So schnell haut den Weininger Gemeindepräsidenten Hanspeter Haug (SVP) nichts um. Dafür sind die Erfahrung und der Leistungsausweis des Mannes, der am Gubrist den Sprengknopf drückte, zu gross. Und doch erlebt er jetzt auf das Ende seiner Amtszeit hin nochmals etwas völlig Unerwartetes. Er wird das Los ziehen, das entscheidet, ob André Wymann (Quartierverein Fahrweid) oder Harry Landis (parteilos) in den Gemeinderat einzieht.

Wie Haug gestern erklärte, findet der Losentscheid im altehrwürdigen Schlössli statt. Gemeindeschreiber Bruno Persano zieht die Fäden: Er machte sich gestern daran, einen Termin für die Losziehung zu vereinbaren, der allen Beteiligten passt.

Wer bei der Losziehung dabei ist

Dabei sein werden neben Haug und Persano die beiden Kandidaten Wymann und Landis. Dazu gesellen sich Hans-Ulrich Furrer als Präsident des Quartiervereins Fahrweid, der Wymann begleitet, sowie Wilfried Werffeli als Präsident der SVP, die Landis portiert hatte. Weiter wird der Bezirksratspräsident Simon Hofmann vor Ort sein. Er hat die Aufsicht darüber, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Zudem ist die Presse dazu eingeladen, der historischen Losziehung beizuwohnen.

Haug blickt mit gemischten Gefühlen auf die Losziehung. «Jetzt werde ich auch noch zur Glücksfee. Mir bleibt wirklich gar nichts erspart», sagte er gestern. Aber irgendwie sei ja klar gewesen, dass das jetzt ausgerechnet in Weiningen passieren müsse. «Ich habe so etwas noch nie erlebt. Es ist ein absolutes Novum für Weiningen», führte Haug weiter aus. Am Schluss sei es aber einfach ein Akt, den es nach Vorschrift durchzuführen gelte.

Die Losziehung wird sicher weniger anstrengend als der Wahlsonntag, der in Weiningen bis in die Abendstunden dauerte. Drei Mal wurde gezählt, drei Mal hatten Wymann und Landis gleich viele Stimmen. «Wir wollten sichergehen, dass das Resultat auch wirklich stimmt und dass uns niemand einen Vorwurf machen kann», erklärte Haug. Das spricht für die präzise, korrekte und ehrenwerte Arbeit, die das Wahlbüro geleistet hat, um den Volkswillen richtig abzubilden. 15 Wahlbüromitglieder, 8 Verwaltungsangestellte und der Gemeindepräsident waren im Einsatz. «Wir waren im Gemeindehaus vom Morgen bis am Abend dran. Als wir beschlossen hatten, nachzuzählen, haben wir die Wahlbüromitglieder gefragt, wer freiwillig bereit ist, länger zu bleiben», erklärt Haug. Als dann alles unter Dach und Fach war, gab es ein verdientes Znacht bei der Wirtin Maya Grossmann in der «Linde».

Warum das Schlössli perfekt passt

Unabhängig vom Resultat hatte sich Haug gefreut, dass gleich zehn Personen in den Gemeinderat einziehen wollten. «Genau das macht doch eine Wahl spannend», sagt Haug. «Dort, wo es nur darum geht, Bisherige zu bestätigen, dort fehlt doch das Salz und der Pfeffer in der Suppe.»

Dass die Auslosung ausgerechnet im Schlössli stattfindet, wo seit diesem Jahr der Gemeinderat tagt, wirkt im Übrigen auch fast wie eine Fügung des Schicksals. Denn das Schlössli wurde vor ungefähr 400 Jahren als Landherrensitz der Gerichtsherren Meyer von Knonau erbaut.

Knonau? Da war doch was! Genau: Dort kennt man Entscheide per Los bestens – im Säuliämtler Dorf kam es nämlich 1982 und 1990 dazu. Auch im Limmattal ist es nicht das erste Mal, dass es zu einem Losentscheid kommt: 2006 nämlich wählte in Aesch ebenfalls das Los.

«Gesprächsthema Nummer eins»

Dass ihre Wahl am Ende von einem Fingergriff des Gemeindepräsidenten Haug abhängt, hätten weder Landis noch Wymann erwartet. Wymann sagt: «Ich war sehr überrascht. Wir haben lange nichts erfahren, weil sie die Stimmen dreimal ausgezählt haben.» Und Landis: «Es war ein spannender und historischer Wahlnachmittag. Damit hat wohl niemand gerechnet. Der Volkswille hat bestimmt und es scheinen zwei gleichwertige Kandidaten aufeinandergetroffen zu sein.»

Er sei «in einem Wechselbad der Gefühle» sagt zudem Wymann. «Auf der einen Seite habe ich als Neuling eine gute Anzahl Stimmen erreicht, auf der anderen Seite entscheidet jetzt einfach ein Blatt Papier über den Einzug in den Gemeinderat.» Ein Weininger sei am Sonntag auf ihn zugekommen und habe gesagt, er solle glücklich sein, dass er mit dem Losentscheid in die Geschichte eingehen wird – egal wer gewinnt. «Es ist das Gesprächsthema Nummer eins im Dorf und es ist spannend, Teil von etwas Historischem zu sein. Trotzdem ist es natürlich ein bisschen bitter», sagt Wymann. Auch, weil jetzt nicht das Volk unmittelbar entscheidet. «Es hat schon etwas Undemokratisches. Aber schliesslich ist das das geltende Recht.» Auch Landis, der sich über sein «eindrucksvolles Resultat» freut, akzeptiert das Gesetz, so wie es ist: «Selbstverständlich stelle ich mich diesem Losentscheid und nehme auch die Entscheidung in der getroffenen Form an.» Wie sie ausfallen wird, weiss niemand – auch nicht die Glücksfee, Gemeindepräsident Hanspeter Haug.