Dietikon

Dem Kirchenchor steht vielfältiges Bettagskonzert bevor — sie reisen durch Brasiliens Musikgeschichte

Der reformierte Kirchenchor Dietikon gibt an diesem Wochenende zwei Bettagskonzerte mit der «Missa Brasileira» von Jean Kleeb in Dietikon und Birmensdorf.

Der reformierte Kirchenchor Dietikon gibt an diesem Wochenende zwei Bettagskonzerte mit der «Missa Brasileira» von Jean Kleeb in Dietikon und Birmensdorf.

Seit 2006 hält der in Brasilien geborene und aufgewachsene André Lichtler die Leitung des reformierten Kirchenchors Dietikon inne. Sein Weg führte ihn einst von Südamerika nach München und schliesslich bis nach Zürich Höngg, wo er zurzeit lebt.

Bei der Auswahl der Stücke des anstehenden Bettagskonzerts schlug sein musikalisches Herz in diesem Jahr für Südamerika. Die Aufführung der Messe «Missa Brasileira», vom gebürtigen Brasilianer Jean Kleeb komponiert, wird im Rahmen der beiden Bettagskonzerte an diesem Wochenende in Dietikon und Birmensdorf präsentiert.

Die Besonderheit: Einzelne Teile der rund 30-minütigen Messe wurden zwar bereits in Genf zelebriert, das gesamte Werk auf einmal aber noch nicht, womit die Schweizer Uraufführung in Dietikon ansteht. Es sei ein Zufallstreffer gewesen, erzählt Lichtler: «Ich habe das Stück in einem Verlag gesehen und mir nach einzelnen gehörten Sequenzen die CD besorgt.» Der Grund für die Wahl lag in seiner sofortigen Begeisterung: «Es gibt ähnliche Werke, die mich bislang nie überzeugen konnten, aber diese ‹Missa Brasileira› ist anders. Jedes Teilstück ist in einem anderen Rhythmus komponiert und diese Vielfältigkeit macht das Werk so speziell», erzählt er.

Das Publikum dürfe sich auf Klänge aus der europäischen Barockzeit freuen, die sich aber mit temperamentvoller und südamerikanischer Rhythmik vermischen, womit ein neues und ungewöhnliches Musik-Erleben ermöglicht werde. Für die Chormitglieder gingen die Proben das erste Mal in eine solche Richtung, womit auch ihnen rhythmische Fähigkeiten in einem höheren Masse abverlangt wurden. Umso erfreuter über die Zustimmung zeigt sich die Präsidentin Doris Müller: «Ich freue mich sehr, dass der Chor diese Herausforderung angenommen hat und ich bin hoch erfreut über diese Offenheit».

Es sei jeweils eine Selbstverständlichkeit, dass eine gemeinsame Entscheidung über die Auswahl der Stücke im Chor getroffen werde. Solche Gelegenheiten würden auch helfen, den Horizont zu erweitern und alle im Chor haben auch viel lernen können aufgrund der fremden Klänge, die im Werk enthalten sind, so Müller weiter. Im Januar haben die ersten Proben begonnen und für die gesamte Vorbereitungszeit findet die Präsidentin für den Chorleiter lobende Worte: «Lichtler macht das didaktisch hervorragend.» So habe es unter anderem Übungen gegeben, um das rhythmische Körpergefühl bei den Aktiven zu verbessern. Das gemeinsame Probeweekend habe den Werken noch den Feinschliff verpasst, sodass sie nun für den Auftritt bereit seien.

Zwei Sänger aus Brasilien sind auch dabei

Im ersten Konzertteil werden zunächst Stücke von bekannten Komponisten wie Johann Sebastian Bach, Heinrich Schütz oder Max Drischner zu hören sein. Hierfür wird der reformierte Kirchenchor – nicht zum ersten Mal – mit dem ökumenischen Singkreis Birmensdorf-Aesch gemeinsam auftreten. Auf die traditionelle Kirchenmusik folgt im zweiten Teil als Höhepunkt die Messe. Zwei Sänger aus Brasilien werden den reformierten Kirchenchor Dietikon dabei gesanglich unterstützen. Zudem werden sich zu Helga Váradi am Klavier die brasilianische Cellistin Marlise Goidanich, die extra aus Italien anreist, und aus Brasilien Gecy Marty (Perkussion), und weitere Solisten gesellen, damit das vielfältige Werk aufgeführt werden kann.

«Auch das Zusammenspiel unter den Solisten ist für alle in dieser Konstellation neu und musste separat geprobt werden», sagt Lichtler. «Das Publikum darf sich auf Gesänge in lateinischer Sprache freuen, die aber anders als gewöhnlich präsentiert werden und auch instrumental nicht wie ein klassisches Orchester klingen», sagt Doris Müller weiter. Auf Märsche und Arien, die eher europäisch anmuten, folgen exotische Rhythmen und so begibt sich das Publikum auf eine Reise durch die brasilianische Musikgeschichte.
Wiederum werden 300 Leute zum Konzert erwartet und eine Überraschung sei an dieser Stelle verraten: Der Komponist der Messe, Jean Kleeb, lebt zurzeit in Marburg und kommt am Sonntag zu Besuch, um sich die Dietiker Interpretation seines Werkes in Birmensdorf zu Gemüte zu führen.

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