Dietikon

Der Cappuccino am Ziel treibt sie an: Friedensrichterin Christa Maag läuft für Kinder in Afrika

Die 50-jährige Christa Maag ist seit neun Jahren Friedensrichterin in Dietikon.

Die 50-jährige Christa Maag ist seit neun Jahren Friedensrichterin in Dietikon.

Friedensrichterin Christa Maag nimmt am Sonntag zum zehnten Mal am Zürich Marathon teil. Erstmals wird sie dabei Spenden sammeln, um damit Bildungsprojekte in Afrika zu unterstützen.

Das Vogelgezwitscher geht im Lärm der vorbeirauschenden S-Bahn unter. Ruhig fliesst die Limmat Richtung Dietiker Wehr. Christa Maag läuft der Strömung entgegen. Ihr violettes Trikot lässt das zarte Grün der Pflanzen erblassen. Die knielangen Sportleggins geben den Blick frei auf die schlanken, athletischen Waden. Einmal pro Woche joggt Maag dem Limmatufer entlang. «Oftmals drehe ich mit Kollegen eine Runde und laufe bis zum Kloster Fahr», sagt sie.

Mehr als eine Stunde bleibt der 50-Jährigen dafür aber nicht. Dann heisst es wieder zurück an die Arbeit. Maag ist seit neun Jahren Friedensrichterin in Dietikon. «Mein Beruf ist sehr kopflastig und verbunden mit vielen Besprechungen und Verhandlungen. Das Laufen ist ein wichtiger Ausgleich für mich.» Und manchmal kämen ihr dabei auch Ideen für Urteilsvorschläge, sagt sie.

Den Kopf lüften

Derzeit nutzt Maag das Joggen am Mittag aber nicht nur, um ihren Kopf zu lüften und um Ideen zu finden. Sie trainiert für den Zürich Marathon, der am Sonntag stattfindet. Für Maag ist es ein Jubiläum: «Ich bin zum zehnten Mal dabei. An keinem anderen Marathon habe ich so oft teilgenommen.» Eine Premiere gibt es trotzdem. Die Marathonläuferin wird erstmals für die Organisation Helvetas als Charity Runner Geld sammeln. «Mit dem Geld werden Bildungsprojekte in afrikanischen Ländern unterstützt», erzählt Maag. Helvetas habe alle Läufer angefragt, ob sie an der Aktion interessiert seien. Viel Überzeugungsarbeit brauchte es bei Maag nicht.

Die Friedensrichterin ist bereits karitativ tätig und engagierte sich für Hilfsprojekte in Uganda, Sambia, Malawi und Äthiopien. In Uganda sei sie erst im Februar auf einer vom Hilfswerk Tearfund organisierten Reise gewesen und habe Orte besucht, an denen sie geholfen hatte. «Vor elf Jahren war ich zum ersten Mal da und ich habe mitgearbeitet, um Regenwasser- und Quellwasserfassungen zu errichten.» Sie habe nun sehen wollen, was daraus geworden sei. Erschrocken sei sie, wie sehr der Klimawandel zu spüren ist. «Es gibt noch längere Trockenperioden als früher, was die Arbeit und die Anlagen noch wichtiger machen.»

Die Idee auch mit ihrem Hobby, dem Laufen, helfen zu können, gefällt Maag. «So kann ich beides verbinden», sagt die Dietikerin, die drei bis vier Mal pro Woche laufen geht.
Auf einer personalisierten Internetseite von Helvetas macht sie auf die Bildungsprojekte aufmerksam und teilt ab und zu Bilder von ihrem Lauftraining. Dort finden sich auch alle Angaben, um Geld zu spenden. «Ich finde dieses Prinzip besser, als Geld über Sponsorenläufe zu sammeln», sagt Maag. Auf diese Weise könne unabhängig von ihrem Resultat bereits vorgängig gespendet werden. «Und ich muss das Geld nach dem Marathon nicht noch eintreiben.»

Sammelziel übertroffen

Maags Sammelziel wurde bereits übertroffen. «Ich wollte 900 Franken generieren. Es wurden aber schon 1180 Franken überwiesen, was mich sehr freut.» Bis zum Sonntag kann noch gespendet werden. «Vielleicht kommen noch ein paar Beiträge hinzu», sagt sie. Maag hatte die Wahl, ob sie Geld für Wasser- oder Bildungsprojekte sammeln will. «In Uganda habe ich auch Schulen besucht. Die Klassen sind viel zu gross, es hat zu wenig Lehrer, Eltern können sich das Schulmaterial nicht leisten.» Da müsse Abhilfe geschaffen werden. Denn: «Eine Generation, die mehr Wissen hat und die einen Beruf erlernt, kann mehr Umschwung ins Land bringen und Gutes bewirken.»

Bedenken, dass die Spenden nicht dort ankommen, wo sie sollen, hat Maag nicht. «Ich verstehe, dass einige Leute skeptisch sind, weil in diesen Ländern Korruption herrscht.» Wenn man aber direkt mit der einheimischen Bevölkerung arbeite und den Verwaltungsaufwand klein halte, könne das Geld gut eingesetzt werden.

Über 25 Marathons

Obwohl Maag bereits an über 25 Marathons in der Schweiz und im Ausland teilgenommen hat, steigt ihre Nervosität, je näher der Sonntag rückt. «Das gehört dazu. Es zeigt, dass man bereit ist.» Neben dem Spendensammeln hat sie sich ein weiteres Ziel gesetzt: Die 42,195 Kilometer lange Strecke will sie in weniger als vier Stunden laufen.

Und natürlich: «Gesund ans Ziel kommen», will sie auch. Am meisten freue sie sich auf den Cappuccino mit Freunden direkt nach dem Marathon. «Das ist zur Tradition geworden. Wenn ich während des Laufs am Leiden bin und Motivation brauche, denke ich an die grosse Tasse Cappuccino.»

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