Kein Kindergeschrei ist zu hören, kein Wasserrauschen. Ein gelber Schwimmring lehnt ungenutzt in der Ecke. Das Urdorfer Hallenbad ist leer, seine Becken trockengelegt. Dieser Dornröschenschlaf dürfte noch bis im September anhalten. Denn: Hitze und Trockenheit haben die Schweiz weiterhin fest im Griff. Ein Ende ist zurzeit nicht absehbar. «Vor diesem Hintergrund ist vorgesehen, das Hallenbad mindestens solange geschlossen zu halten, wie das Freibad geöffnet ist», sagt der Urdorfer Gemeindeschreiber Urs Keller auf Anfrage. Das heisst: bis mindestens am 9. September. An jenem Tag geht die Nachsaison des Freibads zu Ende. Dies hat der Gemeinderat am Mittwoch definitiv beschlossen. Ende Juli sah er noch eine lediglich vorübergehende Schliessung des Hallenbads vor. «Eine Wiederbefüllung hängt davon ab, wie sich der Pegelstand der Grund- und Quellwasservorkommen in den nächsten Wochen entwickelt», so Keller.

Sieben Angestellte betroffen

In jedem anderen Jahr wäre das Hallenbad, nach der jährlichen Revision während der Sommerferien, wieder betriebsbereit gewesen. Nach Kellers Wissensstand ist dies das erste Mal überhaupt, dass das Hallenbad infolge von Trockenheit geschlossen werden muss.
Während die Mehrzweckhalle Zentrum für Schulen und Vereine weiterhin betrieben wird, fällt der Betrieb des Hallenbads nun weg. Insgesamt sieben Personen, alles Mitarbeitende des Hallenbads, der Sauna und des Dampfbads, sind betroffen. Gestern wurden sie über den Entscheid des Gemeinderats informiert. «Wichtig ist uns, dass die Massnahme nicht zulasten des Personals geht», betont Keller. Die frei werdenden Ressourcen können etwa zur Kompensation eingesetzt werden, oder aber zur Unterstützung der Regie sowie für vorgezogene Arbeiten.

Durch die Schliessung hat die Gemeinde eine beträchtliche Wassermenge mehr auf Reserve. Auf zirka eine Million Liter Wasser schätzt die Gemeinde das Gesamtvolumen des Nichtschwimmer- und des 25-Meter-Schwimmerbeckens. Durch die Schliessung des Hallenbads fällt auch die unter Betrieb notwendige kontinuierliche Frischwasserzufuhr weg. Unter normalen Umständen müssen den beiden Becken pro einzelnem Badegast rund 60 Liter Frischwasser pro Stunde zugeführt werden. «Hier entfaltet die Massnahme besondere Wirkung», sagt Keller dazu.

Die Einstellung des Hallenbadbetriebs ist eine von mehreren Massnahmen, die die Gemeinde wegen der anhaltenden Dürre getroffen hat. So wurden die Laufbrunnen Ende Juli abgestellt (die Limmattaler Zeitung berichtete). Laut einer Einschätzung der Gemeinde plätschern von März bis Oktober normalerweise zirka 12,1 Millionen Liter Wasser durch die 20 Brunnen Urdorfs, was einem monatlichen Trinkwasserverbrauch von rund eineinhalb Millionen Liter entspricht. Das Hallenbad hingegen verbrauche pro Jahr 30 Millionen Wasser. Der monatliche Wasserverbrauch beläuft sich da somit auf 2,5 Millionen Liter. Allein durch diese beiden Massnahmen kann Urdorf laut Keller also monatlich insgesamt rund vier Millionen Liter Trinkwasser einsparen. Keller resümiert: «Zusammen mit dem Aufruf an die Bevölkerung, umsichtig und sparsam mit dem Trinkwasser umzugehen, wird ein Beitrag zum nachhaltigen Umgang mit Wasser als knappes Gut geleistet.» Weitere Massnahmen würden gemäss der meteorologischen Entwicklung beschlossen.