute parteilos geblieben. «Ich bin überhaupt kein Politiker. Ich arbeite lieber im Hintergrund.»

Jetzt will Nydegger erst mal etwas kürzertreten und dem Jassen und dem Reisen mehr Zeit widmen. Zusammen mit seiner Frau Karin organisiert er einmal im Monat ein Jassturnier in Wettswil und hat nun auch wieder mehr Zeit, selbst an Turnieren teilzunehmen. «Wir gehen viel zusammen jassen und haben auch schon Zwölfstünder gespielt», sagt er. Auch der Reiseplanung widmet er mehr Zeit. Im Oktober besucht er mit seiner Frau Ägypten und «die Kreuzfahrt nach Griechenland ist schon geplant».

Auch wenn Nydegger mal alle Ämter abgegeben hat, bleibt die Familie im Gemeindeleben aktiv. So engagiert sich seine Tochter Ramona auch in der Kommission Dorfplatzbelebung. Und so lange er noch fit ist, wird Richard Nydegger im Hintergrund immer seine Finger unterstützend mit im Spiel haben. «Wenn meine Hilfe gebraucht wird, kann man mir ja anrufen.»

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