Soziale Medien

Der Freund und Helfer auf Facebook und Twitter

Die Stadtpolizei Zürich (im Bild ein Wettkampf für Sonderheiten) stellt sich und ihre Arbeit neuerdings auch auf Facebook vor.Archiv/Sibylle Meier

Die Stadtpolizei Zürich (im Bild ein Wettkampf für Sonderheiten) stellt sich und ihre Arbeit neuerdings auch auf Facebook vor.Archiv/Sibylle Meier

Die Zürcher Polizeien setzen bei ihrer Arbeit immer stärker auf die neuen Kommunikationskanäle. Seit nunmehr vier Monaten ist die Zürcher Kapo auf Facebook erreichbar. Der Austausch mit Usern ist sehr erwünscht.

«Wir heissen unsere neuen Kollegen herzlich willkommen und wünschen ihnen viel Befriedigung und Erfolg bei ihrer neuen Tätigkeit.» Die neuen Kantonspolizisten, die am Freitag in der Fraumünster-Kirche in Zürich vereidigt wurden, werden auch auf dem Facebook-Profil der Kantonspolizei willkommen geheissen. Daneben ist das Bild eines Polizeigrenadiers zu sehen, der an einem Seil an einem Polizeihelikopter runterklettert.

Seit bald vier Monaten ist die Zürcher Kantonalpolizei auf Facebook erreichbar. «Unkomplizierten und direkten» Kontakt mit der Bevölkerung wolle man pflegen und ihr die Möglichkeit geben, Anliegen, Fragen und Rückmeldungen einzubringen. Rückmeldungen können solche sein, wie im Falle des aktuellen Beitrags zur Vereidigung, wo nach 39 Minuten zehn Personen den Beitrag mit einem «gefällt mir» bewertet haben. Oder – als Reaktion auf den Hinweis zu Polizeikontrollen in Uster gegen illegale Glücksspiele – ein grammatisch nicht ganz einwandfreier Beitrag: «Hmm..ich würde eher mal die asylzentren stärker kontrlieren und die die straffällig wurden ohne tschüss ausschaffen.»

«Rasch und direkt» verbreiten

Neben Erwartbarem wie der Publikation von Medienmitteilungen, Informationen zur Organisation und aktuellen Kampagnen will die Kapo via Facebook Warnungen «rasch und direkt» verbreiten. Sie hofft auch,
auf diesem Weg polizeilichen Nachwuchs zu finden. Mindestens so wichtig wie die polizeiliche Arbeit, ist die Imagepflege. Was den Zeitaufwand betrifft, so wird bei der Kapo täglich rund eine Stunde auf die Bearbeitung des Portals verwendet.

1168 Fans hatte die Kantonspolizei am 24. Februar nach knapp vier Monaten. Marcel Strebel, Chef des Informationsdienstes, ist zufrieden mit dem Auftritt, den er «als zusätzlichen Informationskanal in Ergänzung zu den konventionellen Medien» sieht. Zwar habe man bisher nicht via Facebook zu Fahndungen aufgerufen, «es gab aber schon Hinweise über den Aufenthalt von verdächtigen Personen», sagt er. Viermal mussten Einträge gelöscht werden, «entweder, weil sie rassistische Züge hatten oder gegen unsere Netiquette verstiessen», sagt Strebel.

«Seriös, aber locker im Ton»

Die Stadtpolizei Zürich ist seit November nicht nur auf Facebook, sondern auch im Kurznachrichtendienst Twitter unter @StadtpolizeiZH erreichbar – «zu Bürozeiten», wie im Profil präzisiert wird. Ebendort wird darauf hingewiesen, dass über Twitter keine Notrufe angenommen werden.

Bemerkenswert ist, dass jeder Tweet, wie die 140 Zeichen kurzen Mitteilungen heissen, mit einem Kürzel gezeichnet ist und so transparent wird, wer eine Meldung geschrieben hat. Damit folgt die Stadtpolizei einer Logik der Sozialen Medien. Oder, wie der stellvertretende Chef der Infostelle, Michael Wirz, sagt: «Da wollen Menschen mit Menschen zu tun haben.» Dazu gehöre nicht nur, dass jede Frage beantwortet und der Dialog mit den Followern (jene, welche die Meldungen der Polizei verfolgen) gepflegt werde, sondern auch, dass man eine andere Sprache benutze: «Seriös, aber lockerer im Ton und weniger amtlich, als wir dies in Medienmitteilungen tun», sagt Wirz, der die Pilotphase leitet, die noch bis Ende April dauert.

Mit ihrer Präsenz in den Sozialen Medien will die Stadtpolizei «einer Realität Rechnung tragen». Facebook und Twitter seien längst nicht mehr Orte, «an denen sich nur Technik-Freaks aufhalten». Es stelle sich darum nicht die Frage, «ob, sondern wie» man Soziale Medien in die Polizeiarbeit integriere.

Vorbild Metropolitan Police

Nach knapp vier Monaten zählt die Stadtpolizei beachtliche 6400 Follower. Als grösste Erfolge nennt Wirz «einige sachdienliche Hinweise zu Unfällen und Beobachtungen, die zum Beispiel bei einem schweren Bahnunfall die Polizeiarbeit unterstützt haben».

Als eines der Vorbilder für den Auftritt der Stadtpolizei Zürich nennt Wirz die Metropolitan Police, welcher er eine Pionierrolle im Umgang mit Sozialen Medien zuschreibt. Unter dem Absender @metpoliceuk habe diese während der Ausschreitungen in London im vergangenen Jahr via Twitter Warnungen, aber auch Zeugenaufrufe und Informationen an ihre 54000 Follower verbreitet und stehe im Ruf, Kriminalfälle auch dank der Mithilfe aus den Sozialen Medien zu lösen.

Auftritt geplant

Noch nicht aktiv, was die Sozialen Medien betrifft, ist die Stadtpolizei Winterthur. Laut Mediensprecherin Tatiana Schwarz prüft man derzeit, «welches das geeignete Mittel für uns ist, um in den Sozialen Medien aktiv zu werden». Im Auge habe man neben Facebook und Twitter auch Google+. Bis wann der Auftritt realisiert werden soll, ist laut Schwarz noch offen.

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