Im hochnebelgeplagten Mittelland ist der Wetterbericht dieser Tage oft entscheidend für die allgemeine Stimmungslage. Deshalb das Wichtigste zuerst: Die Chancen auf ein hochnebelfreies Wochenende stehen nicht schlecht – und damit auch die Aussichten auf aussichtsreiche Ausflüge. Besonders eignen sich dafür im Kanton Zürich die einst militärisch bedeutsamen Hochwachten.

Im Dreissigjährigen Krieg hatte der Kanton sie 1624 als Alarmsystem zur Truppenmobilmachung angelegt: zwei Dutzend übers ganze Kantonsgebiet verteilte Wachtposten auf Bergrücken. Drohte Kriegsgefahr, waren sie bemannt und mit trockenem Holz, grünen Zweigen und Pechpfannen ausgestattet. Waren Angreifer in Sicht, entzündete die Hochwachtbesatzung Feuer. Tagsüber kamen dabei zwecks Rauchbildung die grünen Zweige zum Einsatz. Die Feuer sollten von anderen Hochwachten aus gut sichtbar sein.

Innert einer Viertelstunde konnten so Truppen im ganzen Kanton in Alarmbereitschaft versetzt werden, wie Gustav Jacob Peter in seiner Abhandlung «Zur Geschichte des zürcherischen Wehrwesens im 17. Jahrhundert» schrieb. Bei nebligem Wetter dauerte es länger. Böllerschüsse ergänzten dann die Höhenfeuer.

Das Alarmsystem wurde auch kantonsübergreifend eingesetzt. Bern hatte zwischen Rhein und Genfersee über 156 Hochwachten, der Thurgau 51, Freiburg deren 33 und Luzern 17, wie im Historischen Lexikon der Schweiz nachzulesen ist.

360-Grad-Panorama

Im 19. Jahrhundert ersetzten modernere Kommunikationsmittel die Hochwachten, von denen bisweilen auch Fehlalarme ausgelöst worden waren. Doch an einigen ihrer Standorte wurden später Aussichtstürme erstellt. Sie gehören noch heute zu den Orten mit den besten Aussichten.

Auch die Albis-Hochwacht zählt dazu. Von der Postautostation Albispass ist sie in einer halben Stunde zu Fuss bequem erreichbar. Schon beim Aufstieg, der auf einem auch velo- und kinderwagengängigen Wanderweg dem Waldrand entlang führt, bietet sich ein fantastischer Ausblick über den Zürichsee, die Stadt Zürich und die Goldküste. Besteigt man dann den Aussichtsturm, wird daraus ein 360-Grad-Panorama, das den Zürichsee in seiner vollen Länge, den Zugersee und bei klarer Sicht den Schwarzwald sowie die schneebedeckten Viertausender im Wallis umfasst.

«Von hier aus hatte man Sichtverbindungen mit den Hochwachten Lägern, Üetliberg, Stadlerberg, Rheinsberg, Zürichberg, Kyburg, Schauenberg, Tannenberg, Pfannenstiel, Orn am Bachtel, Schwesternrain und Zimmerberg», heisst es auf einer Infotafel oben im Turm.

Auch für heutige Kommunikationstechniken ist die Hochwacht offenbar noch nützlich. Bei einem Besuch am Donnerstag war jedenfalls ein Amateurfunker oben im Turm anzutreffen. Seine tragbare Antenne hatte er Richtung Osten montiert. «Meistens antworten Russen», sagte er auf Anfrage. Eilends entzündete eine Burschenschar an der Feuerstelle unterhalb des Turms Brennholz. Der aufsteigende Rauch sollte allerdings nicht vor den Russen warnen. Vielmehr brutzelten darüber bald die mitgebrachten Cervelats.