Max Spring wurde gestern 100 Jahre alt. Diesen rundesten aller Geburtstage feierte er gestern bei sich zuhause im Garten. Das Haus hat er in den 1950er-Jahren gebaut. Es war damals das einzige weit und breit in dieser Gegend der Stadt. Über die Jahrzehnte kamen viele Mehrfamilienhäuser hinzu. So hat Spring die Stadtentwicklung hautnah miterlebt. «Es ist eigentlich verrückt, wie Dietikon gewachsen ist», sagte er gestern, als er den Stadtpräsidenten Roger Bachmann (SVP) zum Champagner empfing. Bachmann überbrachte ihm unter anderem die besten Glückwünsche des Stadtrats, Blumen und Gutscheine von der Vereinigung Zentrum Dietikon. Spring freute sich, erzählte Bachmann viel aus seinem Leben und brachte den Stadtpräsidenten ins Staunen.

«Tag und Nacht habe ich gearbeitet»

Springs Leben ist stets von der Arbeit geprägt. Die viele Arbeit hält ihn fit. «Ich war ein Arbeitstier, Tag und Nacht habe ich gearbeitet», erzählte Spring. Ihm gehört die Firma Spring und Söhne in Stetten im Reusstal, die früher in Dietikon ansässig war und von Springs 1857 geborenem Grossvater Friedrich Spring gegründet wurde. Im Baumaterialienmarkt war sie eine feste, internationale Grösse, bekannt für die H-förmigen Spring-Schalungssteine zum Ausbetonieren. Ob beim Flughafen Kloten oder beim Hauptbahnhof: Überall kamen Baumaterialien von Max Spring zum Einsatz. Als Patron alter Schule arbeitete er gerne selber in der Produktion oder fuhr mit dem Lastwagen. «Sie sind ein leuchtendes Beispiel dafür, dass man mit Eigenverantwortung, Einsatz und Ausdauer zum Erfolg kommt», sagte Stadtpräsident Bachmann.

Auch wichtig sei die Freude an der Arbeit, so Spring. «Heute sind ja für viele die Ferien das Wichtigste an der Arbeit. Ferien haben wir früher nicht gekannt», so Spring. Selten gönnte er sich mal zwei, drei Tage im Tessin und fuhr dafür mit dem Ferrari über den Gotthard-Pass.

Im Zweiten Weltkrieg Panzersperren produziert

Es gab auch harte Zeiten. Zum Beispiel der Zweite Weltkrieg, in dem Dietikon zur Festung wurde. «Es war eine traurige Zeit. Wir haben gelitten. Mein Bruder machte 1500 Diensttage. Selber konnte ich den Dienst hinausschieben, denn wir produzierten auch für die Armee. Wir haben viele Panzersperren fabriziert.»

Als er seine Schalungssteine und andere Innovationen auf den Markt brachte, wurde er jeweils sofort leergekauft. Heute sind die Patente abgelaufen, der internationale Preisdruck ist gross. Erst vor vier Jahren beendete Spring die Produktion, nach einem Unfall mit dem Gabelstapler. Seither vermietet er sein Firmengelände. Seine Immobilien bewirtschaftet er selber. «Die Arbeit hält mich fit und bei Sinnen», erzählte Spring. Nur Tennis spielen oder Sportwagen fahren, das macht er nicht mehr. Aber den Rasen mäht er selber.

Als langjähriger Leser der Limmattaler Zeitung verfolgt Spring auch das Weltgeschehen. «Ich bin ein chronischer Nein-Stimmer. Viele neue Gesetze sind überflüssig. All die Regulierungen machen es den Geschäften schwer», sagte Spring.

Der zweifache Vater und dreifache Grossvater lebt schon von Kind auf in Dietikon. Er ist stolzer Besitzer eines Papageis und eines Dackels namens Joggeli. Mit dessen Hilfe vertrieb er erst kürzlich einen Einbrecher.