Niderfeld

Der Chef der Firma Planzer sieht das geplante Projekt im Niderfeld als Mehrwert

«Geld war noch nie im Leben die Lösung»: Nils Planzer, CEO des Familienunternehmens, am Firmenhauptsitz an der Lerzenstrasse in Dietikon.

«Geld war noch nie im Leben die Lösung»: Nils Planzer, CEO des Familienunternehmens, am Firmenhauptsitz an der Lerzenstrasse in Dietikon.

Die Firma Planzer will im Dietiker Niderfeld, der letzten grossen Landreserve der Stadt, ein Logistikterminal erstellen. Das sei nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch aus lärmtechnischen Gründen.

Herr Planzer, der Dietiker Stadtrat hat immer betont, er wolle im Niderfeld ein hochwertiges Quartier mit Vorbildcharakter schaffen. Nun wollen Sie Ihren Hauptsitz dorthin verlegen. Haben Sie kein schlechtes Gewissen, dass Sie mit einem Logistikcenter den Traum vom modellhaften, urbanen Quartier zunichtemachen?

Nils Planzer: Überhaupt nicht. Denn zu einer modernen und hochwertigen Überbauung gehört auch eine gute Versorgung. Heute ist das Bewusstsein stärker, dass die Logistik ein Teil unseres Lebens ist und auch ihren Platz haben muss. Wer Produkte kaufen will, weiss, dass diese transportiert werden müssen. Dass unsere Logistik sehr stark mit der Schiene liiert ist, generiert natürlich mehr Verständnis, als wenn wir nur auf Lastwagen setzen würden.

Trotzdem gibt es auch sehr kritische Stimmen zu Ihren Plänen. Die AL forderte den Stadtrat im Parlament auf, Ihren Umzug ins Niderfeld mit allen Mitteln zu verhindern. Haben Sie damit gerechnet?

Mit einem gewissen Widerstand haben wir gerechnet. Es wäre utopisch zu erwarten, dass die ganze Bevölkerung nur Freude an unserem Projekt hat. Generell sind wir aber überrascht, wie konstruktiv die Diskussion verläuft und wie schnell die ersten Berührungsängste überwunden wurden.

Sie spüren keinen Widerstand mehr?

Von der grossen Mehrheit spüren wir Verständnis. Das freut uns und zeigt, dass unsere Strategie, vermehrt auf die Schiene zu setzen, ankommt. Als Familienunternehmen ist Nachhaltigkeit für uns immer zentral, weil wir automatisch an die nächste Generation denken.
Dass sich der Stadtrat nach langem Zögern auf Ihre Seite geschlagen hat, dürfte aber nicht nur an Ihrer Strategie liegen, sondern auch daran, dass Sie ein guter Steuerzahler sind.
Natürlich. Es ist ja auch nichts als recht, dass wir hier einen gewissen Heimvorteil nutzen dürfen. Aber die Steuern sind sicher sekundär. Wir machen viel für den Nachwuchs, haben viele Lehrlinge, schaffen Arbeitsplätze.

Das Niderfeld soll gerade auch ökologisch vorbildlich sein, mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil an Langsam- und öffentlichem Verkehr. Wie passt ein Logistikunternehmen mit 1300 Fahrzeugen dazu?

Diese Fahrzeuge sind natürlich auf die ganze Schweiz verteilt. Wir sind aber der Meinung, dass ein Logistikunternehmen durchaus zu einem ökologischen Konzept passt. Indem wir unseren schienenbasierten Betrieb in Zürich Altstetten und den strassenbasierten Betrieb in Dietikon konsolidieren, können wir noch mehr Verkehr auf die Schiene verlagern.

Heute transportieren Sie 60 Prozent der Güter auf der Schiene, 40 Prozent auf der Strasse. Um wie viel werden Sie dieses Verhältnis mit dem Umzug ins Niderfeld verbessern?

Ein Ziel in Prozent zu nennen, bringt nicht viel. Unser Ziel ist, möglichst jeden zusätzlichen Verkehr, den wir gewinnen, über die Schiene abzuwickeln. Das ist nicht nur ökologisch sinnvoll, die Schiene bietet auch höhere Zuverlässigkeit, da wir unabhängig von Staus sind. Trotzdem ist es nicht möglich, alles auf die Schiene zu legen. Es braucht die Strasse ebenso.

Nebst dem Umweltaspekt werden auch die Fragen von Lärm und Optik zentral sein. Wie stellen Sie sicher, dass Ihr Logistikcenter nicht negativ auffällt?

Wir argumentieren, dass unser Projekt in Bezug auf Lärm einen Riegel bilden wird zwischen Gateway oder Rangierbahnhof und der Wohnsiedlung. Wir sehen es als Mehrwert, dass dabei ein sanfter Übergang entstehen wird. Das kann man auch auf die Optik bezogen sagen. Klar ist ein Logistikgebäude keine Oper. Aber wir versuchen, uns harmonisch in die Umgebung einzupassen.

Ob der Gateway kommt, ist noch nicht klar. Während sich der Stadtrat hinter Ihre Pläne stellt, wehrt er sich vehement gegen das Containerumschlagterminal. Spielt das für Sie eine Rolle?

Der Gateway und Planzer haben nichts miteinander zu tun - ausser dass die beiden Projekte nebeneinander geplant werden. Ob der Gateway kommt oder nicht, tangiert unsere Pläne nicht. Der Stadtrat ist dagegen. Ich persönlich glaube aber, dass das Projekt umgesetzt wird - und aus bahntechnischen Gründen befürworte ich es auch. Als Planzer ist es mir egal.

Und als Limmattaler?

Als Privatperson befürworte ich das Projekt. Ich finde es gut, wenn die SBB Veränderungen einleitet, damit sie wirtschaftlich besser unterwegs ist.

In Sachen Gateway sind Sie sich nicht einig. Wie ist Ihr Verhältnis mit der Stadt Dietikon sonst?

Bis vor kurzem schien die Stadt mit unseren Plänen überfordert. Im letzten Jahr hat sich das aber geändert. Auch mit dem Stadtpräsidenten haben wir heute einen guten Rapport.

Trotzdem könnte Ihnen das Volk, das dem Gestaltungsplan zustimmen muss, noch einen Strich durch die Rechnung machen. Sorgt Sie das?

Natürlich haben wir Respekt davor. Es ist auch verständlich, dass die Bevölkerung bei so einem Grossprojekt vorsichtig ist. Mittlerweile habe ich aber ein sehr positives Gefühl.

Und wenn es doch nicht klappen sollte - gibt es eine Alternative für Sie?

Nein. Was das Bauliche anbelangt, haben wir keine andere Perspektive. Wir müssten statt auf der Schiene auf der Strasse weiterwachsen. Das würde ich bedauern, aber es wäre nicht der Untergang der Firma Planzer.

Haben Sie in der Umgebung alle möglichen Standortoptionen geprüft?

Wir haben viele geprüft. Weil wir auf die Schiene setzen, müssen wir auch entlang der Schiene planen. Das schränkt unsere Optionen stark ein. Zudem ist es wichtig, dass wir nahe an den Hauptverkehrsknotenpunkten sind.

Ist Dietikon für Sie als Standort auch so wichtig, weil Sie emotional damit verbunden sind?

Ja. Definitiv. So romantisch das klingen mag, ich finde es schön, dass unsere Firma hier gegründet worden ist und wir nach wie vor hier zu Hause sind. Ich wünsche mir, dass wir auch weiterhin hier Arbeitsplätze anbieten und unsere Steuern bezahlen können, statt an einem Ort, zu dem wir null Bezug haben.

Bevor Sie umziehen können, brauchen Sie aber noch genügend Land, insgesamt rund 100 000 Quadratmeter. Einen Grossteil davon haben Sie schon zusammen. Wie viel fehlt noch?

Etwa 30 000 Quadratmeter. Da sind wir noch gefordert.

Sie sind auf den Goodwill der anderen Grundeigentümer angewiesen. Und auf finanzielle Ressourcen Ihrerseits.

Geld war noch nie im Leben die Lösung.

Aber es hilft.

Ja, definitiv. Aber der Landpreis ist heute schon sehr hoch. Wir sind nicht daran interessiert, diesen noch mehr nach oben zu entwickeln. Es darf nicht sein, dass sich am Schluss niemand mehr dieses Land leisten kann. Die Entwicklung wird eine Herausforderung für alle Grundeigentümer werden. Denn einige werden auch noch Land an übergeordnete Nutzungen wie den Park abgeben müssen. Bis irgendetwas gebaut wird, vergehen noch mindestens fünf Jahre.

Wann ist Ihr Wunschdatum für den Umzug?

Wir sind heute noch nicht unter dem ultimativen Zeitdruck.

In Altstetten haben Sie noch zehn Jahre, bis Sie wegmüssen.

Genau. Danach wird es langsam eng. Wir hoffen, dass die Entwicklungen in den nächsten fünf bis zehn Jahren geschehen.

An diesen Entwicklungen beteiligt sind nicht nur Sie, sondern auch diverse andere Grundeigentümer. Wie funktioniert die Zusammenarbeit im neuen Verein Grundeigentümer Niderfeld?

Ich freue mich sehr, wie viele mitmachen. Es zeigt, dass man gewillt ist, das Gebiet gemeinsam konstruktiv zu entwickeln. Der Verein ist gut angelaufen und ich spüre eine positive Energie.

Ihre Interessen dürften deutlich von denen vieler anderer Grundeigentümer abweichen.

Das ist richtig. Doch dass man verschiedene Meinungen und Interessen hat, ist nicht das Problem. Schwierig wird es, wenn man nicht mehr fair und konstruktiv darüber sprechen kann - und das ist definitiv nicht der Fall. Das Ziel ist, die Interessen aller optimal unter einen Hut zu bringen. Für den einen geht es um die Rendite, für den anderen ist die Angelegenheit emotional. Das abzufedern und alle miteinzubeziehen ist die grosse Herausforderung.

Wie geht es nun weiter mit Ihren Plänen für das Niderfeld?

Aus meiner Sicht ist alles gut aufgegleist, das Pferd ist in den Wagen eingespannt. Nun beginnt es langsam, sich in Bewegung zu setzen. Es soll aber nicht gleich im gestreckten Galopp losrennen, sonst bekommt es einen Herzinfarkt (lacht). Es soll weitergehen auf dem vorgespurten Weg, den wir gemeinsam mit den anderen Grundeigentümern, der Stadt und der Bevölkerung gehen. Dafür sind wir optimal positioniert.

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