Wie der Schlieremer Bahnhof künftig gestaltet sein soll, darüber scheiden sich derzeit die Geister. Erst letzte Woche entschied sich das Parlament für die Umsetzung einer Begegnungszone auf der Güterstrasse, wo Fussgänger uneingeschränkten Vortritt geniessen. Doch entgegen der Vorlage des Stadtrates soll diese – nach dem Willen des Parlamentes – nicht zwischen Engstringerbrücke und Bahnhofunterführung Schlieren West, sondern lediglich bis zur Neuen Fossertstrasse verlaufen. Dies damit die Filialen von Post und Denner in den SBB-Neubauten problemlos von Autos angefahren werden können.

Doch auch auf der Nordseite des Bahnhofs tut sich was. Der Grünen-Gemeinderat Dominik Ritzmann reichte kürzlich ein Postulat ein, in welchem er den Ausbau der Veloabstellplätze, die unter der Engstringerbrücke platziert sind, verlangt. Je nach Uhrzeit finde man auch an kalten Tagen kaum einen Platz, wenn man sein Velo so abschliessen wolle, dass es nicht davongetragen werden kann, so Ritzmann. «Im Sommer wurde mir gar das Bremskabel rausgerissen, da die Velos so nahe beieinander stehen.» Wolle Schlieren den Langsamverkehr ernsthaft fördern, brauche es genügend Veloabstellplätze. Eine Möglichkeit sieht Ritzmann etwa in Altstetten, wo eine doppelstöckige Veloabstellanlage erstellt wurde.

Spiessrutenlauf auf Nordseite

Wenige Meter die Wiesenstrasse in westliche Richtung hinunter sind die Fussgänger in Gefahr. So sieht es zumindest FDP-Gemeinderat Dominic Schläpfer. Dessen Parteikollege Daniel Frey hatte in einer früheren Fragestunde auf die Gefahr im Bereich SBB-Personenunterführung West auf der Wiesenstrasse hingewiesen, woraufhin kleinere Anpassungen vorgenommen wurden. «Der Gang ist trotz der behelfsmässig markierten Fussgängerführung und den kleinen Pollern besonders bei Dunkelheit ein Spiessrutenlauf», sagt nun Schläpfer. So fehle eine angemessene Strassenbeleuchtung. Zudem würden sich viele Autofahrer nicht an die Anhaltepflicht halten. So will Schläpfer wissen, ob der Stadtrat die Sicherheit der Fussgänger an dieser Stelle trotz fehlender Beleuchtung als ausreichend erachtet. «Wenn nicht, welche baulichen Massnahmen wären zeitnah umsetzbar und ist der Stadtrat Willens zu installieren?»

Für die Exekutive – namentlich Bauvorstand Markus Bärtschiger (SP) – gibt es also viel zu tun. So ist auch die Begegnungszone auf der Güterstrasse noch in der Schwebe. Letzte Woche lancierten die Parteispitzen der SP, Grünen und GLP am Dienstag eine Initiative, wonach die Original-Begegnungszone bis zur Fussgängerunterführung gebaut werden soll. Bereits vor dem Parlamentsentscheid vom Montag reichte Gemeinderat Jürg Naumann (Quartierverein) ein Postulat ein. Darin verlangt er eine Ausweitung der Langsamzone. Namentlich die Einführung von Tempo 30 bis hin zur Goldschlägistrasse. Auch auf der Bachstrasse zwischen Badener- und Güterstrasse sowie auf der Neuen Fossertstrasse zwischen Ring- und Güterstrasse soll künftig Tempo 30 gelten. Das Quartier habe sich zwischenzeitlich zu einer Wohnzone entwickelt. «Diese Strassenabschnitte sind keine Durchgangsstrassen mehr, sondern faktisch bereits Quartier- und Zubringerstrassen», so Naumann. So sollte sich der bauliche Aufwand in überschaubaren Grenzen halten und die Umsetzung könnte allenfalls gar mit dem Bau der Begegnungszone ausgeführt werden, so Naumann.