Oberengstringen
Der Jazzclub Allmend am Ende? «Das wollte ich nicht akzeptieren»

Um ein Haar musste der Jazzclub Oberengstringen schliessen. Dank Michael Heisch ist vieles anders gekommen.

Bettina Hamilton-Irvine
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Es geht weiter: Im Jazzclub in Oberengstringen werden die Bands doch noch nicht verstummen (im Bild Chimaira im November 2015).
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Kopie von Jazzclub Allmend
Martin von Aesch, Noch bis im September 2017 Präsident des Jazzclubs Allmend: «Im Juni wusste ich, nun wird die Beerdigung des Clubs organisiert.»
Dani Solimine im Jazzclub Allmend
Der Jazzclub ist seit über 25 Jahren eine feste Grösse in der Szene.
Christoph Irniger im Jazzclub
Der langjährige Präsident Martin von Aesch begrüsst die Gäste
Es ist das letzte Konzert dieser Saison im Jazzclub Allmend

Es geht weiter: Im Jazzclub in Oberengstringen werden die Bands doch noch nicht verstummen (im Bild Chimaira im November 2015).

AZ

Noch vor wenigen Monaten sah es düster aus für den Jazzclub Allmend in Oberengstringen. Vier der acht Vorstandsmitglieder des Vereins, inklusive Präsident Martin von Aesch, hören auf und lange Zeit liessen sich einfach keine Nachfolger finden. Auch eine monatelange, grossflächige Suche nach Personen, die den renommierten Club weiterleben lassen würden, war erfolglos. Für die Verantwortlichen war klar: Wenn sich keine neuen Vorstandsmitglieder finden lassen, wird der Jazzclub, der seit 1988 im Singsaal des Schulhauses Allmend Konzerte veranstaltet, im September 2017 für immer seine Türen schliessen müssen. Helfen konnte nur noch ein kleines Wunder.

Eine Traumbesetzung

«Im Juni ging ich an die Vorstandssitzung im Wissen, nun wird die Beerdigung des Clubs organisiert», sagt von Aesch. Doch es sollte anders kommen. An der Sitzung fiel der Name des Mannes, der später zusagte, das Präsidium zu übernehmen und der nun den Jazzclub retten wird: Michael Heisch. Dieser sei eine «Traumbesetzung», sagt von Aesch: «Ich bin überglücklich.» Überglücklich, dass der Club weiterleben wird, aber auch überglücklich, dass eine so kompetente Person die Zügel übernimmt.

Tatsächlich scheint Heisch wie gemacht für die Aufgabe. Der 53-Jährige, der seit drei Jahren im Schulhaus Allmend als Sekundarlehrer tätig ist und auch gleich daneben wohnt, ist selber Musiker und Komponist und hat eine grosse Leidenschaft für Jazz. Er hat in jungen Jahren in St. Gallen die Jazzschule absolviert, später in Winterthur noch Musiktheorie und Komposition studiert. Er hat lange als freischaffender Journalist vor allem über zeitgenössische Musik geschrieben und war «eigentlich immer auch als Kulturfunktionär tätig», wie er sagt. Zehn Jahre lang hat er für die Internationale Gesellschaft Neue Musik Konzerte organisiert und Programme zusammengestellt. «Ich machte dort genau das, was ich für den Jazzclub auch wieder machen werde», sagt er.

Seine neue Aufgabe sei auch eine Rückkehr für ihn, sagt Heisch: «Mit dem Jazz habe ich angefangen, jetzt kehre ich wieder dorthin zurück.»

Grosse Liebe zum Jazz

Als er gehört habe, dass der Jazzclub einen Präsidenten suche, habe er bald seine Hilfe angeboten, sagt Heisch: «Das drängte sich fast schon auf. Nicht nur, weil ich an der gleichen Strasse wohne.» Auch, weil er die Tätigkeit gut kenne und seine Liebe zum Jazz gross sei. «Und natürlich habe ich es sehr bedauert, als ich hörte, dass es mit dem Club bald fertig sein soll», sagt er. «Das wollte ich nicht akzeptieren.» Das sei wohl das Kämpferische in ihm, sagt Heisch und lacht.

So ganz wisse er zwar nicht, was alles noch auf ihn zukommen werde, sagt er. Doch: «Aus anderen Vereinstätigkeiten ist mir klar, dass es kein Spaziergang wird.»
Tatsächlich wartet auf den Oberengstringer viel Arbeit und kein Lohn. Zumindest kein monetärer: Die Vorstandsmitglieder des rund 160 Mitglieder zählenden Vereins verdienen nichts. Investieren müssen sie aber viel: etwa einen Tag Arbeit für jedes der jährlich 15 Konzerte, dazu kommen mindestens vier Sitzungen pro Jahr. Heisch freut sich, dass er mit seinem Engagement für «diesen wunderbaren Jazzclub» etwas beitragen kann: «Freiwilligenarbeit ist die Basis unserer Gesellschaft», sagt er.

Der Bass hält alles zusammen

Dass Heisch, der selber Bass spielt, nun den Club rettet, ist für von Aesch bezeichnend. «Der Bass hält die Band zusammen», sagt er. Interessanterweise hätten noch zwei weitere Bassspieler ihre Hilfe angeboten. Sowieso hat von Aesch, seit die Limmattaler Zeitung im März über das drohende Ende des Jazzclubs berichtete, enorm viele Rückmeldungen bekommen, wie er sagt. Es sei merkbar mehr Publikum erschienen und er sei so oft wie noch nie auf den Club angesprochen worden. Sogar aus dem Tessin hätten sich Leute bei ihm gemeldet, erzählt er. «Es war irrsinnig schön, zu merken, wie sehr die Leute am Jazzclub hängen», sagt von Aesch. Auch das Uitiker Paar Richard Durham und Claudia Schreiber hat sich bei ihm aufgrund des Artikels in der Limmattaler Zeitung gemeldet. Die beiden, die von Aesch als «äusserst engagiert» beschreibt, sind ebenfalls ab sofort im Vorstand des Jazzclubs.

«Das wird Weltklasse»

Dieser besteht, weil alle bisherigen Vorstandsmitglieder noch ein Jahr bleiben, bis im September 2017 aus elf Personen. Von Aesch bleibt bis dann Präsident, dann übernimmt Heisch, der jetzt Vize-Präsident ist. Gleichzeitig hören drei weitere Vorstandsmitglieder auf, zurück bleiben sieben. Von Aesch freut sich nun vor allem auf das Programm, das in seinem letzten Jahr noch laufen wird. «Weil wir dachten, dass es unsere letzte Saison wird, haben wir sozusagen ein Abschlussfestival voller Höhepunkte organisiert», sagt er und lacht. «Das wird Weltklasse.»